Rhein-Main-Neckar

Buchlesung Wolfgang Pauritsch gastiert am Sonntag in Tauberbischofsheim / Im Interview spricht er über Ehrlichkeit, Glück und natürlich den Erfolg der Sendung

„In jedem steckt ein kleiner Zocker“

Odenwald-Tauber.Bei „Bares für Rares“steht der gebürtige Innsbrucker Wolfgang Pauritsch in der Mitte des Tisches und agiert durchaus mit viel „Schmäh“. Auch während des Interviews ist sein Charme zu spüren.

Herr Pauritsch, Sie sind als Auktionator und Händler sehr erfolgreich. Warum folgt jetzt ein Buch?

Wolfgang Pauritsch: Ich habe dieses Buch nur geschrieben, weil es wöchentlich immer mehr Anfragen an mich gab – nach dem Motto „Ich bin Handwerker, wie werde ich Kunsthändler?“ Und weil meine Philosophie die ist, dass ich alles beantworte, es gerade aber immer schwieriger wird und ich mittlerweile 100 Mails in der Woche bekomme, habe ich gedacht, ich schreibe ein Buch und schreibe da alles rein. Ich dachte, dann habe ich weniger Arbeit, weil das Buch nun vorliegt. Ich hätte nicht geglaubt, dass ich nun mehr Arbeit damit habe. Das Interesse freut mich trotzdem.

Bei den vielen interessanten Geschichten hat das Schreiben bestimmt nicht lange gedauert.

Pauritsch: Ich habe in jedem Auto ein Aufnahmegerät gehabt und während des Autofahrens diktiert und dann niedergeschrieben. Ein „Ghostwriter“ hat die Geschichten dann für mich zusammengefasst.

Die Antwort ist aber sehr ehrlich.

Pauritsch: So banal wie es klingt, aber mit Ehrlichkeit kommt man halt am weitesten. In dem Buch steht ja, dass ich einmal geschummelt habe und dafür eine Ohrfeige bekommen habe. Deshalb: Ehrlich währt am längsten.

Die im Buch geschilderten Erlebnisse klingen manchmal riskant.

Pauritsch: Ich musste selbst so oft lachen über manche Geschichten. Die würde ich mich heute nicht mehr trauen. Ich würde mich heute nicht mehr trauen, beispielsweise mein Auto von der Mafia zurückzukaufen, wie ich es mit 24 Jahren gemacht habe. Der Buchverlag und der Ghostwriter haben mich mehrfach gefragt, ob das wirklich so passiert ist. „Das glaubt dir doch kein Mensch!“, meinten sie. Aber ja, das das ist einfach die Realität. So war das nun mal.

Anstatt den Hammer auf Aktionen zu schwingen oder Antiquitäten zu kaufen und verkaufen, halten Sie nun hin und wieder Buchlesungen ab.

Pauritsch: Ich habe bisher drei Lesungen gemacht. Und ganz ehrlich? Ich habe bisher nicht eine einzige Zeile gelesen. Ich habe angefangen zu erzählen und die Leute haben immer gesagt: „Nicht lesen, weitersprechen.“

Ist Ihr Buch für Sie vielleicht auch ein sogenannter Befreiungsschlag, weil Sie beispielsweise ganz offen mit Ihrer Leidenschaft für das Roulette-Spiel umgehen?

Pauritsch: Eigentlich nicht. Denn ich geh wirklich mit Ehrlichkeit durchs Leben. Wenn ich mal Fehler mache, mein Gott – ich steh’ dazu. Ich hab einmal einen Druck während der Fernsehserie „Bares für Rares“ für 250 Euro gekauft, der 30 Euro wert war. Da habe ich auch nicht darum gebeten, dass die Aufnahme nicht gesendet wird. Ich bin ein Mensch, ich mache Fehler, ich stehe dazu. Und ich will, dass die Menschen das sehen, dass auch ich Lehrgeld zahlen muss. Außerdem ist es auch ein Zeichen dafür, dass die Sendung echt ist.

Im Buch schreiben Sie über sich selbst, dass Sie 1000 Fehler hätten. Das ist eigentlich schwer vorstellbar.

Pauritsch: Oh doch. Ich überlege oft nur ganz kurz und entscheide mich schnell. Ich reagiere sehr spontan und emotional. Und manchmal denke ich hinterher, dass es besser gewesen wäre, wenn ich mir etwas mehr Zeit gelassen hätte für die Entscheidung. Ich nehme auch oft mehr Arbeit an, als ich eigentlich bewerkstelligen kann. Zum Beispiel wirke ich jedes Jahr bei zwei Benefizaktionen mit. Ich muss lernen, auch mal nein zu sagen, weil meine Gesundheit es nicht zulässt, dass ich ständig unter Strom stehe. Das ist wirklich ein Hauptfehler von mir.

Es scheint so, als bräuchten Sie immer einen gewissen Nervenkitzel.

Pauritsch: Da liegen Sie richtig. In jedem Menschen steckt ein kleiner Zocker. Und ein Händler muss ein kleiner Zocker sein. Ich kaufe beispielsweise eine Vase für 80 Euro und hoffe, dass mir jemand 100 Euro dafür gibt. Der ganze Kunsthandel ist im Prinzip ein kleines Spiel. Das ist einfach so. Natürlich gewinne ich gern im Casino. Aber ich habe auch gelernt, ein guter Verlierer zu sein. Ob ich jetzt ein Haus habe oder zwei, ein Auto oder zwei – es ist auf dieser Welt ja sowieso alles nur geliehen.

Ihr Großvater hat immer gesagt: „Alles hat einen Wert“. Was hat für Sie den größten Wert?

Pauritsch: Das Glück ist das größte, was man an Wert besitzen kann. Glück macht nicht zufrieden. Aber Zufriedenheit macht glücklich. Ich muss einfach mit dem Gegebenen zufrieden sein. Ich kenne Menschen, die arbeiten an der Kasse im Supermarkt für wenig Geld, aber sie sind glücklich. Vor solchen Menschen habe ich Respekt, weil ich mit tausend Euro nicht auskommen könnte, ohne unglücklich zu sein. Aber ich kenne auch Menschen, die verdienen im Monat 20 000 Euro und sind unglücklich. Wenn einer richtig zufrieden ist mit dem, was er hat, dann ist das doch ein richtiges Glück. Und ich bin glücklich. Ich bin angekommen mit dem, was ich habe, mit dem, was ich mache. Meine Berufung ist es, Auktionator zu sein. Derjenige, der mir ein Armband verkauft, hat vielleicht momentan einen Engpass. Er bekommt Geld und ist wieder zufrieden. Derjenige, der das Armband kauft, kann es sich leisten und ist froh, wenn er ein günstiges Armband kauft. Und ich, ich lebe noch davon. Also ist es eine Win-win-win-Situation. Wir sind alle drei glücklich. Was gibt es denn Schöneres?

Sie besuchen ein Museum. Taxieren Sie dann die Gegenstände?

Pauritsch: Ich gehe sehr gern in Museen und erfreue mich an den Dingen. Es ist schön, dass ein Museum etwas besitzt und nicht eine Privatperson, weil dann nur seine Familie etwas davon hat. Ich freue mich über jedes Werk, das in einem Museum hängt, weil wir es sehen können.

Was war eigentlich das Skurrilste, das Sie versteigert haben?

Pauritsch: Ich habe einmal einen 15-karätigen Diamanten verkaufen dürfen. Der hat einen Durchmesser von 1,5 Zentimeter. Es war das Hochpreisigste, was ich bislang verkaufen konnte.

Ergreift Sie dann der Neid?

Pauritsch: Nein, ich bin eher stolz, dass ich so einen Artikel verkaufen durfte. Außerdem, einen 15-karätigen Diamant würde ich im Leben nicht tragen, und meine Frau auch nicht. Der ist einfach zu groß.

Machen Ihnen Internetplattformen wie Ebay das Leben eigentlich schwerer?

Pauritsch: Überhaupt nicht. Ich habe noch nie im Leben etwas auf Ebay ersteigert. Ich werde dort auch nie etwas versteigern. Mein Beruf wird nicht aussterben. Die Menschen wollen doch wissen, von wem sie dieses Bild kaufen. Wenn heute jemand Geld für hochpreisige Dinge ausgibt, dann will er auch eine Bezugsperson haben. Für mich wäre es eine Idiotie, einen Einkaräter für 15 000 Euro im Internet zu kaufen, wo ich den Verkäufer nicht kenne. So dumm kann ich doch gar nicht sein. Die guten Auktionshäuser wird es immer geben, egal was der Computer noch so von sich gibt.

Große Bekanntheit erlangten Sie durch die Sendung „Bares für Rares“, die sich auch nach Jahren sehr großer Beliebtheit erfreut, während ähnliche Nachfolgeformate recht schnell wieder abgesetzt werden. Worin sehen Sie den Erfolg der Sendung begründet?

Pauritsch: Das Geheimrezept dieser Sendung: Sie ist nicht geschummelt. Wir haben kein Drehbuch. Die Sendung ist echt und der Zuschauer merkt das.

Es gibt nicht nur in Deutschland richtige Fangemeinden.

Pauritsch: Ich kenne Kegelclubs, die um 15 Uhr die Kegel auf die Seite legen und mitraten. Jeder legt zehn Euro in den Topf rein und versucht zu erraten, wer von den Händlern die Rarität oder Antiquität kauft. Wenn es keiner kauft, geht das Geld in den Jackpot und in die nächste Runde. Das Schöne ist, dass sich inzwischen auch viele junge Menschen dafür interessieren. Die sprechen dann mit ihren Großeltern über alte Dinge und vergangene Zeiten. Und die freuen sich, dass der Enkel endlich mal den Computer zur Seite legt und wieder das Gespräch sucht.

Auch wenn alle Zuschauer mitraten, das Ziel der Sendung ist doch ein anderes.

Pauritsch: Ich sage immer, wir Kunsthändler dürfen nicht die Asche aufbewahren, wir müssen im Sinne der Kunstgegenstände das Feuer weitertragen. Und dazu trägt diese Sendung bei.

Am 11.11. halten Sie in Tauberbischofsheim Ihre Buchlesung. Es ist der Tag, an dem die fünfte Jahreszeit, also die Fastnacht oder der Fasching, startet. Haben Sie damit etwas am Hut?

Pauritsch: Überhaupt nicht. Übrigens, mein erster Fernsehauftritt im Leben war in der Harald-Schmidt-Show im Capitol in Köln für die Bosnienhilfe. Das war auch der 11.11. – 1997.