Rhein-Main-Neckar

Rück- und Ausblick Arbeitsmarktjahr 2019 von weltwirtschaftlichen Ereignissen geprägt / Arbeitslosigkeit soll in diesem Jahr steigen

Fachkräfte werden in vielen Bereichen weiterhin gesucht

Archivartikel

Odenwald-Tauber.Das Arbeitsmarktjahr 2019 war ein Jahr, das von den weltwirtschaftlichen Ereignissen zunehmend stark geprägt wurde. Das Jagen von Rekord zu Rekord ist endgültig vorbei.

„Aber 2019 war auch ein Jahr des Wandels und der Chancen. Veränderte Anforderungen und Schwerpunkte, aber auch große Herausforderungen, die wir aktiv und nachhaltig mitgestaltet haben“, resümiert Karin Käppel, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim.

Mit dem Qualifizierungschancengesetz hat der Gesetzgeber die Fördermöglichkeiten für die Weiterbildung Arbeitsloser aber auch von Beschäftigten, wenn sich ihr Arbeitsplatz aufgrund von Digitalisierung und Automatisierung verbessert. Für die zielgerichtete und vor allem frühzeitige Weiterbildung der Beschäftigten ist eine enge Zusammenarbeit der Agentur mit den Arbeitgebern und Netzwerkpartnern wichtig.

Die Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim hat 2019 rund 1400 Weiterbildungen gefördert, davon zirka 350 Weiterbildungen für Beschäftigte in ihren Betrieben. Die Arbeitsagentur hat dafür insgesamt über zehn Millionen Euro eingesetzt.

„Die Arbeitswelt ändert sich, und diesen Wandel begleiten wir und fangen ihn durch berufliche Qualifizierung auf“, so Karin Käppel.

Mit dem im vergangenen Jahr eingeführte Teilhabechancengesetz haben über 100 Menschen im Agenturbezirk nach jahrelanger Arbeitslosigkeit den Weg zurück in das Erwerbsleben geschafft. „Ein toller Erfolg für unsere Gesellschaft“, so Käppel.

Im Jahresdurchschnitt waren weniger Menschen arbeitslos als 2018. Durchschnittlich waren 9122 Menschen arbeitslos gemeldet, 0,8 Prozent weniger als 2018. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote im Agenturbezirk lag wie auch 2018 bei 2,7 Prozent.

Durchschnittlich waren 7429 Stellen gemeldet, 450 oder 5,7 Prozent weniger als in 2018.Die Jahreszahlen für die Kreise

Jahreswerte 2019

Im Main-Tauber-Kreis lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei 2,6 Prozent (Vorjahr 2,6 Prozent). Es wurden 1981 Arbeitslose gezählt, 29 oder 1,4 Prozent weniger als 2018. Der Bestand an Stellenangeboten lag bei 2539; 0,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Im Neckar-Odenwald-Kreis lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei 3,0 Prozent (Vorjahr 3,2 Prozent). Es wurden 2476 Arbeitslose gezählt, 78 oder 3,0 Prozent weniger als 2018. Der Bestand an Stellenangeboten betrug 1181; 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Im Hohenlohekreis lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei 2,4 Prozent (Vorjahr 2,3 Prozent). Es wurden 1582 Arbeitslose gezählt, 46 oder 3,0 Prozent mehr als 2018. Der Bestand an Stellenangeboten lag bei 1246; 19,0 Prozent weniger als im Vorjahr.

Im Landkreis Schwäbisch Hall betrug die durchschnittliche Arbeitslosenquote 2,7 Prozent (Vorjahr 2,8 Prozent). Es wurden 3084 Arbeitslose gezählt, 13 (minus 0,4 Prozent) weniger als 2018. Der Bestand an Stellenangeboten belief sich auf 2462; 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Ausblick auf 2020

Positiver Ausblick ist, dass auch 2020 die Beschäftigung weiterwachsen wird, wenn auch langsamer als in den vergangenen Jahren. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet einen Anstieg um 0,4 Prozent. Fachkräfte werden in vielen Bereichen weiterhin dringend gesucht, und das Thema „Berufliche Qualifizierung“ wird eine große Rolle spielen. Laut IAB wird die Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg und auch in der hiesigen Region überdurchschnittlich steigen. Dennoch werde man mit der Arbeitslosenquote, die laut IAB-Prognose bei 3,0 Prozent (bezogen auf abhängig zivile Erwerbspersonen) liegen werde, unter dem Landesdurchschnitt bleiben.

„Die Konjunktur wird uns keinen Rückenwind geben, und das stellt uns insbesondere vor zwei Herausforderungen, die auf den ersten Blick widersprüchlich klingen. Auf der einen Seite werden wir vor der Aufgabe stehen, den zu erwartenden Anstieg der Arbeitslosigkeit abzufangen und auf der anderen Seite dem Fachkräftemangel gezielt entgegenzuwirken“, so Karin Käppel, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim.

Das Potenzial der Erwerbspersonen wird schrumpfen. Deutschland brauche Zuwanderung, und mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das am 1. März in Kraft tritt, habe die Regierung die Umsetzung dafür vereinfacht. Das Fehlen der Fachkräfte kann zur Wachstumsbremse werden.

Doch Zuwanderung funktioniere nur begrenzt, „deshalb müssen wir inländische Potenziale bestmöglich ausschöpfen“, so Käppel, Leiterin der Agentur für Arbeit.

„Der Strukturwandel in den Unternehmen ist in vollem Gange bei wirtschaftlich unruhigem Fahrwasser. Wir werden diesen Prozess zusammen mit den Arbeitgebern und Akteuren am Arbeitsmarkt weiter voranbringen. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, vorausschauend zielgerichtet zu qualifizieren, um den Fachkräftebedarf zu decken und Arbeitslosigkeit zu vermeiden“, erklärt Karin Käppel.