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Mit unbekömmlichem Mix

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2. Bundesliga: Die Würzburger Kickers versuchen sich das dritte Mal im Unterhaus

Im dritten Anlauf muss er jetzt doch mal gelingen – der Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga. Nach den Saisons 1977/78 und 2016/17 gehören die Würzburger nun erneut dem Unterhaus des deutschen Fußballs an. Nach den ersten beiden Versuchen musste man diese Spielklasse gleich wieder verlassen. Und auch in dieser Spielzeit stehen die Franken vor einer Mammutaufgabe, haben sie doch „finanzielle und infrastrukturelle Nachteile. Deshalb müssen wir mehr und effizienter arbeiten“, sagt Vorstands-Boss Daniel Sauer.

Doch dass sie das können, haben sie in den vergangenen Jahren bewiesen, die „Verantwortlichen vom Dalle“. Und seit Beginn des Jahres haben sie ja auch noch Felix Magath mit im Boot; und dass der immer mehr macht als andere, sollte bekannt sein. In welche der elf Transfers (bis Redaktionsschluss dieser Seite) er eingebunden war – daraus machen die Kickers ein Geheimnis. Magath legt immer wieder Wert darauf, lediglich „beratend und nicht entscheidend“ tätig zu sein. Wie auch immer. Es ist zumindest nicht von der Hand zu weisen, dass nach der Bekanntgabe seines Mitwirkens die Mannschaft noch einmal einen Schub bekommen hatte.

Sportlicher Baumeister dieses fulminanten Schlussspurts der Kickers in der 3. Liga ist aber ohne Frage Trainer Michael Schiele. Er hat aus einer durchschnittlich besetzten Mannschaft, die zwischenzeitlich beängstigende Bekanntschaft mit der Abstiegsregion gemacht hatte, einen Aufsteiger geformt. Die Basis für die Rückkehr in die 2. Bundesliga war die große körperliche Fitness und die Breite des Kaders. Auf diesem starken Fundament baute der Schwabe Schiele seine Fußball-Philiosophie. Die Spiele, vor allem die nach der Corona-Pause, waren fast alle nicht nur erfolgreich, sondern auch etwas fürs Auge – bis auf die letzten beiden vielleicht, okay.

Robuster werden

„Wir wollen grundsätzlich nicht so viel von unserer Art Fußball zu spielen abgeben“, sagt der 42-Jährige. Der erfolgreiche Mix aus Phasen, in denen bereits in der gegnerischen Hälfte auf Balljagd gegangen wird und jenen, in denen man den Gegner tief aufnimmt, soll für Konkurrenten unbekömmlich sein. Gut war sehr oft auch das Spiel mit Ball; doch auch hier müssen die Würzburger weiter zulegen. Das Thema Robustheit wird vor allem bei der Verteidigung von Standards ein Thema sein; hier erhoffen sich die Kickers vom international erfahrenen Douglas Franco Teixeira Verstärkung. Die nötige Erfahrung und Ballsicherheit für die 2. Bundesliga sollen Keanu Staude und Arne Feick garantieren. Florian Flecker ist als Flügelflitzer auf der rechten Seite vorgesehen. Er vermag die Lücke zu schließen, die Top-Scorer Fabio Kaufmann (14 Tore und 14 Vorarbeiten in der vorigen Saison) mit seinem Wechsel nach Braunschweig hinterlassen hat. Viele Neue loben die Pläne des FWK: „Mir hat in den Gesprächen das ehrgeizige Denken der Verantwortlichen gefallen“, sagte zum Beispiel Keanu Staude.

Doch „die Neuen“ werden nicht reichen, um den Karren durch die 2. Bundesliga zu ziehen. Die Kickers vertrauen weiter auf die Fähigkeiten ihres Trainers Michael Schiele als „Entwickler“. Stützen der Vorsaison wie Luca Pfeiffer, Dominic Baumann, Patrick Sontheimer, Hendrik Hansen, Leroy Kwadwo oder Frank Rohnstadt müssen auf die nächste Leistungsebene gehoben werden.

„Es wird auch Rückschläge geben“, weiß Trainer Michael Schiele. Und genau in solchen Phasen gilt es, besonnen zu handeln. Der Coach selbst verspürte in der elend langen Zeit seiner „Nicht-Vertragsverlängerung“ nicht unbedingt das totale Vertrauen aller Verantwortlichen. Trotzdem hat er „das Ding“ gezogen. Nun hat Michael Schiele aber den Aufstiegskredit bei den Kickers. Doch auch er muss sich weiter entwickeln. Den unbändigen Ehrgeiz bringt er mit. Dazu will er sich mit dem erstmaligen Klassenerhalt des FWK wirklich „unsterblich“ am „Dalle“ machen…