Regionalsport

Klassenerhalt ein hohes Gut

3. Liga: Die Würzburger Kickers sind mit einem stark verjüngten Kader unterwegs, der Potenzial für die Zukunft besitzt, sich aber erst einmal in der „rauen Drittliga-See“ bewähren muss

Wer am 20. Juli die „Flyeralarm-Arena“ in Würzburg verlassen hatte und dachte, „na, das könnte eine klasse Saison der Kickers werden“, der musste spätestens 13 Tage danach, nach dem 0:3 in Ingolstadt, seine Meinung revidieren. Dem allzu überschätzten 3:1-Sieg gegen Bayern München II, einem Aufsteiger, folgten drei Niederlagen in Serie. Und schneller als sich die Unterfranken versahen, fanden sie sich im Tabellenkeller der 3. Liga wieder.

Schon in den ersten beiden Saisonwochen wurde deutlich, in welcher Zwickmühle die Würzburger Kickers in ihrer insgesamt vierten Drittliga-Saison stecken: Trainer Michael Schiele hat einen großen spielerischen Anspruch. Bisher sah man in jeder Begegnung, dass die Kickers eine fußballerische Idee verfolgen. Allerdings drängt sich die Frage auf, ob der Kader für solch einen gehobenen Anspruch taugt. Fakt ist: Die Mannschaft wurde stark verjüngt, die wenigsten Neuzugänge weisen Drittliga-Erfahrung auf. Deshalb sagte Trainer Michael Schiele auch vor der Saison: „Wir haben sicher viel Fantasie im Kader.“ Die Zielsetzung ist deshalb nicht allzu hoch: Ein einstelliger Tabellenplatz soll es werden für „die Rothosen“. Dass es schwer genug wird, diesen zu erreichen, haben die ersten Saisonwochen gezeigt.

Bei den Neuen ragen drei Namen heraus: Albion Vrenezi vom Zweitligisten Jahn Regensburg und Luke Hemmerich von Erzgebirge Aue, ebenfalls in der 2. Bundesliga beheimatet. Während Rechtsverteidiger Hemmerich schon seine Stärke unter Beweis stellte und bereits im Heimspiel gegen Sonnenhof Großaspach mit langgezogenen „Luuuuuke“-Rufen gefeiert wurde, ist Vrenezi die ganze Zeit verletzt. Intern wird der Mittelfeldspieler als „Königstransfer“ bezeichnet. Ob er das ist, konnte er bisher noch nicht beweisen.

Ein dritter Neuzugang ist vor allem aus regionaler Sicht besonders: Luca Pfeiffer. Der Gommersdorfer, der beim FSV Hollenbach in der Oberliga erstmals bei den Herren spielte, setzte in der vergangenen Saison beim VfL Osnabrück seine ersten Fußabdrücke in der 3. Liga. Pfeiffer entschied sich im Sommer lieber für die 3. Liga anstatt für die 2. Bundesliga mit Osnabrück oder sogar für die Bundesliga mit dem SC Paderborn, dem er ja noch gehörte. Er will bei den Kickers regelmäßig spielen und Praxis auf dem Feld sammeln anstatt eine Klasse höher nicht über Kurzeinsätze hinaus zu kommen. „Zudem bin ich froh darüber, in der Heimat auf höchstem Niveau Fußball spielen zu können“, sagte Luca Pfeiffer. Wie gut er bei Ballbesitz ist, hat er mit seinen zwei Saisontoren auch schon gezeigt. „Gegen den Ball“ hat er noch das größte Verbesserungspotenzial.

Mit „Z 25“ in die Zukunft

Doch das gilt nicht nur für Pfeiffer, sondern für das gesamt Team. Zwölf Gegentore, die meisten davon äußerst billig eingefangen, sind für vier Spiele einfach viel zu viel. Zwar sieht Coach Schiele kein generelles Abwehrproblem, doch nach dem Spiel in Ingolstadt hatte auch er erkannt: „Wir müssen jetzt den Reset-Knopf drücken.“ Das stimmt, denn mit einem „weiter so“ würde dann trotz aller Fantasie im Kader die selbige fehlen, um sich noch den Klassenerhalt vorstellen zu können.

Und diesen müssen die Würzburger Kickers schaffen, um die mittelfristigen Ziele nicht zu gefährden. „Z 25“ heißt nämlich das „neue Programm“, das der FWK präsentiert hat. Darin enthalten ist der Stadionneubau und auch die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Diese soll „mit Anlauf“ und nicht ad hoc gelingen, und deshalb wurde mit einem Etat von knapp 3,5 Millionen Euro ein junger entwicklungsfähiger Kader mit Spielern zusammengestellt, die möglichst auch noch in zwei, drei Jahren für die Kickers spielen sollen. Die große personelle Fluktuation in jedem Sommer soll ein Ende haben.

Doch jetzt muss erst einmal die Negativ-Serie ein Ende haben. Sie hat gezeigt, dass der Klassenerhalt in dieser Runde schon ein hohes Gut ist für die Würzburger Kickers.

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