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DFB-Pokal Die Hoffenheimer spielen in Würzburg erst gut, doch werden einige Defizite ganz deutlich / Hoffen auf die Rückkehr von Andrej Kramaric

Alfred Schreuder ist vor dem Saisonstart nicht bange

Während des Seitenwechsels in der Verlängerung sprang Alexander Rosen plötzlich von seinem Tribünenplatz auf und ging schnellen Schrittes in die „Katakomben“ der „Flyeralarm-Arena“. Mochte der Sportdirektor der TSG 1899 Hoffenheim wirklich nicht mehr Hinsehen beim steten Bemühen „seiner“ Mannschaft, in die zweite Runde des DFB-Pokalwettbewerbs zu kommen? 2:0 hatte der Bundesligist nach 54 Spielminuten in Würzburg geführt, sich dann aber noch zwei Treffer eingefangen.

„65 Minuten lang haben wir gezeigt, was wir können“, sagte Rosen nach dem Zittersieg im Elfmeterschießen. Doch was nach etwa einer Stunde geschah, hatten die Hoffenheimer sicher nicht im „Matchplan“. Der Champions-League-Teilnehmer der Vorsaison verlor Ordnung und Kontrolle – und fast auch noch das Spiel. „Was danach passiert ist, geht nicht im Fußball. Wir haben nicht mehr das gemacht, was wir können: Aggressiv nach vorne verteidigen und mit Ball sehr dominant und mutig sein“, nannte Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder Gründe dafür, warum die Kraichgauer das Spiel aus den Händen gaben und am Ende noch mit Dusel die zweite Runde erreichten.

Ballmagnet Rudy

Während der ersten 45 Minuten hatte die TSG 1899 noch den Ball sehenswert und traumwandlerisch sicher durch die eigenen Reihen zirkulieren lassen; das 1:0 durch Kaderabek fiel aber nach einer Ecke. „Heimkehrer“ Sebastian Rudy war hier der Ballmagnet im Mittelfeld und bereitete auch das 2:0 durch Ihlas Bebou mit einem schönen Pass in die Tiefe vor. Alexander Rosen saß da noch ganz entspannt auf seinem Stuhl. Doch dann hackte er wegen der sinkenden Leistungsbereitschaft des Teams und dadurch steigender Nervosität immer intensiver auf seinem Kaugummi herum, vor der Verlängerung faltete er sogar die Hände.

Der „Manager“ erkannte diverse Defizite: Auf der linken Seite hat der Weggang von Nico Schulz ein großes Loch gerissen. Okay, der für diese Position verpflichtete Konstantinos Stafylidis war am Samstag verletzt. Steven Zuber begann, spielte aber unauffällig, der für ihn eingewechselte Joshua Brenet war ganz schwach. Dann fehlte es in der Phase, als das Spiel kippte und der Anschlusstreffer fiel, an Führungsspielern. Sebastian Rudy tauchte da plötzlich auch ab; Kevin Vogt und Benjamin Hübner hatten mit sich zu kämpfen. Bei Vogt wurde dazu noch ein Geschwindigkeitsproblem offensichtlich, als er von Fabio Kaufmann überlaufen wurde. In der Abwehr passte nicht mehr viel, so dass die Kickers zu Chancen kamen und die Rettung im Elfmeterschießen schließlich glücklich war. Oliver Baumann parierte zwei „Elfer“ und sagte dazu lässig: „Timing, Wille und ein bisschen Zocken.“

„Wir müssen jetzt aber keine Angst vor Frankfurt haben“, sagte Trainer Alfred Schreuder trotzig und mit Blick auf den Bundesliga-Saisonstart am kommenden Sonntag. Hier darf er auch wieder auf den Einsatz seiner Stürmer Andrej Kramaric und eventuell auch Ishak Belfodil hoffen. „Zwei andere Bundesligisten wären auch gerne im Elfmeterschießen weiterkommen“, sagte Alexander Rosen und spielte auf die ausgeschiedenen Augsburger und Mainzer an.

Geflüchtet war der Sportdirektor in der Verlängerung übrigens nicht; er musste schlicht zur Toilette und hatte sich das Spiel dann von der Terrasse des „club 11“ zu Ende angeschaut – und tief durchgeatmet.