Ravenstein

In der Alten Schule Hüngheim „Wilder Paul“ begeisterte mit Mundartliedern und frechen Sprüchen

Dieser Abend hat allen „mordsmäßig“ Spaß gemacht

Archivartikel

Hüngheim.Dieser Kulturabend, veranstaltet von der katholischen Frauengemeinschaft Hüngheim, war ein musikalischer und gesanglicher Leckerbissen: Es ist den Frauen gelungen den Mundart-Liedermacher Paul Wild alias „Wilder Paul“ zu einem Auftritt im Bauland zu verpflichten. Dort hat er inzwischen viele Freunde. Zu seinen Konzerten braucht er nicht viel. Ihm reichen seine Gitarre, ein Stuhl und mehrere Flaschen Wasser, aus denen er nach jedem Lied einen Schluck nimmt, denn er kommt schnell ins Schwitzen, und der Schweiß, so Paul, „rinnt mir die Aache“. Ein Mikrofon oder gar einen Verstärker gab es nicht.

Bei seinem Auftritt in der ehemaligen Schule zog er vor „ausverkauftem“ Haus die Fans in den Bann seiner außergewöhnlichen Musik und begeisterte sie restlos. Denn der „Wilde Paul“ aus „Üffi“ singt wie er lebt, gradlinig, offen, voller Witz und Emotionen, immer mit einem Lächeln und mit einem leichten Augenzwinkern.

Nachdenklich und hintersinnig

Im Namen der Frauengemeinschaft begrüßte Elvira Müller mit launigen Worten die Besucher und freute sich, dass es gelungen sei, Paul nach Hüngheim zu holen. Grußworte entbot auch Ortsvorsteher Steffen Ehmann und bedankte sich bei der Frauengemeinschaft für die Organisation. Der Liedermacher, der zu Beginn sagte, dass er in Hünge bisher „nounie“ gewesen sei, stieg mit dem Lied „Freiheit“ und einem sozialkritischen Text ins Programm ein.

Nach ein paar kurzen Sprüchen folgten die Lieder „Wir werden alle überwacht“ und „Feine Leute“, die gleichmäßig auf der Welt verteilt seien, so wie auch die Rindviecher. Dann erzählte Paul aus seinem bewegten Leben, in dem nicht immer alles glatt gelaufen sei. Zwischen den Witzen sang er im ersten Teil mit Herzblut und vollem Engagement überwiegend Lieder mit nachdenklichen Texten, wie den „Novembersong“, der die triste Stimmung wiedergebe und der wie viele andere seiner Texte auf dem Bulldog beim „Zackern“ entstanden sei.

Nach einem Schluck Sprudel und einem Kompliment an die Besucher („Eine so volle Hütte macht mir Spaß“), setzte der christliche Liedermacher mit dem Lied „Das macht mir Mut“ sein Programm fort. In seinen nachdenklichen Liedern, in denen nicht nur Bomben und Raketen, sondern auch Menschen die Welt bedrohen, identifizierte er sich mit dem Leben auf dem Land. Ein Song aus dem Jahre 1871 mit dem Titel „Soldat“ wirkte nachdenklich auf die Besucher, wie auch das uralte Lied vom „Sabinchen“. Das Liedle vom „BT, dem einst in Deutschland stationierten amerikanischen Apachen“ spiele er gerne, sagte Paul. Vor der für ihn und auch das Publikum wohlverdienten Pause sang er noch zwei nachdenkliche Lieder.

Den zweiten Teil des Konzerts begann Paul mit dem Gedicht aus dem wahren Leben: „Der Gottlieb im Nachthemd“, dem der Mooscht so wichtig war. Danach ging es mit teils heiteren, teils ruhigeren Liedern wie „Marie stell o, de Rieme schleift“ oder von der „Glucke, die 25 ihrer kleinen Enten behütete“. Zwischendurch ließ er auch mal einen „Oldie“ aufleben, wobei er ganz in seinem Element war und das Publikum kräftig mitsang. Vom „Englischen“ kam er in den heimischen Dialekt.

Tolle Witze

Dazwischen immer wieder tolle Witze: Da wollte ein Kalb seine Milch nicht saufen. Der Vorschlag des Nachbarn: „Setz ihm eine Feuerwehrkappe auf, dann saufts“, und schon hatte er die Lacher auf seiner Seite. Paul sang vom „Madle und Mooscht“, von der Treibjagd in Üffi, aus der ein Schlachtfest wurde, vom „Veitsch Karl“ und vom „Dunklen Försterhaus“. Er war so im Element, dass er beinahe das Ende des Konzerts vergaß. Gemeinsam wurde das Schlusslied gesungen, bevor sich der durchgeschwitzte Liedermacher vom begeisterten Publikum verabschiedete. Nach Dankesworten von Elvira Müller an alle Helfer bedankte sie sich beim „Wilde Paul“ mit einem Präsent. Er habe den Besuchern einen unvergesslichen Abend beschert. Auch ihm habe es einen „mordsmäßigen“ Spaß gemacht, sagte Paul. „Des wor gscheider, als de ganze Obend vorm Fernseher zu leche“, waren sich der Liedermacher und die Zuhörer einig.

Es war ein schöner, humorvoller Abend mit hintersinnigen Liedern und Witzen, bei dem viel gelacht wurde. „Im Leben gilt es, bei allem Chaos den Spaß nicht zu verlieren“, so Paul. Er ist eben ein „Original“. F