Ravenstein

Gemeinderat Ravenstein Postagentur schreibt rote Zahlen / Gespräche mit der Post und der Stadt stehen an / Zustimmung für Gutachterausschuss in Mosbach

Defizit in Höhe von 2000 Euro pro Monat

Archivartikel

Während der Dienstleistungsbetrieb Schloss Merchingen positive Zahlen lieferte, fiel das Fazit über die Postagentur nicht so erfreulich aus, wie bei der Gemeinderatssitzung bekanntgegeben wurde.

Oberwittstadt. Vor Beginn der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Mittwochabend, die erneut im Gemeinschaftshaus Oberwittstadt stattfand, wurde den beiden überraschend verstorbenen Ravensteiner Bürgern, Oberforstrat Martin Hochstein sowie Altbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Horst Ullrich, in einer Schweigeminute gedacht. An einem Nebentisch brannte eine Kerze und ein Kondolenzbuch für den Ehrenbürger war ausgelegt. Bürgermeister Hans-Peter von Thenen würdige sowohl die Leistungen von Hochstein, der 18 Jahre lang die Geschicke des Ravensteiner Waldes maßgeblich mitgeprägt hatte, und von Ullrich, der sich in seiner langjährigen Amtszeit als Bürgermeister für die Stadt verdient gemacht hatte. Mit Hochachtung nehme man von beiden Verstorbenen Abschied.

Auslastung bei 60 Prozent

Neben der Vorstellung der Jahresrechnung 2018 (siehe weiterer Bericht) war auch das Betriebsergebnis des Dienstleistungsbetriebes Schloss Merchingen Thema. Geschäftsführer Wolfgang Elsen erläuterte, dass derzeit elf Mitarbeiter und rund 20 Aushilfskräfte beschäftigt werden. Die Betriebseinnahmen 2018 betrugen insgesamt mit den Einnahmen der Postagentur 480 222 Euro. Dem gegenüber standen Ausgaben in Höhe von 474 041 Euro, so dass ein Überschuss in Höhe von 6181 Euro erwirtschaftet wurde. Die Auslastung des Hotelbetriebes lag bei rund 60 Prozent, ähnlich hoch wie im Vorjahr. Defizitär sei aber die Postagentur gewesen, sagte Elsen, der im Vorblick auf dieses Betriebsjahr auch mitteilte, dass der Geschäftsbetrieb dieses Jahr noch besser laufe als im Vorjahr. Der Gemeinderat nahm die Zahlen des Geschäftsberichtes zur Kenntnis.

Nicht erfreulich waren die durch den Vorstand Klaus Leimbach vorgestellten Zahlen zum Betrieb der Postagentur, die seit 2002 bisher zusammen mit der Postbank betrieben wurde. Im vergangenen Jahr betrug das erzielte Defizit für die Postagentur nach der Schließung der Postbank rund 2000 Euro im Monat, die der Verein für diese Dienstleistung erbringt. Nach einer erfolgten Nachkalkulation bekam der Vorstand von der Mitgliederversammlung den Auftrag, mit der Post Verhandlungen zu führen, um eine bessere finanzielle Lösung zu erreichen.

Bestehende Verbindlichkeiten

Da man keine Kürzungen der Öffnungszeiten mehr anstrebe, bestehe eine weitere Möglichkeit, auch die Stadt mit ins Boot zu nehmen, da die angebotene Dienstleistung für die gesamte Kommune erbracht werde. Ein Gespräch mit einer Vertreterin der Post wird in der kommenden Woche stattfinden, erklärte Leimbach. Sollte dieses nicht zum gewünschten Erfolg führen, hoffe er auf Unterstützung der Stadt, den das derzeitige Defizit sei ein Klotz am Bein des Betriebes, das von ihm zu tragen sei. Ein größerer Gewinn würde dem Verein auch guttun, um auch die bestehenden Verbindlichkeiten tilgen zu können. Bürgermeister von Thenen versprach, dass an diesem Gespräch ein Vertreter der Stadt anwesend sein wird.

Die Beratung - und Beschlussfassung zur Bildung eines Gutachterausschusses, der auf die Stadt Mosbach übertragen wird, war weiterer Beratungspunkt. Ratschreiber Anton Friedlein gab einen kurzen Einblick in die Arbeit des Ausschusses, der seither in Baden-Württemberg bei den Gemeinden angesiedelt war und unter anderem Grundstückswerte ermittelte. Im Oktober 2017 wurde die Gutachterausschussverordnung dahin geändert, dass auf freiwilliger Basis Kooperationen ermöglicht werden, um ausreichende Fallzahlen zu gewährleisten. Das Ministerium geht von jährlich etwa 1000 Verkaufsfällen aus, was die Stadt Ravenstein nie erreichen konnte. Daher hat sich auf Bürgermeisterebene die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Kooperation im Kreis unerlässlich ist.

Als zweckmäßige Lösung wurde die Bildung eines einzigen Ausschusses angesehen, der bei der Stadt Mosbach angesiedelt wird. Dies soll auf der Grundlage eines öffentlich rechtlichen Vertrages geschehen, der zwischen allen 27 Gemeinden im Neckar-Odenwald-Kreis abzuschließen ist. Der Gemeinderat entschied nach kurzer Diskussion, die Übertragung der Bildung eines Gutachterausschusses sowie die Erfüllung der geregelten Aufgaben an die Stadt Mosbach zu übertragen. Die anfallenden Kosten für die Stadt belaufen sich bei kalkulierten Gesamtkosten von 320 000 Euro anteilsmäßig auf 6370 Euro pro Jahr. Der Beschluss erfolgte einstimmig.

Kleinere Brandschutzmängel

Weiter informierte der Bürgermeister über die erfolgte Brandschutzbegehung in Ballenberg, bei der am städtischen Gebäude kleinere Mängel festgestellt wurden. Diese könne man aber selbst beheben. Am Gemeinschaftshaus in Erlenbach müsse das Ergebnis der Untersuchung noch abgewartet werden. Hier werden aber größere Maßnahmen zu ergreifen sein, sagte von Thenen. Gemeinderat Clemens Walz hatte eine erneute Nachfrage zum Stand des geplanten Grüngutplatzes in Ravenstein. Ein geeigneter Platz wurde gefunden und die Stadt stehe zur Umsetzung bereit, teilte der Bürgermeister mit. Jetzt liege der Ball bei der AWN, von der es bisher noch keine Reaktion gegeben habe.