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Schwierige Wirtschaftslage: Wie Verbraucher aktuell profitieren können

Archivartikel

In den letzten Jahren konnten die Deutschen sich verhältnismäßig beruhigt zurücklehnen. Die Wirtschaft profitierte von einem sehr lang anhaltenden Aufschwung und die Arbeitslosenzahlen zeigten sich so positiv wie selten seit den Siebzigerjahren. Doch 2020 und die Vorkommnisse haben alles verändert: Das Wirtschaftswachstum ging im ersten Quartal mit einem Minus von 10,1% dramatisch zurück und die Arbeitslosenquote lag mit 6,3% so hoch wie seit 2015 nicht. Doch ist dies nur ein kurzer Abstieg oder schliddert Deutschland in eine große Rezession? Und wie können Verbraucher verhindern, dass sich ihre persönliche Situation zu stark verschlechtert?

Trotz dramatischer Konjunkturdaten: Es gibt bereits Hoffnungsschimmer
Auch wenn die Konjunkturdaten nur als dramatisch bezeichnet werden können, existieren trotzdem bereits Hoffnungsschimmer auf eine baldige Besserung:

  1. Ifo-Geschäftsklimaindex deutlich angestiegen
    Der Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtiges Stimmungsbarometer für die Wirtschaft. Sein Verlauf lässt sich als erster großer Hoffnungsschimmer auf eine baldige Besserung der wirtschaftlichen Lage deuten. Nachdem er im März von 95,8 auf 86,1 und dann im April sogar auf 74,3 abstürzte, konnte er bereits im Juni deutlich auf 86,3 und jetzt im Juli schon wieder auf 90,5 ansteigen. Insbesondere die Geschäftserwartungen erreichten mit 97,0 den besten Wert seit Mitte 2018. Entscheider in Unternehmen gehen also davon aus, dass es bald wieder steil bergauf geht.

  2. ZEW-Index: Die Erwartungen sind eindeutig positiv
    Auch der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Bezug auf die Konjunkturentwicklung zeigt eine eindeutig positive Tendenz. Lagen die Geschäftserwartungen im März 2020 noch bei einem Wert von -49,5, hat sich dieser bis Juli 2020 auf 59,3 Punkte verbessert. Ein verhalten positiver Ausblick in die Zukunft.

Unter dem Strich lässt sich also festhalten, dass die aktuellen Konjunkturdaten lediglich die Entwicklung im ersten Quartal nachzeichnen. Seitdem setzen schon wieder Verbesserungen ein. Die Lage am Arbeitsmarkt hinkt der wirtschaftlichen Entwicklung bekanntermaßen etwas hinterher, so dass hier auch in den nächsten Monaten noch mit schlechten Nachrichten zu rechnen ist.

Wie Verbraucher in der aktuellen Lage trotzdem finanzielle Vorteile erreichen

Die aktuelle Situation ist für viele Menschen mit finanziellen Einbußen verbunden. Gerade Kurzarbeit sorgt dafür, dass am Ende weniger Geld im Portemonnaie verbleibt. In einer solchen Situation ist es wichtig, die eigene Haushaltskasse entsprechend zu entlasten. Zum Glück gibt es diesbezüglich viele Möglichkeiten:

  1. Mehrwertsteuersenkung nutzen und bewusst einkaufen
    Im Rahmen ihres Konjunkturpakets hatte die Bundesregierung beschlossen, die Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020 bis zum Ende des Jahres von bisher 19% auf 16% abzusenken. Der ermäßigte Steuersatz sank von bislang 7% auf dann 5%. Leider geben nicht alle Geschäfte diese Ersparnis auch an die Kunden weiter. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, vorher zu prüfen, ob ein Geschäft die Steuerersparnis tatsächlich einpreist. Zwar lässt sich auf diesem Weg nicht allzu viel sparen, aber Lebensmitteleinkäufe von 400 Euro pro Monat wären auf diesem Weg immerhin 8 Euro günstiger. Grundsätzlich gilt: Je höher die vorherigen Preise, desto größer die Einsparung. Wer zusätzlich ein Haushaltsbuch führt, kann die eigenen Ausgaben besser im Blick behalten und somit Kosten beim Einkaufen erheblich absenken. Haushaltsbücher lassen sich heute bereits bequem als App nutzen, um den damit verbundenen Aufwand zu minimieren.

  2. Teure Darlehen umschulden und so Zinskosten sparen
    Wer schon länger teure Ratenkredite abzahlt oder regelmäßig hohe Dispozinsen begleichen muss, sollte Möglichkeiten für eine Umschuldung prüfen. Diese ist heute einfach durchzuführen und spart nicht selten einiges an Geld. Angesichts der aktuellen Situation befindet sich das Zinsniveau im Keller, so dass Ratenkredite zu äußerst günstigen Konditionen möglich sind.

    Ein Beispiel zeigt: Wer einen Ratenkredit über 6.000 Euro bei einem Zinssatz von 6,5% pro Jahr über 3 Jahre abzahlt, zahlt monatlich 183,39 Euro. Bis zum Ende der Laufzeit summieren sich die Zinskosten auf 601,92 Euro. Ein Umschuldungskredit mit einem Zinssatz von 3,99% p.a. bringt eine Monatsrate von 176,93 Euro und Zinskosten von nur 369,39 Euro bis zur vollständigen Tilgung mit sich.

    Wahlweise lässt sich natürlich auch die Laufzeit beim Umschuldungskredit leicht verlängern: Bei einer Laufzeit von 4 Jahren liegt die Monatsrate nur noch bei 135,26 Euro und trotzdem werden mit 492,31 Euro noch günstigere Zinskosten fällig als beim alten Darlehen.

    Hinweis:
    Soll ein Ratenkredit umgeschuldet werden, müssen Kreditnehmer auch die Kosten der Umschuldung einkalkulieren. Banken dürfen eine Vorfälligkeitsentschädigung von 1% der Restschuld (bei Restlaufzeit von weniger als einem Jahr: 0,5%) verlangen, wenn sie dies beim Abschluss des Kredits nicht ausdrücklich ausgeschlossen haben.

  3. Laufende Verträge genau checken
    Großes Sparpotenzial bringen häufig auch weitere Laufzeitverträge mit sich:
    a) Energie
    Gerade im Bereich der Stromversorgung lässt sich mit einem günstigen Tarif häufig sehr viel Geld sparen. Dies gilt umso mehr, wenn der Nutzer noch beim Grundversorger der Region unter Vertrag steht. Ein Wechsel bringt auch durch Neukunden-Boni nicht selten eine Ersparnis von mehreren Hundert Euro pro Jahr mit sich. Bei einem solchen Wechsel sind allerdings einige Punkte zu beachten:
    - Keine Vorauszahlungen von mehr als einem Monat (bei Insolvenz droht Geldverlust)
    - Pakettarife vermeiden (nur sinnvoll, wenn der eigene Strombedarf genau bekannt ist)
    - Anbieter mit Preisgarantien von mindestens 12 Monaten wählen (sonst könnten Preise zu schnell angehoben werden)
    - Auf kurze Kündigungsfristen achten (maximal 6 Wochen)

    Der Staat plant zudem, die Kosten für nachhaltigen Strom zu kontrollieren. So soll die EEG-Umlage 2021 auf 6,5 und 2022 auf 6 Cent pro kWh gesenkt werden. Zur Kompensation sind Steuergelder geplant.

    b) Versicherungen
    Im Versicherungsbereich lässt sich vor allem dann sparen, wenn Verbraucher überflüssige Versicherungsverträge beitragsfrei stellen oder ganz kündigen. Ein gutes Beispiel stellt in diesem Zusammenhang die gleichzeitige Nutzung einer Unfallversicherung und einer BU-Police dar. Die Risiken der Unfallversicherung werden nämlich bereits durch die BU-Police abgedeckt. Somit lässt sich der Beitrag für die Unfallversicherung einsparen.

    Darüber hinaus können aber gerade im Bereich der Kfz-Versicherung Tarifvergleiche dabei helfen, die eigenen Kosten deutlich zu senken. Hier gilt es, unnütze Leistungsmerkmale auszuschließen. Bestes Beispiel: Wenn die eigenen Kinder bereits eigene Autoversicherungen aufweisen, müssen junge Erwachsene nicht mehr mitversichert werden. Dies senkt den Beitrag mitunter deutlich.

  4. Kinderbonus im September und Oktober hilft Familien mit Kindern
    Auch wenn der Kinderbonus mit 300 Euro pro Kind recht klein ausfällt, kann er dennoch eine finanzielle Entlastung darstellen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, wichtige Anschaffungen oder Ausgaben in die Monate September und Oktober zu verschieben, sofern dies möglich ist. Der Kinderbonus wird in zwei Raten ausgezahlt, so dass für jedes Kind je 150 Euro im September und Oktober 2020 zusammen mit dem Kindergeld kommen. Ein Abzug von Sozialleistungen wie Hartz IV findet nicht statt, jedoch verrechnen die Familienkassen die Zahlung mit den Kinderfreibeträgen.

Wie könnte es im Jahr 2021 weitergehen?
Viele Maßnahmen des Konjunkturpakets der Bundesregierung sind auf den ersten Blick so angelegt, dass sie vor allem im aktuellen Jahr die Auswirkungen der Krise abmildern sollen. Doch auch ab Anfang 2021 greifen einige sinnvoll Entlastungen:

  • Die EEG-Umlage sinkt 2021 und 2022 gleich noch einmal
  • Der Soli wird für 90% aller Steuerzahler abgeschafft (positiver Effekt auf den Konsum)
  • Zukunftsinvestitionen in die Forschung und Nachhaltigkeit entfachen positive Impulse oft erst in der Zukunft

Auch wenn das Konjunkturpaket der Bundesregierung sicherlich nicht für jeden Bürger zufriedenstellende Ergebnisse hervorbringt, ebnet es dennoch den Weg zu einer Normalisierung der wirtschaftlichen Lage. Es bleibt abzuwarten, ob die Rahmenbedingungen eine solche Entwicklung zulassen.

Kosten senken in der Krise: Nicht unmöglich
Die Krise hat die wirtschaftliche Situation vieler Menschen in Deutschland deutlich verschlechtert. Gerade Schicksale wie der Jobverlust oder Kurzarbeit sorgen dafür, dass finanzielle Engpässe für echte Probleme sorgen können. Doch es gibt durchaus Möglichkeiten, die eigenen Kosten in gewissem Maße zu senken und dazu zumindest teilweise auch die staatlichen Maßnahmen für sich zu nutzen. Wer hier genauer hinschaut, kann am Ende den eigenen Geldbeutel entlasten.