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Riester-Rente: Die versteckten Vorteile, staatlichen Zuschüsse und Auswirkungen auf die Steuererklärung

Archivartikel

Wer sich in Deutschland mit dem Thema Altersvorsorge befasst, kommt seit vielen Jahren nicht mehr um das Thema Riester-Rente herum. Allerdings ist die 2002 eingeführte Form der privaten, aber staatlich geförderten Altersabsicherung an vielen Stellen nicht verbraucherfreundlich (weshalb sie nach dem Willen von Politik, Wirtschaft und Verbrauchern auch zeitnah abgeändert werden soll). So kommt es, dass viele Details bei Laien unbekannt sind – leider vor allem solche, die zentral wichtig sind. Der folgende Artikel zeigt deshalb fünf versteckte Vorteile der Riester-Rente.

Versteckter Vorteil 1: Unantastbarkeit für Vater Staat
Wer in Deutschland einer Privatinsolvenz entgegensieht oder Arbeitslosengeld II, besser bekannt als Hartz IV, beantragen muss, wird grundsätzlich mit einer für ihn sehr unangenehmen Tatsache konfrontiert: Sein gesamtes Privatvermögen gilt, bis auf einen sehr kleinen Teil, als pfändbar, kann also bei einer Insolvenz in Beschlag genommen und zur Tilgung der Schulden herangezogen werden.  Bei Hartz IV verhält es sich ähnlich, zudem gilt hier, dass Menschen, bevor sie auch nur den Regelsatz beziehen können, ihr Eigenvermögen ebenfalls bis zu einem geringen Rest aufbrauchen müssen. Hier ist die rechtliche Sachlage gnadenlos:

„Zum Vermögen zählt alles, was Sie besitzen und in Geld messbar ist […]“

Wirklich alles? würde nun am Anfang eines Asterix-Comics stehen. Und ebenso wie dort lautet auch hier die Antwort: Nein. Denn alles, was innerhalb der Riester-Rente angespart wurde, ist, mittlerweile nach einem BGH-Urteil auch richterlich bestätigt, dann nicht pfändbar, wenn der Vertrag bei Abschluss förderfähig war – und das ist die Majorität aller Riester-Verträge.

Im Klartext: Egal wie schlimm es privat auch kommen mag, was im Riester-Topf angespart wurde, kann in aller Regel nicht weggenommen werden.

Versteckter Vorteil 2: Noch voll abgesichert
Im Eingangstext haben wir darauf hingewiesen, dass die Riester-Rente zeitnah überarbeitet werden soll. Tatsächlich gibt es hierzu auch bereits konkrete Vorschläge. Noch ist zwar nichts beschlossene Sache, aber als gesichert gilt, dass eine reformierte Riester-Rente nicht mehr wie bisher abgesichert sein wird.

So ist der aktuelle Stand: Wer eine Riester-Rente abschließt, bekommt dafür eine Garantie. Alles, was er bis zum Beginn der Bezugsphase brutto angespart hat sowie jeder Cent des staatlichen Anteils an der Förderung sind zu hundert Prozent gesichert. Das bedeutet, egal welche Katastrophen an den Märkten, in der Wirtschaft usw. passieren, „die Renten sind sicher“. Zumindest wenn es sich um Riester-Renten handelt.

Die derzeit thematisierte Überarbeitung sollte auch Anlass sein, nicht mehr allzu lange zu warten: Höchstwahrscheinlich wird der prozentual abgesicherte Anteil verringert. Im Gespräch sind Zahlen um 80 Prozent der Summen. Zwar immer noch viel, aber eben keine hundert Prozent mehr.

Versteckter Vorteil 3: Steuerliche Sonderbehandlung
Seit 2009 gibt es in Deutschland die Abgeltungssteuer. Damit müssen alle Erträge aus Zinsen, Dividenden, Kursgewinnen usw. versteuert werden – und zwar mit 25 Prozent, die vom beteiligten Finanzinstitut automatisch einbehalten und an den Fiskus abgeführt werden.

Jedoch: Abermals genießen Besitzer von Riester-Renten hier eine Sonderbehandlung. Denn obwohl es sich dabei um ein Fondsprodukt handelt, also durchaus durch Zinsen Gewinne entstehen können, gilt hier die Abgeltungssteuer nicht. Und das gilt sowohl während der Anspar- wie Auszahlungsphase.

Versteckter Vorteil 4: Attraktiv für Geringverdiener dank Zuschüssen
Lange Zeit gab es bei der privaten Altersvorsorge für Geringverdiener eine klaffende Lücke: Es lohnte sich für sie einfach nicht finanziell, Geld anzusparen. Die geringen Summen, die die meisten dieser Menschen investieren konnten, genügten einfach nicht, um eine halbwegs sinnvolle zusätzliche Rente zu generieren – erst recht nicht, seitdem die Leitzinsen so sehr in den Keller gefallen sind.

Seit 2018 allerdings haben sich die Bedingungen im Umfeld der Riester-Rente für diese Personenkreise massiv verbessert. Durch eine Gesetzesänderung wurde das dahintersteckende System der staatlichen Förderung angepasst. Nun gilt, wer vier Prozent seines Jahresbruttos in die Riester-Rente einzahlt, kommt für die volle staatliche Förderung infrage. Das gilt sogar, wenn diese vier Prozent nur 60 Euro betragen.

Das heißt, wer nur für sich im Jahr mindestens 60 Euro einzahlt, bekommt vom Staat:

  1. fast das Dreifache, nämlich 175 Euro, als Förderung nur für seine Person obendrauf
  2. sofern diejenige Person Kinder hat, wird daraus noch mehr: 185 Euro für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde und ganze 300 für Kids, die seitdem auf die Welt kamen.

Übrigens: Wer gerade erst als Berufseinsteiger mit dem Riestern angefangen hat, bekommt sogar einen einmaligen staatlichen Bonus von 200 Euro zusätzlich gezahlt.

Versteckter Vorteil 5: Absetzbar bei der Einkommensteuererklärung
Die Anlage AV in der Einkommensteuererklärung dürfte vielen Menschen wohlbekannt sein, ist sie doch das Formblatt, in das die Altersvorsorge eingetragen wird. Was viele jedoch nicht wissen: Im Feld „Sonderausgaben“ können von Personen, die eine Riester-Rente besitzen, bis zu 2100 Euro davon steuerlich geltend gemacht werden.  

Sollte es sich um Ehepaare oder eingetragene Lebenspartnerschaften handeln, bei denen für den Partner eine mittelbare Förderberechtigung entsteht (wodurch sein Riester-Vertrag zwar auch staatlich gefördert wird, aber mit geringeren Summen), steigt der absetzbare Betrag nochmals um 60 auf 2160 Euro.

In jedem Fall wird danach beim Finanzamt eine sogenannte Günstigerprüfung erfolgen. Das heißt, der zuständige Finanzbeamte wird ausrechnen, ob es für den Sparer günstiger ist, Zulagen zu bekommen oder seine Beiträge von der Steuer abzusetzen.

Zusammengefasst
Die Riester-Rente wird oftmals kritisiert – und meistens zu Unrecht. Sie ist keine private Altersvorsorge, die mit phänomenalen Renditen wirbt. Allerdings muss zu ihrer Ehrenrettung unterstrichen sein, dass maximaler Gewinn auch niemals die Intention war, als das Prinzip damals eingeführt wurde. Es sollte und soll eine Altersvorsorge sein, mit der sich Menschen das, was sie über die normale Rente bzw. Pension bekommen würden, um ein sicheres Zubrot erhöhen können. Und das kann die Riester-Rente, erst recht nach den Änderungen 2018, auch nach wie vor gut. Woran sie tatsächlich krankt, ist die recht hohe Bürokratie sowie das insgesamt übermäßig komplexe Prozedere. Das aber wurde alles bereits erkannt und wird, so sich die Politik für eine Überarbeitung entscheidet, höchstwahrscheinlich verbessert werden.

Bis dahin tut tatsächlich jeder, der einer steuerpflichtigen Arbeit nachgeht, gut daran, sich seriös über das Thema Riester informieren zu lassen – denn oft genug kommt es auf den Einzelfall an, ob es sich lohnt und nicht Pauschalaussagen von Kritikern der Rente.