Ratgeber

Rentner-Bellos: So hält man alte Hunde fit

Nicht nur der Mensch altert, sondern auch sein bester Freund. Und wenn Hunde ein gewisses Alter erreicht haben, geht es ihnen nicht anders wie Herrchen oder Frauchen: Sie brauchen eine etwas andere Behandlung, einen angepassten Alltag. Doch: Was muss man denn dabei beachten?

Wann ist ein Hund eigentlich alt?

„Man ist nur so alt, wie man sich fühlt“ – sagt der Volksmund. Gilt das auch für Bellos? Ja, durchaus, allerdings unter anderen Vorzeichen und dahinter verbirgt sich auch ein Problem.

Wenn etwa beim Menschen der Verdauungstrakt altert und ihm gewisse Speisen Probleme bereiten, weiß er, was Sache ist.

Beim Hund hingen bekommt man solcherlei Probleme, sofern sie sich nicht sichtlich ausdrücken, in aller Regel jedoch gar nicht mit. Ähnlich sieht es bei vielen Altersgebrechen aus.

Auch ein Rasseproblem, weil nicht wenige eine stoische Natur haben und es sich kaum anmerken lassen, wenn es ihnen schlecht geht, sodass man nicht mal als jemand, der das Tier schon seit vielen Jahren kennt, mitbekommt, dass Alterszipperlein bestehen.

Wirklich helfen kann man sich nur, indem man tabellarische Lebenswahrscheinlichkeiten von Hunden hinsichtlich ihrer Größe heranzieht – die alte Regel vom Hundejahr gleich sieben Menschenjahre ist nicht mehr zeitgemäß.

Dabei kann man davon ausgehen, dass ein Hund die 60 Menschenjahre ungefähr nach der folgenden Anzahl von Lebensjahren erreicht hat:

Kleine Rassen bis 15kg:            10 Jahre

Mittlere Rassen bis 45kg:         7 bis 8 Jahre

Große Rassen ab 45kg:             6 bis 7 Jahre

Natürlich hängt vieles davon ab, wie das Tier ernährt wird, ob es sich viel bewegt usw. Aber beispielsweise bei einem Labrador kann man damit rechnen, dass er mit acht bis neun Jahren „in Rente“ geschickt würde.

Und dann sollte man auch ansetzen. Egal ob der Hund noch jugendlich wirkt oder nicht.

Richtiges Gassigehen

Alterung zieht nach sich, dass die Leistungsfähigkeit nachlässt. Beim Hund sollte sich das darin niederschlagen, dass man genauer auf die tägliche Kilometerzahl achtet.

Das bedeutet, man sollte insgesamt die Schlagzahl reduzieren. Konkret:

  • Genau auf den Hund achten, wie er sich verhält, ob er nur widerwillig mithält oder noch aktiv herumtollen, schnüffeln usw. will.
  • Sich nicht täuschen lassen, viele Hunde versuchen mitzuhalten, obwohl es sie eigentlich stark anstrengt.
  • Touren so planen, dass man problemlos abkürzen kann.
  • Bei hohen und niedrigen Temperaturen (besonders ersteres) die Gänge auf ein Minimum beschränken, sodass es gerade reicht, um die Geschäfte zu verrichten

Auch sollte man nun nicht mehr versuchen, den Hund unterwegs zusätzlich durch geworfene Bälle, Stöckchen usw. auszupowern. Er wird zwar mitmachen, aber es streng ihn enorm an.

Die Sache mit den Treppen

Warum finden sich in Seniorenzeitschriften so häufig Anzeigen für Treppenlifte? Weil einem irgendwann der Bewegungsapparat solche Probleme bereiten kann, dass Treppen nicht nur anstrengend und schmerzhaft, sondern richtiggehend verunmöglicht werden.

Bei kleinen und leichten mittleren Hunden kann man nur raten, sobald der Hund sichtliche Treppen-Schwierigkeiten bekommt, zu unterstützen. Das geht am einfachsten durch dafür geeignete Laufgeschirre (unbedingt im Fachhandel beraten lassen).

Leichte Hunde kann man damit tragen. Mittelschwere wenigstens unterstützen. Bei schweren Tieren indes muss man andere Lösungen finden. Etwa, indem das Tier im Parterre sein Lager bekommt, wenn es zuvor oben im Schlafzimmer-Stockwerk nächtigen musste. Wirkliches Nachsehen haben leider nur Mehrparteienhaus-Mieter ohne Aufzug.

Übrigens: Auch wenn Bello die Treppen noch mit Leichtigkeit nimmt, sollte man ihm helfen und dort ggf. rutschfeste Unterlagen installieren.

Angepasste Ernährung

Übergewicht im Alter ist bei Hunden ein ebensolches Problem wie beim Menschen. Und je älter das Tier, desto höher das Risiko. Denn zum langsamer werdenden Stoffwechsel kommt noch der verringerte Kalorienumsatz durch die verminderte Bewegung.

Die Folge: Man hat einen gut gepolsterten Hunderentner, dem das Übergewicht buchstäblich aufs Herz und die Gelenke drückt.

Primär sollte man deshalb auf Futter für Erwachsene bzw. Seniorhunde umstellen. Dazu bitte das Internet konsultieren, nicht blind kaufen, nur weil etwas auf der Packung steht. Hier gibt es sehr gute, vor allem neutrale Ratgeber, die bis hinab zur einzelnen Futtersorte umfangreich informieren.

Diese Futtermittel enthalten mehr Nährstoffe dafür weniger Fett und halten länger satt. Aber:

  • Weniger füttern, aber nicht auf Nulldiät setzen. Hierzu muss man seinen „Opi“ nun öfters wiegen und anpassen.
  • Keinerlei Leckerli mehr, von denen man eigentlich genau weiß, dass sie nichts für Hunde sind.
  • Mit Argusaugen auf Futterreste im Napf achten. Oftmals essen alte Hunde deshalb weniger, weil bei ihnen Geruchs- und Geschmackssinn nachlassen.

Bitte auch verstärkt darauf achten, wie gut der Hund das, was er gegessen hat, wieder beim Gassigehen entlässt. Viele Hunde entwickeln im Alter einen trägen Darm.

Wie in so vielen Punkten unterscheiden sich auch hier Hunde- und Menschensenioren kaum. Denn der alternde Körper kühlt schneller aus, produziert selbst nicht mehr so viel Wärme.

Primär sollte das eine Anregung dafür sein, es mit seinem alternden Bello bei Schnee nicht mehr so zu übertreiben, selbst wenn er das Spielen darin nach wie vor liebt. Aber es sollte vielleicht auch Anlass sein, das Hundekörbchen etwas näher an den Heizkörper zu rücken, die Fußbodenheizung um zwei, drei Grade höher zu drehen oder Rassen mit kurzem Fell etwas anzuziehen.

Darüber hinaus gibt es jedoch noch vieles mehr, mit dem man seinem treuen Kameraden den Lebensabend versüßen kann:

  • Das Tier beim Gassigehen so lange schnuppern lassen wie es möchte. Was das an Zeit frisst, macht man durch die kürzere Gehdistanz wieder wett.
  • Zuhause typische Stolperfallen aus dem Weg räumen. Und auch beim Spazieren durch eine etwas leitendere Leinenführung mehr Sicherheit geben.
  • Dem Tier alle zwei Stunden kurz die Gartentüre öffnen – auch alte Hunde müssen gerne häufiger, weil die Blase nachlässt.
  • Akzeptieren, wenn Bello länger schläft, nicht gleich aufspringt, wenn man nachhause kommt. Er will einfach mehr Ruhe.
  • Auch ohne Anlass alle sechs Monate zum Arzt gehen. Dazu auch in kürzeren Abständen den Hund gut abtasten, um Tumorerkrankungen frühzeitig zu entdecken.

Und ja, leider gehört es zum Leben mit einem alten Hund auch, zu akzeptieren, wenn der Tag für ihn eine zu große Qual geworden ist, und ihn zu erlösen.