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Der Schritt in die Selbstständigkeit – was viele Gründer oft übersehen

Archivartikel

Viele Menschen tragen sich mit dem Gedanken, in die Selbstständigkeit zu starten und ein eigenes Unternehmen zu gründen. Bei diesem Schritt in eine neue berufliche Aufgabe gibt es viele Dinge zu beachten. Trotz guter Vorbereitung übersehen Gründer gerne Aspekte, die ihnen hinterher unangenehm auf die Füße fallen können. Hier ein kleiner Überblick.

 

Für den Krankheitsfall vorsorgen

Als Gründer überlegt man sich genau, welche Fixkosten man sich aufbürden möchte und wo es Einsparpotenzial gibt. Dabei wird gerne übersehen, dass man etwa beim Verzicht auf eine Krankenversicherung im Ernstfall vollkommen unversorgt ist. Durch die Versicherungspflicht sollte es zu einer solchen Situation zwar nicht kommen; dennoch sparen viele Gründer am Tarif und den Leistungen im Allgemeinen.  Daher ist die Gesundheitsvorsorge für Selbstständige ein Aspekt, den Sie als Gründer nie außer Acht lassen sollten. Hierzu können Sie sich auf ausgewählten, auf das Thema Private Krankenversicherung spezialisierten Websites Informationen besorgen. Die Seiten zeigen Ihnen die unterschiedlichen Versicherungsvarianten und Sie erfahren, welche Krankenversicherung für welche Berufsgruppe am besten geeignet ist. Sie haben auf solchen Websites vor allem auch die Möglichkeit, die verschiedenen Versicherungen miteinander zu vergleichen.

 

Sicherung der Finanzierung

Erstaunlicherweise wird die Beschaffung finanzieller Mittel für eine Unternehmensgründung nicht immer in ausreichendem Maße berücksichtigt. Die Ursache hierfür liegt meist in der anfänglichen Begeisterung für die eigene Idee. Diese verleitet viele Gründer dazu, sofort mit der Arbeit zu starten, sich aber keine Gedanken darüber zu machen, wie man die Selbstständigkeit auf eine sichere, finanzielle Basis stellt. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten einer Unterstützung für Einsteiger in die Selbstständigkeit. Bund, Länder und Gemeinden stellen unter bestimmten Voraussetzungen Förderungen in Form von Zuschüssen oder Gründungsdarlehen bereit, um dem Gründer den Einstieg zu erleichtern.

 

Veränderung des Tätigkeitsbereichs

Wer ein eigenes Unternehmen gründet, durchläuft eine oft radikale Veränderung bezüglich seiner zukünftigen Aufgaben. Hatte man als Angestellter einfach bestimmte, immer wiederkehrende Arbeiten zu erledigen, so weitet sich für Gründer das Feld dessen, was zu ihren Aufgaben gehört, unter Umständen erheblich aus. Mit dem Start in die Selbstständigkeit ist man plötzlich Hauptverantwortlicher, und zwar für alle Geschäftsvorgänge. Wo man früher beispielsweise als Techniker ausschließlich Geräte repariert hat, da muss man als Gründer eines Reparaturservices auch:

  • die Materialien beschaffen
  • die Buchführung übernehmen
  • sich um Versicherungsangelegenheiten kümmern
  • über Marketingstrategien nachdenken
  • neue Aufträge beschaffen
  • mit potenziellen Kunden verhandeln

Als Selbstständiger ist man „selbst“ und „ständig“ beschäftigt und zwar mit Dingen, um die sich früher andere Leute gekümmert haben. Die Tatsache, dass man, zumindest bei einer Alleingründung, für alles zuständig ist, wird von manchen Unternehmensgründern gerne unterschätzt.

 

Die „Nische“ für eine Idee

Der Gedanke an eine Selbstständigkeit ist meist mit einer Vision verbunden. Sie motiviert den Gründer und sorgt für die notwendige Ausdauer und Disziplin bei der Umsetzung. Außerdem verleiht eine Vision dem immer auch Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Allerdings ist es ein weiter Weg von der Ursprungsvision bis zur eigentlichen Geschäftsidee. Denn diese ist in vielen Fällen nur erfolgreich, wenn man mit ihr eine sogenannte Nische füllen kann. Viele Gründer vergessen leider folgende Dinge:

  • Kennenlernen des vorhandenen Marktes und seiner Nischen
  • Definieren der zu füllenden Marktlücke
  • Festlegung der Zielgruppe, die bedient werden soll
  • Entwicklung einer entsprechenden Vermarktungsstrategie
  • Bestimmung realistischer Preise für das bzw. die Nischenprodukt(e)

Langfristige Unternehmensstrategie

Bei aller Euphorie in der ersten Gründerphase wird ein wesentlicher Aspekt sehr oft übersehen. Der Erfolg einer Selbstständigkeit hängt nämlich wesentlich davon ab, ob sich der Gründer über eine langfristige Strategie Gedanken gemacht hat. Ohne die frühzeitige Festlegung der wichtigsten Ziele und der zu diesen führenden Wege bleibt eine Gründung letztlich Stückwerk. Natürlich muss man keinen unabänderlichen 20-Jahres-Plan festlegen, aber es sollte unbedingt klar sein, wohin der berufliche Neuanfang kurz- und mittelfristig führen soll.

 

Reizthema Steuern und Steuererklärung

Als Unternehmensgründer muss man sich mit dem Thema Steuern unbedingt auseinandersetzen. Leider widmen sich viele nur sehr ungern diesem inzwischen kaum noch zu überblickenden und immer komplexer werdenden Thema. Das kann zu großen Problemen führen, denn die Finanzbehörden erwarten eine korrekt ausgefüllte Steuererklärung und reagieren mitunter sehr hart, wenn der Steuerpflichtige seinen Pflichten nicht nachkommt. Viel zu selten befassen sich Gründer mit:

  • Einkommenssteuer
  • Gewerbesteuer
  • Körperschaftssteuer
  • Umsatzsteuer

Auch Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag sollten für Selbstständige zumindest Begriffe sein, die sie schon einmal gehört haben. Die gute Nachricht ist, dass man als Gründer Steuerangelegenheiten dem Steuerberater überlassen kann.

 

Selbstvermarktung ist ein Erfolgsfaktor

Auch das beste Produkt oder die erstklassige Dienstleistung bleibt ungenutzt bzw. ungekauft, wenn niemand weiß, dass es sie überhaupt gibt. Das Zauberwort lautet hier Marketing oder Selbstvermarktung. Gerade in der Anfangsphase, aber auch danach, gehört es zu den Kernaufgaben eines Gründers, sein Unternehmen und das von ihm erdachte Produkt an den Mann oder die Frau zu bringen. Es heißt, Präsenz zu zeigen und das eigene Unternehmen und Produkt in einem guten Licht erstrahlen zu lassen.

 Dazu sollte man unbedingt alle zur Verfügung stehenden Kanäle nutzen, vor allem die sozialen Netzwerke. Deren Reichweite ist inzwischen so groß, dass man mit einer einzigen Werbeanzeige bei Facebook, Instagram und Co. zigtausende potenzielle Käufer erreichen kann. Diese Form der Vermarktung wird von einigen immer noch viel zu selten genutzt. Auch das Verfolgen wichtiger Profile, dort hinterlassene Kommentare und Ideen ist eine sinnvolle Form der Selbstvermarktung. Man präsentiert sich durch seine Posts als Experte auf dem Gebiet der eigenen Nische und lockt auch so viele interessierte Leute an.

Bedeutung der Kontaktpflege wird unterschätzt

Manche Gründer wundern sich darüber, dass die Suche nach neuen Kunden so schleppend läuft und vergessen dabei vollkommen, dass sie doch eigentlich bereits gut vernetzt sind. Jeder hat Familie, Freunde und Bekannte und jeder lernt während seines Berufslebens ständig neue Menschen kennen. Nichts ist letztlich leichter, als im gewohnten Umfeld zu schauen, ob das, was man anbietet, dort benötigt wird. Ist Bedarf vorhanden, sollte man eventuell einen Rabatt anbieten oder eine Dienstleistung sogar umsonst erbringen. Dafür sollen die „Kunden“ einfach über ihre eigenen Kanäle eine Empfehlung aussprechen oder einen Link zur Unternehmenswebsite verbreiten.

 

Kontaktpflege ist für Gründer existentiell und sie funktioniert nur dann, wenn man mit Menschen in Kontakt kommt. Als Gründer kann es deshalb durchaus sinnvoll sein, das geliebte Home-Office zu verlassen und etwa in einem sogenannten Coworking-Space oder einem Café zu arbeiten. Dort trifft man Leute, kommt ins Gespräch und hat die Chance, sein Unternehmen zu präsentieren.