Osterburken

Badische Landesbühne Spielzeiteröffnung in Osterburken mit „Die Vermessung der Welt“

Zwischen Wissenschaft und Wahn

Osterburken.Die Badische Landesbühne eröffnet die Spielzeit 2019/2020 in Osterburken mit Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ in einer Inszenierung von Arne Retzlaff. Zu sehen ist die Vorstellung am Donnerstag, 10. Oktober, 19.30 Uhr, in der Baulandhalle. Vor der Vorstellung findet um 19 Uhr eine Einführung in die Produktion statt, zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sein.

Ausgehend von Daniel Kehlmanns humorvollem Abenteuerroman über den Mathematiker Carl Friedrich Gauß und den Naturforscher Alexander von Humboldt hat die Landesbühne die neue Saison unter das Motto „Weltgeschichten“ gestellt. In der Eröffnungsinszenierung von Arne Retzlaff geht es also um zwei der bedeutendsten Wissenschaftler des beginnenden 19. Jahrhunderts, die mit ihren Forschungen, auf je unterschiedliche Weise, herausfinden wollten, was die Welt im Innersten zusammenhält. Während sich der Empiriker Alexander von Humboldt, der in diesem Herbst seinen 250. Geburtstag feiern würde, sich durch Urwald und Steppe kämpfte, den Orinoko befuhr, in Erdlöcher kroch, die höchsten Berge bestieg und unzählige Selbstversuche machte, bewies der Analytiker Gauß die Krümmung des Raumes von seinem Schreibtisch aus.

Kehlmanns fiktive Doppelbiographie beginnt mit der Reise von Gauß zu einem Naturforscherkongress nach Berlin. Der eigenbrötlerische Misanthrop hat zwar wenig Lust, seine Heimatstadt zu verlassen, aber da ihn Humboldt mit Nachdruck eingeladen hat, besteigt er die Kutsche schließlich doch. Begleitet wird er von seinem Sohn Eugen, den Gauß für einen denkfaulen Versager hält.

So kommt es, dass sich die beiden mittlerweile gealterten Geistesgrößen zum ersten Mal begegnen. In Rückblenden werden Szenen aus den höchst konträren Leben der beiden Genies erzählt. Während sie in Berlin darüber debattieren, wer seinem Lebensziel – der Vermessung der Welt – nähergekommen sei und was wahre Wissenschaft ausmache, verteilt Eugen Flugblätter für ein freies Deutschland und wird prompt verhaftet.

„Kehlmanns Roman ist ein raffiniertes literarisches Spiel mit Wirklichkeit und Fiktion und porträtiert zwei herausragende Wissenschaftler zwischen Scheitern und Erfolg“, so Regisseur Retzlaff. Ihn interessiere daran vor allem die unersättliche Wissbegier der beiden Forscher, ihre extreme Schaffensenergie und gleichzeitig ihre Überforderung in Bezug auf irrationale Phänomene wie Gefühle und Übersinnlichkeit.

Die Inszenierung verspricht durch Projektionen, Puppenspiel und Mittel des Schwarzen Theaters ein wahres Theaterfeuerwerk zu werden. Martin Behlert und David Meyer werden in den Hauptrollen zu sehen sein. Elena Weber, Sina Weiß, Hannes Höchsmann und Stefan Holm schlüpfen hingegen alle in mehrere unterschiedliche Rollen und tragen dazu bei, die Lebenswelten der beiden Protagonisten entstehen zu lassen.

Es wird ein poetischer, spannender und witziger Theaterabend, denn Kehlmanns Roman besticht nicht nur durch seine schrulligen Figuren, sondern auch durch seine satirische Auseinandersetzung mit Größe und Komik deutscher Geistesgeschichte.

Die Ausstattung ist von Ella Späte. Puppenspieler ist Detlef Heinichen.