Osterburken

Im Römermuseum Osterburken Rückblick auf die Zeiten, als das Fernsehen noch ein Lagerfeuer war, um das sich die ganze Familie versammelte

Tim Pröse über die Helden am Samstagabend

Archivartikel

Auf eine unterhaltsame wie informative Zeitreise zu früheren und aktuellen Idolen aus Film und Showgeschäft nahm der renommierte Journalist Tim Pröse sein Publikum in Osterburken mit.

Osterburken. Auf Einladung der Kulturkommode war sein letzter Besuch in der Römerstadt mit der Lesung aus „Jahrhundertzeugen“, einer Sammlung seiner einfühlsamen Gespräche mit Holocaust-Überlebenden und Widerstandskämpfern, gegen das Nazi-Regime eindrucksvoll einem ernsten Thema deutscher Geschichte gewidmet, so hatte er diesmal mit „Samstagabendhelden“ sein neuestes und vermeintlich unbeschwertes Werk mitgebracht.

Wer kennt nicht die Hits von Udo Lindenberg, Konstantin Wecker und Udo Jürgens und wer denkt bei Namen wie Hans-Joachim Kulenkampff, Thomas Gottschalk und Pierre Brice nicht an glückliche Stunden mit Erdnussflips auf der Couch – zu einer Zeit, als es nur drei Programme und einen Sendeschluss gab und das Fernsehen am Samstagabend noch ein Lagerfeuer war, um das sich die gesamte Familie versammelte.

Für Pröse sind es diese Helden der Kindheit und Jugend, nach denen sich die Menschen vielleicht heute mehr denn je sehnen. Denn für diese Charaktermenschen, die so anders waren als die beliebigen Comedians und Moderatoren von heute, kann es kaum würdige Nachfolger geben.

Ihnen eigen sind häufig Brüche in den Biographien, Zeiten des Misserfolgs und der Selbstzweifel, traumatische Erlebnisse in der Kindheit, die sie trotzdem oder vielleicht sogar deswegen zu Persönlichkeiten machten, welche die Fähigkeit hatten, die Menschen stets zu begeistern und bestens zu unterhalten.

Wie nur wenigen Journalisten gelingt es Tim Pröse, die Stars außerhalb des Scheinwerferlichts zu portraitieren – mit all ihren menschlichen Schwächen, Ängsten und mitunter auch Todesahnungen. Dass dies mit viel Einfühlungsvermögen und ohne einen Hauch von Bloßstellung geschieht, ist dem in München lebenden Journalisten hoch anzurechnen.

Das mag zum einen daran liegen, dass er fast ausnahmslos Künstler interviewt, die er selbst verehrt und zum anderen, dass diese sich ihm gegenüber bereitwillig öffnen.

Man fragt sich mitunter, wie es Pröse gelingt, den Prominenten emotional so nahe zu kommen, wie sonst kaum ein anderer. Wer ihn bei einer Lesung wie dieser in Osterburken erlebt, ahnt, wieso dies so ist. Tim Pröse begegnet Menschen mit viel Empathie, zeigt seinem Gegenüber Interesse und Anerkennung. Er kann zuhören – das ist vielleicht die wichtigste Eigenschaft für einen Biographen.

Die Essenzen seiner geführten Interviews verarbeitet Pröse in einem sehr lesenswerten Buch in Geschichten über die persönlichen Begegnungen mit seinen Helden. Humorvolle und berührende Ausschnitte aus diesen beeindruckenden Begegnungen trägt Pröse dem aufmerksamen Publikum vor und ergänzt dies durch Erzählungen, die den Abend noch lebendiger machen und die „Samstagabendhelden“ den Zuhörern ein Stück näherbringen. Die ausgiebig genutzte Fragerunde beendete schließlich die fesselnde Lesung eines Autors, von dem man sich in Zukunft unbedingt jede Menge weiteren, packenden Lesestoff wünscht.