Osterburken

113 Unterschriften übergeben Die Bürger von Bofsheim wehren sich gegen zunehmenden Verkehr und den damit verbundenen Lärm / Lkw gefährden Fußgänger

„Muss dringend Abhilfe geschaffen werden“

Archivartikel

Großer Unmut herrscht derzeit in Osterburkens Stadtteil Bofsheim angesichts der Verkehrssituation. Jetzt wurde eine Unterschriftenliste für eine „30er Zone“ übergeben.

Bofsheim. Die Bürger kämpfen mit dem erhöhten Durchgangsverkehr und den damit verbundenen, stärkeren Lärmbelästigungen. Immer wieder kommt es zudem zu brenzligen Situationen mit Fußgängern und Radfahrern, da die schweren, großen Lastkraftwagen im Begegnungsverkehr auch den Gehweg befahren.

Diese Situation wollen die Anwohner nicht mehr hinnehmen und haben eine Unterschriftenaktion gestartet, an der sich 113 Personen beteiligten. Diese Liste übergab Initiatorin Ingrid Frey bei der jüngsten Verkehrsschau an Harald Steinbach vom Fachdienst Straßen des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis mit der Forderung, durch den Ort eine „30er Zone“ einzurichten.

Beim Vorort-Termin an der Hauptstraße begrüßte Ortsvorsteher Werner Geiger, der dieses Treffen veranlasst hatte, die Vertreter des Landratsamtes mit Fachdienstleiter Harald Steinbach und seinen Mitarbeiterinnen, Vertreter der Polizei, Bürgermeister Jürgen Galm sowie Ingrid Frey von der Bürgerinitiative. Wie Geiger betonte, sei der Stadtteil Bofsheim nach wie vor und dabei insbesondere die an der Hauptstraße wohnenden Einwohner vom starken Durchgangsverkehr schwer belastet.

Denn derzeit fahren – und das war auch beim Ortstermin sehr deutlich zu sehen und zu hören – rund 5000 Fahrzeuge mit einem hohen Lkw-Anteil teils auch mit erhöhter Geschwindigkeit durch den Ort.

Der Ortschaftsrat hat sich bereits in der Vergangenheit mit diesem Thema befasst und sich der Klagen der betroffenen Anlieger angenommen. „Hier muss etwas getan werden“, ist auch seine Forderung. Geiger verwies darauf, dass die zahlreichen Fahrzeuge einschließlich der schweren LKW täglich teilweise nur in zwei Metern Abstand an den Haustüren vorbeirauschten.

Festzustellen sei dabei auch, so der Ortsvorsteher, dass vielfach zu schnell durch die Ortschaft gefahren werde, obwohl derzeit Geschwindigkeitsanzeigen an den Ortseingängen angebracht sind.

Zu den Initiatoren der Unterschriftenaktion zählt Ingrid Frey, die von diesem Problem als Anwohnerin hautnah betroffen ist. Sie bedankte sich, dass die Initiative beim Vorort-Termin im Rahmen der Verkehrsschau Gehör fand und brachte das Anliegen der Anwohner vor.

Die Situation sei zwischenzeitlich unerträglich geworden. Die Anlieger klagen nicht nur über den starken Lärm, sondern auch über die Erschütterungen, welche überwiegend durch die großen Lastwagen verursacht werden. Teilweise seien in den Häusern an der Straße schon größere Risse in der Fassade festzustellen und „in der Stube klirren die Gläser“.

In den letzten Jahren hätten die Anwohner kräftig in ihre Häuser investiert, so Ingrid Frey, um die alte Bausubstanz zu erhalten. Sie habe sich die Mühe gemacht, von Tür zu Tür zu gehen.

Dabei hätten alle Anwohner ihr bestätigt, dass sie die bestehende Situation so nicht mehr hinnehmen möchten, und das sie auch nicht mehr tragbar sei. Der Verkehr und der Lärm seien eine Belastung ohnegleichen und beeinträchtige die Wohnqualität, die man doch erhalten möchte.

Ingrid Frey bat Harald Steinbach, das Anliegen der Bürger zu durchdenken und eine Lösung zu finden, um vor Ort wieder eine annehmbare Situation zu schaffen. Sie übergab dann mehrere Listen der Unterschriftenaktion an Harald Steinbach, der zusagte, das Problem in seiner Behörde zu überprüfen.

Dabei äußerte er bereits erste Bedenken bezüglich der Lärmbelästigung, die grundsätzlich nach den bestehenden Vorgaben des Landes berechnet werde. Dort gehe man von einer täglichen Durchfahrtsmenge von 8200 Fahrzeugen aus, was in Bofsheim nachweislich nicht der Fall sei.

Navi führt durch Bofsheim

Der Weg von der Autobahn in Richtung Buchen/Walldürn führe über die Umgehung Osterburken durch den Eckenbergtunnel. Das Problem sei, dass sich die Fahrzeuglenker durch das eingebaute Navigationssystem den kürzesten Weg zum Ziel heraussuchen. „Da nützen auch die größten Wegweiser nichts“, sagte Steinbach.

Bürgermeister Galm ergänzte die Aussagen dahingehend, dass man versuchen sollte, den Verkehr eventuell über die neue Umgehungsstraße zu leiten und nicht durch Osterburken, denn in der Bofsheimer Straße habe man schließlich das gleiche Problem.

Man könne, wenn man an der Straße stehe, selbst erleben, wie man sich durch den dauernden Lärm gestört fühle. Zudem sei der bereits erwähnte Gefahrenpunkt von großer Wichtigkeit, denn die Lkw müssen teilweise im Begegnungsverkehr auf den Gehweg ausweichen, was für die Fußgänger eine sehr gefährliche Situation darstellt, sagte Galm. Das habe er selbst schon hautnah miterleben müssen. Man habe hier durch den stark zugenommenen Verkehr und die damit verbundenen Erschütterungen einen schlechten Fahrbahnbelag. In der Gesamtbetrachtung, so Galm, habe Ingrid Frey mit ihrer Forderung schon recht, dass dringend Abhilfe geschaffen werden müsse.

Pfähle könnten Gehwege schützen

Harald Steinbach zeigte vor Ort noch eine weitere kurzfristig realisierbare Lösungsmöglichkeit auf, die man angehen sollte, indem man zwischen Fahrbahn und Gehweg rot markierte Begrenzungspfähle aufstellen könnte, damit die Fahrzeuge nicht mehr auf den Gehweg ausweichen können. Dadurch könne eine Reduzierung der Geschwindigkeit erfolgen.

Er sagte zu, verdeckte Geschwindigkeitsmessungen und Zählungen der Fahrzeuge zu veranlassen. Aufgrund dieser Datenlage könne dann über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Ob aber die Forderung der Bürger – eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer durch Bofsheim – realisiert werden kann, ließ Steinbach vorerst offen.