Osterburken

Im Osterburkener Rathaus Elke Ander kann auf eine 50-jährige Dienstzeit zurückblicken / Seit 1999 ist sie Leiterin des Hauptamts

„Morgens die Erste – und abends die Letzte“

Archivartikel

Osterburken.Elke Ander war gerade 14 Jahre alt, als sie am 1. September 1968 – und somit auf den Tag genau vor 50 Jahren – als Verwaltungslehrling im Rathaus in Osterburken eingestellt wurde.

Sie erinnert sich noch sehr genau an diesen Tag und hat schon ein bisschen mit sich gekämpft, als die Anfrage aus dem Rathaus kam, denn: „Eigentlich wollte ich schon die Mittlere Reife machen“ – und: Noch lieber hätte sie es gehabt, wenn ihre Eltern sie ins GTO gelassen hätten. „Das ist das einzige, was ich bedauere“, so Ander rückblickend.

Aber: Sie hat sich entschieden – und dann „bin ich hier hängengeblieben“. Nach ihrer erfolgreich abgelegten Prüfung (Platz 7 von 108 Teilnehmern) wurde sie am 1. September 1971 in ein Angestelltenverhältnis übernommen und war zunächst in der Stadtkasse beschäftigt. Ein Jahr später legte sie die Angestelltenprüfung II („gehobener Dienst“ im Angestelltenverhältnis ab).

Am 1. April 1973 wurde sie Sekretärin des damaligen Bürgermeister Klemens Brümmer. Zuständig war sie zudem als Sachbearbeiterin für das Pass- und Ausweiswesen, Bebauungsplan-Angelegenheiten und Baulandumlegungen und darüber hinaus in der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses und in Sachen Schülerbeförderung.

„Fast 22,5 Jahre habe ich mit Klemens Brümmer zusammengearbeitet“, erinnert sich Elke Ander – und nennt einige für die Römerstadt wichtige „Eckdaten“, die sich in dieser Zeit ereignet haben: Darunter die Gemeindereform, welche die Eingemeindung von Hemsbach, Bofsheim und Schlierstadt mit sich brachte.

Von 1973 bis 1990 war Ander Schriftführerin beim Zweckverband Gruppenkläranlage Seckachtal. Seit 1. Januar 1975 ist sie Schriftführerin und Sachbearbeiterin beim Gemeindeverwaltungsverband Osterburken, seit September 1983 Schriftführerin beim Zweckverband RIO und seit 1. Dezember 1985 zuständig für die Geschäftsstelle Gemeinderat und darüber hinaus Sachgebietsleiterin für Allgemeine Verwaltung, Kultur, Veranstaltungen, Personalwesen, Öffentlichkeitsarbeit und Organisation.

„Markante Stationen“

Auf Klemens Brümmer folgte am 1. Februar 1991 Bürgermeister Roland Burger. Seit 1. April 1999 ist Elke Ander Hauptamtsleiterin. Zu ihren Aufgaben zählen: zentrale Verwaltung, Personalangelegenheiten, Angelegenheiten von Schulen, Kindergärten, Vereinen, die Bereiche Kultur und Städtepartnerschaft und zahlreiche Sonderaufgaben, hinter denen – nach eigener Aussage – „sehr viele Details“ stecken.

Nach dem Ausscheiden von Roland Burger begann am 1. Februar 2006 die Amtszeit von Jürgen Galm – im Jubiläumsjahr „650 Jahre Stadt Osterburken“. Zahlreiche Veranstaltungen hat Elke Ander – gemeinsam mit dem neuen Bürgermeister – vorbereitet und begleitet.

Seit der Übernahme der Geschäftsstelle des Gemeinderats hat Elke Ander an rund 500 Gemeinderatssitzungen teilgenommen – und diese auch mit vorbereitet.

Hinzu kommen die Verbandsversammlungen und Ausschusssitzungen des Gemeinderats. „Nicht alle davon waren vergnügungssteuerpflichtig“, verrät sie mit einem Schmunzeln.

Als „markante Stationen“ ihres Berufslebens bezeichnet sie den „sehr prägnanten“ GTO-Bau, für den man lange gekämpft habe, eine „sehr belastende Zeit“. Und: „Die Abgabe war nicht so freudig.“ Weitere „Punkte“, die in ihre Amtszeit fallen, waren der Autobahnanschluss und die S-Bahn. 45 Jahre „begleite“ sie mittlerweile die Umgehungsstraße.

Elke Ander ist die dienstälteste Hauptamtsleiterin des Neckar-Odenwald-Kreises, war nie länger krank und selbst den Mutterschutz hat sie unterbrochen, „weil der damalige Bürgermeister einen schweren Unfall hatte. Sie macht sich für „Frauen an der Front“ stark und weiß aus eigener Erfahrung: „Frauen im öffentlichen Dienst haben keine Nachteile.“

Am Anfang waren sieben bis acht Leute im Rathaus beschäftigt, jetzt sind es 20. Und auch die Einwohnerzahl hat sich verdoppelt, zieht Elke Ander Vergleiche zwischen heute und damals. Apropos damals: Mit einer (!) „normalen“, mechanischen Schreibmaschine war die Stadtkasse damals „ausgestattet“ – und: „Es gab ein Telefon für fünf Mitarbeiter“.

Viele Aufgaben warten

Was sie vermisst? Da schmunzelt die Hauptamtsleiterin und erklärt: „Wenn ich noch Raucherin wäre, dann das Rauchen in den Sitzungen“, denn: das war früher gang und gebe.

Nach 50 Jahren im Dienst – blickt man da Richtung Rente? „Ich nicht“, kommt von Elke Ander – die morgens die Erste ist, die aufschließt, und abends die Letzte, die geht – wie aus der Pistole geschossen und sie fügt hinzu: „Wenn ich gesund bleibe, will ich zum 31. Januar 2020 ausscheiden. Auf sie warten bis dahin noch viele Aufgaben.

Im Mai 2019 stehen die Kommunalwahlen an, und es wird 2019 das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert. „Da war ich von Anfang an im Boot“, so Elke Ander, die in Osterburken geboren wurde und sich daher als „waschechtes Wüschele“ bezeichnet.

„Unersetzbarer Schatz“

„Wenn jemand so lange dabei ist, gehört er zum harten Kernkapital“, erklärt Elke Anders Chef, Bürgermeister Jürgen Galm, und fügt hinzu: „Eine Kommune lebt mit und von ihrer Geschichte. Wenn man jemanden hat, der alles miterlebt hat, dann ist das ein unersetzbarer Schatz.“

Bei Elke Ander als Hauptamtsleiterin sei „alles, was mit seiner amtlichen Lebensplanung zu tun hat“, verankert.

Sie halte ihm in vielen Bereichen den Rücken frei, sei verlässlich – und sorge für eine gewisse Entspannung. „Ihr Beruf ist ihr Hobby, sie hat ihn noch nie als Belastung gesehen“ – wenngleich ihr Spektrum riesig sei.

Übrigens: Es kommt heute wohl so selten vor, dass ein Beschäftigter 50 Jahre beim selben Arbeitgeber tätig ist, dass eine Jubiläumszuwendung und ein Tag Dienstbefreiung im heutigen Tarifrecht nicht mehr vorgesehen sind.

Eine separate Feier wollte Elke Ander nicht. Die Urkunden der Stadt und des Ministerpräsidenten zum 50-Jahr-Dienstjubiläum wird ihr Bürgermeister Galm in der nächsten Gemeinderatssitzung am 24. September überreichen.