Osterburken

Kulturkommode Osterburken Tim McMillan und Rachel Snow spielte Konzerte in der Alten Schule in Osterburken

Kontakt zum Publikum ist unersetzlich

Archivartikel

Osterburken.„Bleibt alles anders“ sang Grönemeyer einst in einem seiner Songs. Dieses Motto trifft auch für die Kulturkommode Osterburken zu, die nach der pandemiebedingten Zwangspause nun mit den australischen Musikern Tim McMillan und Rachel Snow planungsgemäß die zweite Hälfte ihres Jahresprogramms eröffnete, die Veranstaltung jedoch unter den einschneidenden Veränderungen gemäß der aktuellen Corona-Verordnung durchführen musste.

Um sowohl Künstlern, Veranstaltern als auch dem Publikum wieder die Gelegenheit zu eröffnen, Livekonzerte im intimen Rahmen der Alten Schule durchführen zu können, ist das Einhalten der Regeln für Veranstaltungen dieser Art und damit einhergehende Kompromisslösungen unumgänglich.

Zwei identische Sets gespielt

So wurde im Vorfeld mit den Musikern vereinbart, dass am Abend zwei identische Sets gespielt werden, um die wegen der Abstandsregeln auf ein Drittel reduzierte Zuschauerkapazität halbwegs zu kompensieren. Alle Besucher mussten sich zuvor online über die Kulturkommode-Homepage anmelden und sich, gemäß dem eigens erarbeiteten Hygienekonzept, abseits ihres Sitzplatzes mit Abstand und Maske bewegen. Die Verantwortlichen der Kulturkommode hatten für jedes der beiden Konzerte einen eigenen Sitzplan erstellt und nutzten die Zeit zwischen den Auftritten für Desinfektion und Neubestuhlung. So weit, so anders.

Was sich allerdings, wie gewohnt bei den Kulturkommode-Veranstaltungen einstellte, war die Begeisterung darüber, Musik nicht via Bildschirm, sondern endlich wieder live und direkt erleben zu dürfen. Wie sehr sich auch die Fans darauf freuten, zeigt die Tatsache, dass beide Konzerte bereits im Vorfeld ausverkauft waren.

Der Dank des Vorsitzenden Michael Pohl galt neben dem Publikum vor allem Tim McMillan und Rachel Snow, die sich seit Sommer auf ihre Europa-Tournee gewagt hatten, auch wenn die Wiedereinreise nach Australien sich momentan sehr schwierig gestaltet und die beiden deswegen wohl in Deutschland „überwintern“ werden.

Den „Goblincore“ entwickelt

Der Gitarrist und die Violinistin haben sich vor etwa 20 Jahren kennengelernt. Damals waren sie noch in unterschiedlichen Formationen unterwegs, die sich unter anderem dem Crossover zwischen Klassik und Metal verschrieben hatten.

Als Duo kreierten die Instrumentalisten mit der Zeit einen Stil, den sie gerne als „Goblincore“ bezeichnen, was sich vor allem im Livekonzert als Folk-Acoustic-Heavy-Metal entpuppt. Insbesondere der Wechsel zwischen filigran gespielten Melodien und rhythmisch druckvollen Passagen machen die Songs zu einem musikalisch interessanten Erlebnis.

Mitklatschen wäre durchaus angebracht gewesen, jedoch sind die Songs der beiden dafür zu vielschichtig angelegt und bieten oftmals Breaks in Tempo und Stimmung. Jedoch macht gerade das die Faszination ihrer selbst geschriebenen Songs aus. Der Fokus liegt dabei auf den anspruchsvollen Phrasierungen, Tims unnachahmlichem Fingerpicking an der Akustik-Gitarre, die von Rachel leichtfüßig gezupften Violinen-Saiten und schwermütig gezogenem Geigenbogen und dem unglaublich synchronen Zusammenspiel des Duos. Auf diese Weise wird jedes der Stücke zu einem kleinen instrumentalen Kunstwerk.

Aufgelockert werden die Konzerte der sympathischen Australier durch die humorvollen Episoden, die Tim in bestem „Denglisch“ zur Entstehung der Songs oder dem Leben auf Tour erzählt – Deutsch-Sprachkurs für Rachel inbegriffen.

Wenn auch durch die fehlenden Pausen während der Konzerte und die Abstandsregeln die gewohnt kommunikative Stimmung leiden musste, wurde an diesem Abend doch deutlich, wie sehr das Publikum die Liveatmosphäre schätzt und der direkte Kontakt zwischen Künstler und Publikum unersetzlich ist.

Letzte Veranstaltung am Samstag

Am Samstag, 10. Oktober, wird für Kino-Freunde mit der Filmbiografie „Stan & Ollie“ die wahre Geschichte des legendären Komiker-Duos im Römermuseum gezeigt, was gleichzeitig die letzte Veranstaltung der Kulturkommode in diesem Jahr sein wird.

Mike Silver, dessen Konzert für November geplant war, hat sich entschlossen, aufgrund der aktuellen Lage in diesem Jahr nicht nach Deutschland zu reisen und aufzutreten.