Osterburken

Waldbegehung in der Römerstadt Für die Zukunft „gut aufgestellt“ / Folgen des Klimawandels für die Forsteinrichtung erläutert

Höhere Pflanzkosten kommen auf die Stadt zu

Archivartikel

Viele interessante Informationen über den Zustand des heimischen Stadtwaldes erhielt der Gemeinderat bei seiner Waldbegehung im Gewann „Stöckig“ in Osterburken.

Osterburken. Deutlich wurde dabei, dass sich das Waldbild in den letzten Jahren veränderte und verschiedene Baumarten mit dem deutlich erkennbaren immer weiter fortschreitenden Klimawandel zu kämpfen haben.

Keine Zukunft für die Fichte

Die Fichte, die in den letzten Jahrzehnten die dominante Baumart im Wald gewesen war, wird, wie von den anwesenden Forstleuten zu hören war, keine große Zukunft mehr haben und durch neue Baumarten – wie unter anderem die Douglasie – ersetzt werden.

Nach der Waldbegehung folgte im Bürgersaal des Rathauses die Verabschiedung der Forsteinrichtungserneuerung für die Jahre 2020 bis 2029 und die Vorstellung des Natural- und Finanzplanes für 2020. Revierleiter Dietmar Haid erläuterte, dass mit einem Erlös aus der Forstwirtschaft, wie es seither noch der Fall gewesen sei, voraussichtlich nicht mehr erwirtschaftet werden könne.

Gemeinsam fuhr man zum ersten Waldbild im Gewann „Stöckig“, wo es eine Schweigeminute für den plötzlich verstorbenen Forstdirektor Martin Hochstein gab, bevor Jörg Pruchta kurz auf die stattgefundene Untersuchung der Forsteinrichtungserneuerung einging, deren Hauptziel der Waldbewirtschaftung die Nachhaltigkeit in allen Funktionen sei.

Die erfolgte Inventur, der Betriebsvollzug und einen Ausblick auf die kommende Planung in den nächsten Jahren dienen als Grundlage für den Kultur- und Nutzungsplan. Oberforstrat Helmut Weishaar ging kurz auf die wichtige Zielsetzung der Forsteinrichtung ein. Ein ganz wichtiges Ergebnis der Zustandserfassung ist ein neu erhaltenes Kartenmaterial mit farblicher Darstellung sowie ein neues Revierbuch. Anhand der alten und neuen Zustandskarten konnte der Gemeinderat die deutlichen Veränderungen erkennen.

Der Eichenmischbestand, so Weishaar, sei im Stadtwald der flächenmäßig größte Waldentwicklungstyp, danach kommt die Buche, die Douglasie und Fichte. Der Anteil an Nadelholztypen beträgt 40 Prozent der Fläche, was, so Weisshaar, ein sehr hoher Anteil sei.

Revierleiter Dietmar Haid erläuterte die in der neuen Karte dargestellten Veränderungen, wo der in den letzten Jahren getätigte Waldtausch dargestellt war. Dadurch habe der Staatswald flächenmäßig um rund 40 Hektar zugenommen und sei zudem viel kompakter geworden, was auch das Ziel gewesen ist.

Wie Weishaar weiter sagte, könne man die Stadt zu diesem Wald nur beglückwünschen. Weitere Themen vor Ort waren der Klimawandel und die sich daraus ergebende Notwendigkeit, den Baumbestand zukünftig umzubauen, denn die Fichte werde wegfallen.

Beim zweiten Waldbild wurde ein Buchenbestand begutachtet, wo die Kronenspitzen bereits deutliche Schäden aufweisen. Dieser ist zur Durchforstung vorgesehen. Das Fällen der beschädigten Bäume bereitet jedoch erhebliche Schwierigkeiten. Man müsse vorsichtig in den Bestand gehen, um die Waldarbeiter nicht zu gefährden.

Nach dem Waldbegang folgte im Bürgersaal des Rathauses die Vorstellung der Zehn-Jahres Planung von 2020 bis 2029 durch Oberforstrat Helmut Weishaar, der sehr detailliert auf die Forsterneuerungseinrichtung im Stadtwald Osterburken und dessen Zustand einging. Die große Trockenheit des vergangenen Jahres habe auch hier ihre Spuren hinterlassen, wie auch der Borkenkäfer, welcher der Fichte sehr zusetzte und für diese Baumart eine besondere Gefahr darstelle.

Sein Vortrag zur Forsteinrichtung zum 1. Januar 2020 umfasste die Zustandserfassung mit Inventur, einen Rückblick auf die letzten zehn Jahre mit erfolgter Planung und Vollzug. Als zentrales Element bezeichnete Weishaar die Planung der Waldein-richtung für die nächsten zehn Jahre bis 2029 mit dem geplanten Hiebssatz, bei dem man aber nicht mehr Holz einschlagen wolle, wie auch nachgefragt wird.

Die vorgenommene Waldvermehrung bezeichnete Weishaar als „imposant“. „Hier ist die Stadt für die Zukunft gut aufgestellt, um die an die Forstwirtschaft gestellten Aufgaben zu meistern“, unterstrich er. Bei den Waldfunktionen sei für ihn der hohe Anteil an Wasserschutzgebieten und Biotopen bedeutsam.

Im Wald der Zukunft werde die führende Nadelbaumart die Douglasie darstellen, die Eiche werde noch etwas an Bedeutung gewinnen. „Der Osterburkener Wald ist von den Baumarten her sehr klimastabil aufgestellt“, verdeutlichte der Oberforstrat. In seinem kurzen Rückblick sagte Weishaar, dass man vor zehn Jahren mit einem recht „strammen“ Hiebssatz mit 88 400 Festmetern kalkulier-te, der aber im Vollzug bisher nicht erreicht wurde. Nach heutigem Stand werden dies zum Jahresende rund 75 000 Festmeter sein.

Das finanzielle Ergebnis aus den Erträgen des Waldes war, wie Weisshaar sagte, „beeindruckend“. Denn im Durchschnitt wurden in den letzten zehn Jahren jährlich rund 150 000 Euro erwirtschaftet. In naher Zukunft werde dies aber nicht mehr möglich sein, ist sich Weishaar sicher. In den Planungen für 2020 bis 2029 liegt sein Hiebssatzvorschlag nahezu wieder bei 80 000 Festmeter. Darauf entfallen auf die Vornutzung 44 850 Festmeter und auf die Hauptnutzung 35 150 Festmeter. Im geplanten Anbauplan wird die Douglasie dominierten, gefolgt von der Eiche und einem kleinen Anteil in Verbindung noch an Fichte. Zukünftig werden aber höhere Pflanzkosten auf die Stadt zukommen. Weishaar lobte er die engagierte Arbeit von Förster Dietmar Haid.

Bürgermeister Galm bedankte sich für den detaillierten Vortrag. Für die Zukunft gelte es sich, weiter gut aufzustellen, denn das Holz sei ein wertvoller heimischer Rohstoff. Finanziell werde man in den nächsten Jahren mit einem „blauen“ Auge davonkommen. Nach einigen Wort-meldungen aus dem Gremium, wo auch das Thema der fehlenden Waldarbeiter angesprochen wurde, genehmigte der Gemeinderat die vorgestellte Forsteinrichtungserneuerung einstimmig.

Finanzplan verabschiedet

Den Natural - und Finanzplan für das kommende Jahr legte in kurzer Form Revierleiter Dietmar Haid vor, der diesen bereits zu Beginn als „Makulatur“ bezeichnete. Insgesamt sollen rund 8000 Festmeter eingeschlagen werden. Davon entfallen auf die Vornutzung 6640 Festmeter und für die Endnutzung sind 1390 Festmeter vorgesehen. Man wisse aber nicht, was nächstes Jahr auf die Forstwirtschaft zukomme. Man fahre deshalb auf Sicht und reagiere auf den Markt. Die Finanzplanung sei sehr „vage“. An Einnahmen wurden rund 379 000 Euro und an Ausgaben rund 372 000 errechnet. Es wird mit einem kleinen, aber sehr pessimistischen Betriebsergebnis von rund 6700 Euro gerechnet. Zudem schlagen hohe Verwaltungskosten, die als Ausfluss aus dem erfolgten Kartellverfahren zu sehen sind, mit rund 110 000 Euro zu Buche, was die Kommunen finanziell sehr hart treffe. In jedem Fall, so Revierleiter Haid werde eine „schwarze“ Null angestrebt.

Ohne Fragen nahm der Gemeinderat diese nicht erfreulichen Zahlen zur Kenntnis, auch mit der Tatsache, dass aus der Forstwirtschaft in den nächsten Jahren kein größerer Gewinn mehr erzielt wird. F