Osterburken

FN-Gespräch mit Thomas Zemmel Der Vorsitzende des DLRG-Bezirks Frankenland erklärt, warum es wichtig ist, schwimmen zu können / Situation an Schulen Thema / „Gemeinsam etwas für eine gute Sache tun“

„Der Neckar-Odenwald-Kreis schwimmt gut“

Archivartikel

Klar, dass sich in diesem Rekordsommer viele Menschen in Freibädern und Seen abkühlen wollten. Aber: Nicht alle können (richtig) schwimmen.

Neckar-Odenwald-Kreis. Die FN haben Thomas Zemmel gefragt, wie gut der Neckar-Odenwald-Kreis schwimmt. Der Osterburkener ist Vorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Bezirk Frankenland. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte er nicht nur, warum es wichtig ist, schwimmen zu können. Er verriet auch, wie es um den Schwimmunterricht an den Schulen der Region bestellt ist, wo Schwimmkurse angeboten werden, was man tun muss, um beispielsweise das „Seepferdchen“ zu erwerben und wie es mit dem Nachwuchs in den eigenen Reihen bestellt ist.

Herr Zemmel, wie gut schwimmt der Neckar-Odenwald-Kreis?

Thomas Zemmel: Mit Blick auf die gesamte Bundesrepublik schwimmt der Neckar-Odenwald-Kreis dank flächendeckender Angebote der DLRG-Ortsgruppen in der Anfängerschwimmausbildung gut.

Die Zahl der Schwimmer/Nichtschwimmer ist allerdings örtlich sehr unterschiedlich. In Gemeinden, in denen bereits in der Grundschule Schwimmunterricht angeboten wird – leider zu wenige Schulen – können alle Kinder, welche die vierte Klasse verlassen, schwimmen.

2017 befanden sich 1042 Kinder und Erwachsene in der Anfängerschwimmausbildung des DLRG-Bezirks Frankenland (Neudenau bis Wertheim – 30 Ortsgruppen).

Warum muss man eigentlich schwimmen können?

Zemmel: 1. Als Eigenschutz vor dem Ertrinken. 2. Um andere vor dem Ertrinken zu bewahren. 3. Da es eine der gesündesten und günstigsten Sportarten ist, welche – vom Kind bis ins hohe Alter – ausgeübt werden kann. Gerade im Alter oder bei Bewegungseinschränkungen stellt Schwimmen häufig eine der wenigen Sportarten dar, welche selbstständig ausgeübt werden kann.

Wer zählt als Nichtschwimmer?

Zemmel: Nach Definition der DLRG gilt ein Mensch erst dann als sicherer Schwimmer, wenn er mindestens die Disziplinen des „Jugendschwimmabzeichen Bronze“ beherrscht. Diese sind: Sprung vom Beckenrand und mindestens 200 Meter Schwimmen in höchstens 15 Minuten, einmal etwa zwei Meter Tieftauchen von der Wasseroberfläche mit Heraufholen eines Gegenstandes, Sprung aus einem Meter Höhe oder Startsprung sowie Kenntnis der Baderegeln. Demnach zählt jede Person, welche dies nicht beherrscht, zu den Nichtschwimmern.

Es gibt immer mehr Spaßbäder, also Bäder ohne Lehrbecken, dafür aber mit Rutschen und Whirlpools. Wie schaut es im Neckar-Odenwald-Kreis und den angrenzenden Städten und Gemeinden - aus?

Zemmel: Zum Glück gibt es im Neckar-Odenwald-Kreis hauptsächlich Schwimmbäder, welche für die Schwimm- und Rettungsschwimm- ausbildung geeignet sind. Beispielsweise gibt es in Mosbach mit dem ’FaMOS’ ein Freizeitbad, neben diesem jedoch auch ein geeignetes Hallenbad existiert, das die Schwimmausbildung ganzjährig ermöglicht.

Die meisten Deutschen lernen Schwimmen in der Schule, allerdings ist diese Zahl rückläufig. Ist Schwimmen kein Unterrichtsfach mehr?

Zemmel: Schulschwimmen ist eine gesetzliche Pflicht. Der Bildungsplan für Grundschulen empfiehlt, mit dem Schwimmunterricht möglichst frühzeitig zu beginnen. Schwimmunterricht ist aber die Schwachstelle im Sportunterricht. Schulschwimmen kostet viel Zeit und Geld und genießt in der politischen Willensbildung keine höchste Priorität. So kommt es, dass die logistische Herausforderung oft kaum zu bewältigen ist. In den vergangenen Jahrzehnten wurden in Deutschland immer mehr Hallen- und Freibäder geschlossen. Daher liegen etliche Schulen gänzlich außerhalb der Reichweite eines Schwimmbades. Zudem mangelt es häufig an der Qualifikation und „Rettungsfähigkeit“ der Lehrkräfte.

Steht in den Bädern der Region die Infrastruktur für die Abzeichen – Sprungturm und Sprungbrett – überhaupt zur Verfügung?

Zemmel: Ja, dies ist zum Glück der Fall. Jedoch dürfen es nicht mehr weniger geeignete Bäder, mit freier Kapazität, werden, da wir bereits deutlich an der Grenze sind und mehrere DLRG-Ortsgruppen sich Bäder teilen müssen.

Wo im Kreis werden Schwimmkurse angeboten? Und von wem?

Zemmel: Fast alle DLRG-Ortsgruppen im Neckar-Odenwald-Kreis bieten Anfänger- und Jugendschwimmkurse in den verfügbaren Hallen- und Freibädern an. Rettungsschwimmkurse können ebenso in zahlreichen DLRG-Ortsgruppen besucht werden. Darüber hinaus bestehen mancherorts Angebote der DLRG für Baby-, Kleinkind-, Senioren- und Behinderten-Schwimmen sowie Aquafitness und Gymnastik.

In folgenden Schwimmbädern bietet die DLRG Kurse an: Freibad Neudenau, Familien- und Freizeitbad Aglasterhausen, Hallen- und Freibad Mosbach, Hallenbad Seckach, Freibad Adelsheim, EBG-Hallenbad Adelsheim, GTO-Schwimmbad Osterburken, Lehrschwimmbecken Bofsheim, Katzenbuckel Therme Waldbrunn, Hallen- und Freibad Buchen, Auerbergsportbad Walldürn, Familienbad Höpfingen – und im Hallenbad Külsheim. Neben der DLRG gibt es auch private Schwimmschulen im Kreis, welche Schwimmkurse anbieten.

Ein großes Ziel der DLRG ist es, möglichst vielen Kindern das Schwimmen beizubringen. Ist der Andrang bei den Anfängerkursen hoch?

Zemmel: Ja, vielerorts gibt es Wartelisten. Häufigster Grund dafür sind die zu geringe freie Kapazität in den verfügbaren Schwimmbädern.

Was muss man für das „Seepferdchen“ tun?

Zemmel: Um das Frühschwimmer-Abzeichen zu erlangen, müssen ein Sprung vom Beckenrand und 25 Meter Schwimmen sowie das Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus schultertiefem Wasser beherrscht werden.

Wie viele Jugendschwimmabzeichen wurden 2017 im Neckar-Odenwald-Kreis erworben? Und: Wie viele waren es beispielsweise 2004?

Zemmel: Im DLRG-Bezirk Frankenland (Neckar-Odenwald- und Main-Tauber-Kreis zusammen) wurde folgende Anzahl an Jugendschwimmabzeichen abgelegt: Jugendschwimmabzeichen Bronze: 455 in 2017, 523 in 2004. Jugendschwimmabzeichen Silber: 261 in 2017, 283 in 2004. Jugendschwimmabzeichen Gold: 194 in 2017, 227 in 2004.

Der Vergleich der einzelnen Jahre hängt natürlich mit den Geburtenjahrgängen zusammen. Würde man hier aber prozentual rechnen, so gehen wir davon aus, dass das Verhältnis gleich bleiben würde.

Hat die DLRG Nachwuchs-Probleme?

Zemmel: Anders als in vielen Vereinen hat die DLRG weniger Nachwuchsprobleme. Allerdings fehlen uns auch aufgrund der vielen Ganztagsschulen ab dem Alter 16 und aufwärts Ausbilder, die längerfristig da bleiben (Abitur, Studium). Ansonsten bietet die DLRG ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Die Kinder und Jugendlichen werden dabei frühzeitig in die DLRG eingebunden. So gibt es in vielen Ortsgruppen eine sehr aktive DLRG-Jugend, in der Jugendliche bereits ab zwölf Jahren in der Jugendarbeit und als Hilfsausbilder in der Schwimmausbildung mitwirken dürfen. Auch im Wasserrettungsdienst und Katastrophenschutz wird der Nachwuchs in jungen Jahren herangeführt und ausgebildet.

Wie wollen Sie neue Mitglieder begeistern?

Zemmel: Durch vielfältige Angebote für alle Altersklassen: vom Baby- und Kleinkindschwimmen über Aquafitness-Kurse bis zur Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung sowie die Ausbildungen im SAN-, Funk-, Boot-, Strömungsretter- und Taucher-Bereich. Darüber hinaus durch gemeinschaftsfördernde Aktionen außerhalb des Schwimmbades, wie Zeltlager, Bastelnachmittage, Vereinswanderungen oder dem Kuchenverkauf bei Dorffesten.

Und: Durch das vermittelte Gefühl, gemeinsam etwas für eine gute Sache zu tun – und indem wir Verantwortlichen unser Leitbild der DLRG – „Humanität und Sport“ – vorleben. Darunter fallen unsere Slogans wie „Wir retten Leben“, „Freie Zeit in Sicherheit“ oder „Auch du kannst Leben retten“.