Osterburken

Schweren Herzens Hauptamtsleiterin Elke Ander verlässt Ende des Monats das Rathaus Osterburken / Über 500 Gemeinderatssitzungen vorbereitet

Der Abschied fällt ihr nach 51 Jahren schwer

Das Rathaus Osterburken ohne Elke Ander? Noch keiner kann sich das so richtig vorstellen. Aber zum 31. Januar geht die Hauptamtsleiterin nach 51 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand.

Osterburken. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge? „Wohl eher mit zwei weinenden“, meint die Frau, die Zeit ihres Lebens mit dem Osterburkener Rathaus verheiratet war und regelmäßig auf einiges mehr als 39 Wochenstunden kam. Die Stelle von Elke Ander teilen sich ab Februar Elena Hausch und Julian Schneider.

Am 1. September 1968 begann ihre Ausbildung bei der Gemeinde. „Das alte Rathaus war schon abgerissen. Wir waren damals im alten Kindergarten untergebracht und das Berufsbild war das des Ratschreibers“, blickt sie im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten auf ein bewegtes Berufsleben zurück.

Nicht mit den 60ern vergleichbar

Mit heute sei die Anfangszeit in den 60er-Jahren nicht mehr zu vergleichen. Das Arbeiten selbst habe sich grundlegend verändert. „Alles ohne Computer. Es gab Karteikarten mit Reitern. Und die Wahlbenachrichtigungen mussten alle einzeln geschrieben werden. Schreibmaschine und Tipp-Ex gehörten zu unserem Arbeitsalltag“, erzählt die scheidende Hauptamtsleiterin, während sie schweren Herzens ihr Büro ausräumt. Auch die Zahl der Gemeindebediensteten sei damals gerade die Hälfte von heute gewesen. Als wesentliche Weichenstellungen der letzten Jahrzehnte nennt sie die Gemeindereform und die interkommunale Zusammenarbeit, beispielsweise im RIO. Das Römermuseum sei ebenfalls ein prägendes Element der Stadt geworden.

Auch die Tatsache, dass Osterburken inzwischen über einen Autobahn-Anschluss und einen S-Bahn-Anschluss verfüge, mache die Stadt um einiges interessanter als früher. Absoluter Vorreiter in Sachen Schule und Ganztagsbetreuung sei ebenfalls eine Entwicklung, die sich Osterburken auf die Fahnen schreiben könne.

Allein unter Männern

Als Elke Ander Hauptamtsleiterin wurde, war sie im Neckar-Odenwald-Kreis eine Exotin. Während mittlerweile auch beispielsweise in Adelsheim und Rosenberg Frauen in dieser Position anzutreffen sind, fand Elke Ander sich allein unter Männern. „Das war sicher nicht immer einfach. Aber ich habe es geschätzt, dass man als Frau im öffentlichen Dienst diese Möglichkeit hat und nicht auch noch darum kämpfen muss. Denn kämpfen muss man ohnehin genug“, meint sie.

Fest steht für Elke Ander, dass eine Frau die Schwerpunkte etwas anders setzt. „Und vielleicht auch manchmal mehr mit nach Hause nimmt, was ein Mann leichter abschüttelt.“

So seien beispielsweise die Kindergartenplätze ein schwieriges Thema. Natürlich müsse die Stadt die Plätze vorhalten, aber im gesamten Stadtgebiet. Da sei es häufig schwierig, jemandem zu sagen, er müsse eben nach Schlierstadt fahren. „Oft melden sich Eltern erst kurz vorher. Und dann wird es schwierig, einen Platz anzubieten. Wenn die Mütter weinend hier stehen, geht mir das an die Nieren“, gibt Elke Ander zu und erinnert sich an ihre eigene Zeit: „Acht Wochen habe ich nach der Geburt meiner Tochter wieder gearbeitet. Aber ich hatte eine Mutter, die sogar zu mir ins Haus kam. Wie gut das war, weiß ich heute erst so richtig zu schätzen.“ Und es ist sicher nicht das einzige Thema, das Frauen anders betrifft als Männer.

Arbeit war ihr Hobby

Danach gab es für Elke Ander auch keine Pause mehr. Sie hat ihre 51 Jahre und fünf Monate voll gearbeitet. „Das bin ich wirklich stolz drauf“, strahlt die Frau, die unumwunden zugibt, ein „Workaholic“ zu sein. Ihre Arbeit war gleichzeitig ihr Hobby. Nicht zuletzt aus diesem Grund fällt ihr das Loslassen jetzt schwer. „Immer war etwas am Laufen. Nie war es langweilig. Als Hauptamtsleiterin konnte man überall mitmischen und gestalten“, erzählt sie. Gerne erinnert sie sich an ihren ersten Kontakt mit dem Rathaus 1964. „Da kam ich von der Schule und sollte ein Gedicht für den Empfang des Regierungspräsidenten aufsagen.“

Drei verschiedene Bürgermeister

Wichtig sei in ihrer Position, freundlich, offen und hilfsbereit auf die Menschen zuzugehen. „Nicht immer ist es eine einfache Aufgabe“, weiß sie aus Erfahrung. Aber die positiven Rückmeldungen der Bürger seien ihr immer wieder Bestätigung gewesen. Elke Ander hat drei verschiedene Bürgermeister erlebt, über 500 Gemeinderatssitzungen vorbereitet und ungezählte kommunale Projekte mitbegleitet. „Roland Burger löste damals mit 29 Jahren Klemens Brümmer ab, der mit 67 Jahren in den Ruhestand ging“, so Elke Ander. Das sei eine deutliche Umstellung im Rathaus gewesen. Und Jürgen Galm sei mitten im Jahr des Stadtjubiläums „650 Jahre Osterburken“ ins Amt gekommen. Mit ganz vielen Terminen. „Das war auch ein sehr arbeitsreiches Jahr“, blickt sie zurück.

Auch im Ehrenamt war Elke Ander aktiv und sowohl Vorsitzende der Chorgemeinschaft als auch der DLRG. Für ihren Ruhestand hat sie kein konkretes Vorhaben, sondern will ihr Berufsleben „einfach ganz ohne Termine erstmal sacken lassen“. Was ihr den für sie schwierigen Abschied aus dem Hauptamt wesentlich erleichtert, ist ihr knapp einjähriges Enkelkind Nele-Sophie. „Auf die Zeit mit ihr freue ich mich wirklich.“