Osterburken

Danke für meine Schmerzen

Archivartikel

Danke für meine Schmerzen“ – Ich sehe Ihre fragenden, vielleicht verständnislosen Gesichter vor mir. Wie kann ich mich für Schmerzen bedanken? Schmerzen sind doch total negativ?!

Nun, es ist gerade ein paar Tage her, als ich mich morgens für die Arbeit fertig machte. Alles wie gewohnt, als mich mit einem Mal starke Schmerzen in der linken Körperhälfte aus der Ruhe brachten. Aus heiterem Himmel und so extrem, dass es mir wirklich die Tränen in die Augen trieb.

Arbeitgeber angerufen und nichts wie zum Arzt. Nach Untersuchung und Ultraschall wurde eine Nierenkolik vermutet.

Nun lag ich zuhause mit Wärmflaschen und „bis oben hin“ mit Medikamenten gefüllt im Bett und dachte so betrübt bei mir: „Na, super, und ich habe doch noch die Woche so viel vor. Lauter Termine. Unsere Konfirmationen…“

Ich hörte schon in Gedanken meine Familie und Freunde sagen „Bist du wieder weg?“ „Kommst du auch mal zur Ruhe?“ „Nimm dir endlich mal wieder Zeit für Dich!“ „Hast Du wenigstens genug getrunken?“

Vor allem letzteres wurde mir in letzter Zeit immer wieder von allen Seiten regelrecht „an den Kopf“ geworfen. „Pass auf dich auf!“ – Und das habe ich definitiv nicht gemacht.

Wo blieb meine Erholung? Meine Pause? – Die habe ich jetzt! Unfreiwillig. Meine Termine musste ich somit alle absagen.

Ich war seit Beginn des „Corona-Lock-Downs“ beruflich so eingespannt, dass ich mich nur noch wie im Hamsterrad verhielt. Laufen, laufen und nur noch reagieren – ohne Ende. Das hätte auch ganz anders ausgehen können. Da habe ich selbst nicht aufgepasst.

Mein „Haus“ dem Sturme unnötig ausgesetzt. Und ich erinnerte mich an einen alten Spruch eines mir unbekannten Autors: „Geh Du vor“, sagte die Seele zum Körper, „auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf Dich.“ „Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für Dich haben“, sagte der Körper zur Seele.

Dann dachte ich: „Danke, guter Gott, dass nicht mehr passiert ist!“. Für mich war das ein sogenannter „Schuss vor den Bug“, eine Erinnerung, eine Warnung.

„Danke für meine Schmerzen!“ – Ein merkwürdiger und ungewohnter Gedanke ist das, so ging mir durch den Kopf und ich überlegte: Schmerzen machen uns aufmerksam, dass etwas nicht stimmt. Fordern uns zum Handeln auf, zum Verändern. Soweit wir können. Und ich habe definitiv was falsch gemacht, ich war aus der Balance.

Wir brauchen auch Räume, die uns das Spüren der eigenen Bedürfnisse ermöglichen. Wenn ich nur gehetzt und müde bin und nicht zur Ruhe komme, dann wird es mir schwerfallen, über mein Leben, über meine Sehnsüchte und Hoffnungen nachzudenken.

Dann werde ich auch kaum über Gott und die Bedeutung des Glaubens nachdenken. So vergisst man (sich) leicht und schnell. Nicht nur körperlich, auch geistig, seelisch.

Für mich ist sicher: meine Dankbarkeit für vieles, scheinbar Alltägliche wächst und das Vertrauen auf Gott, dass er mich vor vielem – oder in vielem – bewahrt.

Gott ist bei uns!

Ich wünsche Ihnen regelmäßig Zeiten der Ruhe, in denen ihre Seele auftanken und sich erholen kann! Bleiben oder werden Sie gesund.

Ihre Ulrike Quoos, Prädikantin, Osterburken