Osterburken

Am Ganztagsgymnasium Osterburken 33. Jazz-Symposium brachte spannende Workshops und ein Abschlusskonzert

Am GTO wurde es ganz brasilianisch

Archivartikel

Osterburken.Das lateinamerikanische Land Brasilien steht wie kaum ein anderes für (musikalische) Vielfalt. Antônio Carlos Jobim (Komponist und Pianist) und João Gilberto (Gitarrist und Sänger) beeinflussten mit ihrer Erfindung der Bossa Nova, einer Mischung aus Samba und Cool Jazz, maßgeblich den Modern Jazz. In ihrem Song „Chega de Saudade“ („No more blues“) zeigten sie erstmals die magische Verbindung von weichem, geflüstertem Gesang und virtuoser Gitarrenbegleitung.

Musikalische Räume öffnen

Ganz im Sinne des im letzten Jahr mit 88 Jahren in Rio de Janeiro verstorbenen Musikgenies Gilberto war es das Anliegen des 33. Jazz-Symposiums, jungen Musikern die Gelegenheit zu bieten, Neues ausprobieren. Durch Inspiration und die Öffnung neuer musikalischer Räume sollte es ihnen ein Bestreben werden, eine bessere Zukunft zu gestalten.

Gastgeber war die Bigband des Ganztagsgymnasiums Osterburken (GTO) unter der Leitung von Patrick Penndorf, die dank der jahrzehntelangen Arbeit von Gernot Ludwig einen hohen Stellenwert an der Schule und bei der Außenwirkung hat.

1999 und 2005 erreichten die jeweiligen Bands einen zweiten Preis beim Landeswettbewerb „Jugend jazzt“. 2016 folgten zwei vielbeachtete Konzerte mit Duke Ellingtons höchst anspruchsvollem „Sacred Concert“. Neben der Gastgeberrolle beim Jazz-Symposium ist das GTO auch Kooperationspartner beim Nachwuchs-Jazz-Festival „UpBeat-Hohenlohe“. Das GTO gehört zu den landesweit drei Schulen, denen die Möglichkeit gegeben wird, so eine Veranstaltung auszurichten. Allein das unterstreicht die hohe Bedeutung und Qualität der jährlichen musikalischen Darbietungen.

Nach der Probe des gemeinsamen Stückes folgte gegen Mittag ein Dozentenkonzert. Am Nachmittag gab es Workshops für Combo und Improvisation. Ab 19 Uhr schloss das gut besuchte und mit häufig großem Beifall quittierte Abschlusskonzert in der GTO-Aula das Symposium.

Penndorf wartete mit namhaften Dozenten auf. Johannes Ludwig, Saxophonist, Komponist und Multi-Holzbläser, war bis 2007 Schüler am GTO und spielte unter anderem mit der WDR Bigband. Er unterrichtet Jazz-Saxophon und Jazz-Combo an der Hochschule für Musik und Theater in München und kuratiert das Jazzfestival UpBeat Hohenlohe.

Er widmete der verheerenden Brandkatastrophe im Amazonasgebiet als gemeinsames Stück des Konzerts ein Requiem.

Auf eindrückliche Weise durften sowohl die Instrumentalisten als auch die Zuhörer an dieser ganz besonderen Totenmesse teilhaben, sich der politischen Versäumnisse besinnen und sich vielleicht dabei bewusst werden, wie vergänglich das Leben .

Aber auch die anderen Dozenten haben internationalen Bezug: Veronika Morscher, österreichische Sängerin und Singer-Songwriterin, war 2017 Trägerin des Vorarlberger Kulturpreis im Jazz. Ihr Landsmann Jakob Kammerer hat als Schlagzeuger und Komponist den Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis gewonnen. Sebastian Stahl war langjähriges Mitglied des Landesjazzorchester Baden-Württemberg. Er ist Lehrer für Schlagzeug und Vibraphon an der Musikschule Bauland und war am Samstag für das Einstudieren und die Aufführung des gemeinsamen Stückes zuständig.

Joachim Lenhardt (Saxophon) lebt als freier Musiker, Pädagoge und Webdesigner in Nürnberg, wo er mit einem Nürnberg-Stipendium des Kulturpreises ausgezeichnet wurde. Philipp Brämswig hat einen Lehrauftrag für Pop-Gitarre an der Hochschule für Musik Osnabrück.

Calvin Lennig, professioneller Kontrabassist, tourte bereits durch Südamerika. Heidi Bayer arbeitet als Trompeterin, Komponistin und Instrumentalpädagogin in Köln. Sie unterrichtet an der Universität Oldenburg Trompete, Ensemble-Didaktik und Bigband.

Ben Degen ist Preisträger des „Winning Jazz Hannover“ und „Jazzpodium Niedersachsen 2003“. Kristina Brodersen (Saxophon) wurde mit dem Jazz-Förderpreis des Dreiländerecks Saarland-Luxemburg-Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Sie spielte in den Landesjugendjazzorchestern des Saarlandes und Bayerns und im Bundesjugendjazzorchester.

Hochkarätige Bands

Erneut hatten die GTO-Jazzer hochkarätige Big Bands um sich versammelt. Die Big Bands des Kopernikus-Gymnasiums Aalen-Wasseralfingen unter der Leitung von Hans-Jörg Beiderwellen-Fuchs, des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Crailsheim unter der Leitung von Tobias Wolber, des Goethe-Gymnasiums Ludwigsburg unter der Führung von Claudius Heinzelmann und des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums St. Georgen unter der Führung von Benjamin Heil.

Einen großen Dank für die Unterstützung richteten Schulleiterin Regina Krudewig-Bartel und Patrick Penndorf an das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, dem Verein der Freunde und Förderer des GTO, sowie an die treuen Sponsoren des Festivals.