Osterburken

Kutschenfahrt durch Feld und Wald Franz Nicola aus dem Ünglert meistert auch schwierige Situationen auf dem Kutschbock / Pia Autrata und Jan Baier halten die Zügel

Abenteuer sind auch mit zwei PS möglich

Archivartikel

Normalerweise sind die Traktorfreunde Albin Jelinek und Franz Nicola nicht nur mit zwei Pferdestärken unterwegs. In diesem Sommer schon. Und an Abenteuer mangelt es dabei auch nicht.

Schlierstadt. Was die beiden schon lange Jahre verbindet, ist ihre Schwäche für alte Traktoren. Kennengelernt haben sie sich vor Jahren auf einem Traktortreffen in Oberschefflenz. „Pferdestärken sind Pferdestärken“, schmunzelt Franz Nicola, der Kutscher aus dem Ünglert, der eben auch eine Schwäche für Pferde hat.

Größere Ausfahrt

Normalerweise unternehmen die Traktorfreunde im Sommer immer eine größere Ausfahrt und hängen einen Zirkuswagen, den Albin Jelinek ausgebaut hat, an ihr Gefährt. In diesem Jahr haben sie sich dafür entschieden, eine Kutschfahrt mit dem Planwagen zu unternehmen und Gäste dazu einzuladen.

„Drei bis fünf Stundenkilometer ist aber halt schon was anderes als ein Traktor“, meint Albin Jelinek, während es in schneller Kutschenfahrt durch den Wald geht und kräftig schaukelt.

Durchgeschüttelt werden auch Jan Baier sowie Elke und Pia Autrata, die sich ganz kurzfristig für die Teilnahme entschieden haben und es nicht bereuen. Morgens um 9 Uhr seien sie im Ünglert losgefahren und um 16.15 Uhr in Schlierstadt angekommen. Die Fahrt führte durch Feld und Wald und an wunderschönen Plätzen vorbei. „Bei dem Wetter müssen die Pferde abends auf jeden Fall noch geduscht werden“, zwinkert Franz, der die Zügel jetzt an Jan übergibt.

Edi und Rudi

„Tja, das ist halt schon was anderes als beim Traktor einfach nur den Schlüssel abzuziehen“, so die Einsicht von Albin Jelinek. Dafür ist es aber halt auch einmalig schön. Die Mähnen der beiden Pferde Edi und Rudi wehen im Wind und es riecht herrlich nach Sommer und Wald. Franz Nicola ist glücklich! „Einmal bin ich mit dem Planwagen schon 360 Kilometer am Stück und sogar durch Straßburg gefahren“, erzählt er auf dem Kutschbock. Mit Edi und Rudi klein Problem. Und er sei der absolute Hingucker auf den Straßen der Stadt gewesen, blickt er stolz zurück. Pia ist auch schon zwei Mal in ihrem Leben Kutsche gefahren. Dieses Jahr beim Urlaub in die Lüneburger Heide. Heute darf sie sogar die Zügel selbst in die Hand nehmen. In schneller Fahrt geht es durch den Wald und die Kutsche ist gefährlich nah am Seitenstreifen. „Fährst Du so Kutsche wie Deine Mama Auto?“ fragt Albin Jelinek scherzhaft, aber Pia ist sehr beschäftigt und hat jetzt keine Zeit für Neckereien. Kutscher Franz zeigt ihr, wie es besser geht und übernimmt dann wieder die Zügel. Die Pferde laufen im Galopp und es riecht nach Sommer. Albin Jelinek geht es zu schnell. Er legt lautstark Widerspruch ein. Aber da ist es auch schon passiert: Die Kutsche fährt über einen Dohl, kommt vom Weg ab und steht gefährlich schräg! Albin Jelinek springt herunter und schiebt.

Alle steigen nach dem Schrecken erstmal ab und schauen sich den Schaden an. Die Deichsel ist verbogen. Gemeinsam wird überlegt, wie man das Problem lösen und die Deichsel wieder hinbiegen könnte. „Über dem Lagerfeuer werden wir sie dann wieder richten“, meint Albin Jelinek und zwinkert, als er sich von dem Schreck erholt hat. Jan und Pia tauchen in das Planwagenfahren mit den Pferden ein, packen mit an und lernen die Gepflogenheiten kennen. Nach der Ankunft in Schlierstadt geht es nämlich erst einmal um das Wohl der Pferde. Und sie werden tatsächlich geduscht. Dann gibt es Kaffee und Kuchen auf dem Hof von Albin Jelinek. Der herrliche Ferientag mit der Kutschenfahrt im Planwagen klingt mit einem gemeinsamen Lagerfeuer aus.