Niederstetten

Leserbrief Zu unserem Beitrag "Dem Kindergarten eine Chance geben" vom 1. April über den Naturkindergarten Rinderfeld

Wissentlich am Bedarf vorbeigeplant

Das Kernproblem der mangelnden Auslastung des Kindergartens Rinderfeld liegt sicher nicht am Konzept der Einrichtung oder dessen Umsetzung. Meines Erachtens aber auch nicht an der "Akzeptanz" der Eltern für den Kindergarten, sondern schlicht an der Lage und der kommunalen Kindergartenkonzeption.

Dass der Bedarf an Kindergartenplätzen in der Umgebung von Rinderfeld nicht da ist, zeigt die Tatsache, dass dieser bereits kurz vor der Schließung stand.

Trotzdem hat man den Standort für zirka 95 000 Euro aufgewertet und auf 40 Plätze ausgebaut, in der naiven Hoffnung über die gute Konzeption genügend Eltern bzw. Kinder für den Standort zu gewinnen.

Wir leben in einer ländlichen Gegend und sind es zwangsläufig gewohnt lange Zeit auf dem Weg zur Arbeitsstätte oder in die weiterführende Schule zu verbringen.

Doch das muss nicht bereits im Kindergarten losgehen. Daher nutzen die Eltern aus der Kernstadt Niederstetten offensichtlich ihr Wahlrecht und bringen ihre Kinder lieber in den ebenfalls sehr attraktiven städtischen Kindergarten in Niederstetten.

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist bei einem wohnortnahen Kindergartenplatz meist besser gewährleistet.

Wir als Eltern eines Vorschulkindes sind auch sehr froh, dass unser Kind, nach langer "Überzeugungsarbeit" des Elternbeirats und unsererseits, ihren gewohnten Kindergarten und ihre Gruppe nicht verlassen mussten und ihm die lange Fahrtzeit und die Umgewöhnung erspart wurde.

Um auf die derzeitigen 20 Kinder zu kommen, wurde Oberstetten dem Kindergarten Rinderfeld zugeordnet. 25 bis 30 Minuten Busfahrt sind zwar zumutbar, aber sicher nicht erstrebenswert. Im Gegensatz zur Kernstadt können sich Eltern der weiter entfernten Teilorte das aber leider nicht aussuchen. Selbst wenn Geschwisterkinder in der Kernstadt in den Kindergarten gehen, müssen die Neuanmeldungen aus Oberstetten nach Rinderfeld. Auf Akzeptanz wird in diesen Fällen nicht gesetzt.

In einer ländlichen Gegend wären flächendeckende, eingruppige Kindergärten in den Teilorten als Ergänzung zu einem zentralen Kindergarten mit flexiblen Betreuungszeiten ein Ideal.

Leider ein Konzept, das wohl aus finanziellen Gründen nicht verfolgt wird, was wir in Oberstetten schon vor Jahren lernen mussten, als der örtliche Kindergarten geschlossen wurde.

Hier zu beklagen, dass die Eltern diese Entwicklung nicht akzeptieren und mittragen, sehe ich als eine sehr einseitige Betrachtung an. Schon vor einem Jahr war absehbar und wurde kommuniziert, dass der Ausbau an diesem Standort am eigentlichen Bedarf vorbeigeplant wurde. Trotzdem wurde das Projekt durchgezogen.