Niederstetten

„MINT hoch 4“-Region Südliches Taubertal Gymnasium Weikersheim kooperiert erfolgreich mit den Firmen CeraCon und Data Modul / Derzeit wegen Corona ausgesetzt

Viele verborgene Talente herausgekitzelt

Archivartikel

Wenn Bildungseinrichtungen und Wirtschaft gemeinsame Sache machen, kommt oft etwas Gutes heraus – wie in Weikersheim. So will man dem Fachkräftemangel in der Region begegnen.

Weikersheim. Die „MINT hoch 4“-Region Südliches Taubertal ist – trotz Corona – auf einem guten Weg. Unter Regie der Jugendtechnikschule Taubertal haben sich inzwischen zahlreiche Kooperationen ergeben, aus denen Synergien für impulsgebende Kooperationen entstehen, die eine Bereicherung für eine ganze Region darstellen.

Die Jugendtechnikschule sei in diesem Zusammenhang ein „wertvolles Puzzleteil für die Bildungslandschaft“ – ist immer wieder zu hören. Und für deren Ideengeber Dr. Manfred Wittenstein steht längst fest: „Die langfristige Idee ist die, dass wir mit sehr motivierten jungen Menschen in Kontakt kommen und sie unterstützen, im Laufe ihrer Jugendzeit ein Gespür dafür zu erhalten, wo ihre Stärken liegen, wohin sie sich entwickeln können, um dann sehr viel konzentrierter und motivierter ihren eigenen Lebensweg gehen zu können.“

Großes Interesse

Unter den Zehntklässlern des Gymnasiums Weikersheim gibt es zahlreiche Jungen und Mädchen mit einem großen Interesse an den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, die seit Beginn dieses Schuljahres die Chance hatten, ihre verborgenen Talente in die Waagschale zu werfen, um sich so den Weg zu ebnen, später in einem passenden Beruf Fuß zu fassen – möglichst in der Region. Bei den örtlichen Unternehmen Data Modul und CeraCon bot sich ihnen über mehrere Wochen die Gelegenheit, aktiv am Arbeitsprozess teilzunehmen, sich praktisch einzubringen und schlussendlich etwas Nachhaltiges zu produzieren. Das Besondere: Die Schüler arbeiteten vom Anfang bis zum Schluss, unter professioneller Begleitung, eigenverantwortlich und durften ihre Ideen mit einbringen. Das Resultat wurde von den Fachlehrern bewertet und floss schlussendlich entscheidend in die Benotung mit ein. Aufgrund der Corona-Krise ist diese Erfolgsstory derzeit ausgesetzt und kann bis zum Ende des Schuljahres nicht mehr in Angriff genommen werden. Doch es ist der Wille aller Beteiligten, sofort wieder durchzustarten, wenn es die Rahmenbedingungen zulassen.

Einsatz lohnenswert

Das Projekt entstand in Kooperation der Jugendtechnikschule Taubertal mit den Unternehmen CeraCon und Data Modul, des Gymnasiums sowie der Stadt Weikersheim. Und sehr schnell stand für alle Verantwortliche fest: Der Einsatz lohnt sich, die Schüler sind mit großem Engagement und viel Freude bei der Sache und bringen sich tatkräftig ein. Sämtliche Beteiligte waren positiv angetan – und es gibt bereits Gedanken dahingehend, das Ganze eventuell in der „MINT-hoch 4-Region“, zu der übrigens neben Weikersheim noch Bad Mergentheim, Igersheim und Assamstadt gehören, auszuweiten, vor allem dann, wenn sich weitere Firmen beteiligen.

Das Projekt, das es in dieser Form in der Region erstmals gibt, mutete umfangreich an und verlangte von den Schülern einiges ab – theoretisch wie praktisch. Begriffe wie Oberflächlichkeit und Halbherzigkeit seien hier völlig fehl am Platz, lassen die Fachlehrer des Gymnasiums wissen.

Und wie lief das Ganze ab? Unterm Strich ging es darum, einen Förderer mit anschließender Panel-Bedienung zu bauen. Das Projekt lief das Bisherige Schuljahr über, bis zum Beginn von Corona, in mehreren Gruppen, wobei jede etwa zwölf Wochen tatkräftig im Einsatz war. Im ersten Teil wurden die Schüler ein bis zwei Wochen theoretisch auf das Vorhaben vorbereitet, bevor in den Teilen zwei und drei der praktische Part umgesetzt wurde. Selbiger ging an mehreren Nachmittagen in den bislang beteiligten Firmen CeraCon (mechanische Tätigkeit) und Data Modul (Software- und Automatisierungspart) über die Bühne.

Die praktische Phase Mechanik umfasste hierbei Einblicke in CAD-Konstruktion, Fertigung und Montage sowie Ansteuerung per Relaisschaltung. Und abschließend erfolgte die Programmierung verschiedener Funktionen via Panel, wobei die Ansteuerung per Software umgesetzt wurde.

Christiane Ballas-Mahler, Leiterin des Weikersheimer Gymnasiums, mit ihren Fachlehrern, die Vertreter der beiden beteiligten Unternehmen, Iris Lange-Schmalz von der Jugendtechnikschule und Weikersheims Bürgermeister Klaus Kornberger zeigten sich sehr getan von dem Umstand, dass gemeinsame Sache gemacht werde, mit der letztlich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen würden. So hätten die Schüler eine völlig neue Gelegenheit, praktische Einblicke in die Berufswelt zu erhalten und somit eine Entscheidungshilfe dahingehend zu erhalten, in welche Richtung sie sich in Sachen Ausbildungsstelle orientieren wollen. Darüber hinaus werden ihnen die Welt der Technik begreifbar gemacht, Wissen vertieft und ergänzt, Kreativität und Erfindergeist gefördert und praktische Fähigkeiten vermittelt. Und den Firmen bietet sich die Chance, in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels qualifiziertes Personal aus der Region für die Region zu akquirieren.

Nicht selbstverständlich

Klaus Kornberger bringt es für alle auf den Punkt: „Hier wird ein Engagement an den Tag gelegt, das sicher nicht selbstverständlich ist. Dies ist vor allem möglich, weil die Beteiligten nicht nebeneinander her-, sondern miteinander arbeiten.“ Das Projekt sei eine gute Vorbereitung auf ein späteres Berufsleben und schaffe es, die Jugendlichen zu sensibilisieren. „Es ist schön, dass hierdurch die Nachwuchsgewinnung gefördert wird.“

Alle Kooperationspartner – das ist deutlich zu spüren – zeigten sich nicht nur sehr zufrieden, sondern auch hochmotiviert – und sind bestrebt, das Ganze weiter fortzusetzen. Weitere Mitstreiter in der gesamten „MINT hoch 4“-Region sind ausdrücklich aufgerufen, sich anzuschließen. Denn nach Corona soll es wieder in die Vollen gehen.