Niederstetten

Windkraftanlagen im „Hühnernest“ Der Bau von drei WKAs auf Niederstettener Gemarkung liegt im Zeitplan / Gemeinderat fühlt sich hinters Licht geführt

Verfahren für Nummer 4 in der Schwebe

Archivartikel

Zwischen Rüsselhausen, Pfitzingen und Bronn werden mehrere Windkraftanlagen gebaut. Die Arbeiten sind im Zeitplan – eine Anlage steht bereits vor der Fertigstellung.

Niederstetten. Andere Kommunen haben bereits lange „ihre“ Windparks – und die entsprechenden Kritiker derartiger Projekte. Die Stadt Niederstetten hat nach längeren Vorplanungen im Gewann „Hühnernest“ nordwestlich des Ortsteils Pfitzingen nun ebenfalls einen rechtskräftigen Flächennutzungsplan für die Windkraftnutzung ausgewiesen. In dieser Zone sollten ursprünglich drei Windkraftanlagen mit jeweils 3,3 Megawatt (MW) Leistung entstehen. Aufgrund von Einschränkungen durch den Flugbetrieb der Niederstettener Heeresflieger hat eine Anlage eine Nabenhöhe von 116,5 Metern, während die beiden anderen 137 Meter erreichen.

Heftige Diskussionen gab es im Niederstettener Gemeinderat dann Mitte Juli. Ihm lag überraschend der Antrag auf eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung zu Errichtung und Betrieb einer vierten Windkraftanlage (WKA) im Areal auf Gemarkung Niederstetten-Herrenzimmern vor. Diese zusätzliche WKA sieht eine Nabenhöhe von 137 Metern, einen Rotordurchmesser von 126 Metern und eine Gesamthöhe von 200 Metern sowie eine Nennleistung von 4,0 MW vor.

Benjamin Czernin, stellvertretender Hauptamtsleiter der Stadt Niederstetten, hatte damals erläutert, dass dem Vorhaben eine baurechtliche Genehmigung kaum verweigert werden könne – die zusätzliche Anlage befinde sich innerhalb der ausgewiesenen Windkonzentrationszone, die Entwicklung und Nutzung der Wind- und Wasserenergie gelte es von rechtlicher Seite aus zu unterstützen.

Die Diskussion im Rat entzündete sich vor allem am Umstand, dass der ursprüngliche und frühere Vorhabensträger damals insbesondere zugesagt habe, keine weitere Anlagen errichten zu wollen. Inzwischen gab es einen Betreiberwechsel – und der plant das vierte Objekt direkt auf der westlichen Grenze der Konzentrationszone.

„Der Gemeinderat wurde in dieser Angelegenheit mehrfach hinters Licht geführt und sollte daher ein deutliches Zeichen setzen, dass er gegen diese vierte Anlage ist“, sagte im Juli Stadtrat Ulrich Roth. Auch Rüsselhausens Ortsvorsteherin Annette Schindler protestierte gegen die Aushebelung der ursprünglichen Zusage. Das Ratsgremium legte schließlich bei zehn Nein- und sieben Ja-Stimmen gegen das geplante WKA-Projekt ein Veto ein.

Ob dieses Versagen des Einvernehmens durch den Gemeinderat letztlich Erfolg haben wird, ist fraglich, denn für das Genehmigungsverfahren ist das Landratsamt des Main-Tauber-Kreises zuständig. Und weil das Projekt im Grunde nicht „ablehnungsfähig“ ist, ist es möglich, dass die Ratsentscheidung „kassiert“ wird und auch die vierte Anlage noch gebaut werden kann.

Der Bau der drei Anlagen schreitet aktuell im Zeitplan fort, die „Ostumfahrung“ von Pfitzingen – wegen der Enge der Ortsdurchfahrt war für Transportfahrzeuge abschnittsweise eine Metallplatten-Trasse über Felder verlegt worden – wird bereits wieder zurückgebaut.

Von Seiten des Landratsamts erhielt die Redaktion auf Anfrage folgende aktuelle Stellungnahme: „Die BAGeno Raiffeisen e. G. hat auf den Grundstücken Flst. Nr. 213 der Gemarkung Pfitzingen, Flst. Nr. 412 der Gemarkung Herrenzimmern und Flst. Nr. 472 der Gemarkung Rüsselhausen jeweils eine Windkraftanlage beantragt und die immissionsschutzrechtliche Genehmigung hierfür mit Entscheidung vom 22. Dezember 2016 erhalten. Neuer Betreiber ist die Windpark Niederstetten GmbH & Co. KG.

Inzwischen befindet sich ein Antrag der eno energy GmbH, Dresden, für den Bau einer weiteren Windkraftanlage auf dem Grundstück Flst. Nr. 411 der Gemarkung Herrenzimmern im Genehmigungsverfahren.“ Das Genehmigungsverfahren sei aber noch nicht abgeschlossen, so der Pressesprecher des Landratsamts, Markus Moll. „Die Stadt Niederstetten hat hierzu das erforderliche gemeindliche Einvernehmen nicht erteilt, u. a. da sich die Windkraftanlage nicht vollständig in der im gültigen Flächennutzungsplan ausgewiesenen Konzentrationszone für Windkraftanlagen befindet.“