Niederstetten

Leserbrief Zu „Sonderzug eröffnete Tauberbahn vor 150 Jahren“ (FN 18. Oktober)

Traurig, traurig, dass wir heute noch nicht mitfeiern dürfen

Archivartikel

In diesen Tagen und Wochen wird Jubiläum gefeiert. 150 Jahre Tauberbahn (von Lauda-Königshofen bis Crailsheim) seit Eröffnung vor genau 150 Jahren. Zwischendurch war die Bahn in die Jahre gekommen. Bahnstationen wurden geschlossen. Personal abgebaut. Das Angebot wurde schlechter und die Menschen orientierten sich an den Möglichkeiten des Individualverkehrs. Es war ihnen nicht zu verdenken. Das Angebot des ÖPNV war nicht mehr attraktiv. Insbesondere auf dem Land hat die individuelle Mobilität der Menschen Vorrang gewonnen. Im Jahr 1985 traf es Vorbachzimmern. Der Bahnhaltepunkt wurde vom Land aufgegeben. Ersatzweise installierte man ein besseres Angebot mit Bussen. Über die Jahre hinweg wurden auch hier Einsparmaßnahmen aufgesetzt. Der ÖPNV wurde sozusagen zurückgefahren.

Es gab Jahre, wo man bangen musste, ob die gesamte Bahnstrecke stillgelegt wird. Heute sind wir in einer anderen Zeit angekommen. Land und Bund setzen wieder mehr auf den ÖPNV. Enorme Investitionen in das Zugmaterial in die Bahnhöfe zeigen Wirkung. Es wird wieder attraktiver, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zur Arbeit, zur Schule oder zu einer individuellen Reise aufzubrechen. Somit wird es auch Zeit, Fehler der Vergangenheit wieder zu kitten. Neuen Schwung in der Bahnentwicklung verleiht die aktuelle Klimadebatte. Viele schlaue Köpfe möchten einen Umkehrtrend schaffen, Bahnen und Busse wieder stärken und komfortable Reisemöglichkeiten anbieten. Doch halt! Es scheint, dass man von einem ganzheitlichen Denk- und Lösungsansatz noch weit entfernt ist. Ist die Politik halbherzig unterwegs, fragt man sich.

Konkret auf die Tauberbahn bezogen heißt dies, mit enorm viel Investitionen werden die Bestandshaltepunkte (z.B. Laudenbach oder Igersheim in jüngster Zeit) technisch aufgewertet.

Moderne Züge der Baureihe VT 642 bieten Vorteile wie beispielsweise eine hohe Beschleunigung und die Möglichkeit der Schaffung von Bedarfshaltestellen. Ja, es gibt tolle Möglichkeiten! Und doch, man ziert sich, an bestehende Schienenverbindungen auch wieder die „Kleinen“, die Dörfer im ländlichen Raum unter 500 Einwohner in die Neukonzeption aufzunehmen. Ausreden werden gesucht wie z.B. es gibt keine ausreichenden Fahrzeitreserven zwischen zwei Kreuzungsstellen. Angeblich, so wird argumentiert, ist ein Anschluss des Bahnhaltepunktes vom Land wünschenswert, andererseits bestehen keine aktuellen Möglichkeiten. Will man oder will man nicht?

Die Zeit gebietet, jede Frequenzerhöhung, die sich bietet, für den ÖPNV zu nutzen. Jede Möglichkeit, interessierten Fahrgästen ein attraktives Angebot zu machen anstelle mit dem PKW auch wieder einmal mit Zug oder Bus zu fahren. Die Erfahrung lehrt uns, günstige, niederschwellige, gut zugängliche Angebote, gute und schnelle Verbindungen, komfortables Reisen in modernen Bussen und Zügen, machen es den Menschen leicht, die Angebote anzunehmen und zuzusteigen!

So warten wir, noch geduldig, bis die höhere Einsicht gereift ist und Vorbachzimmern wieder ans Bahnnetz gehen kann.

Traurig, traurig, dass wir heute noch nicht mitfeiern dürfen. Alle reden davon, dass der ländliche Raum gestärkt werden soll. Im konkreten Fall eher eine Worthülse anstatt ernsthaftes Ansinnen. Wird der Landkreis seine kleinen Ortschaften unterstützen?