Niederstetten

Wirtschaft Crailsheimer Engel-Bräu wandert wohl ins benachbarte Bayern ab / Gespräche mit der Stadt Feuchtwangen

Standortsuche führt über die Stadtgrenzen hinaus

Archivartikel

Crailsheim.Die Familie Fach ist „zermürbt“ von der vergeblichen Suche nach neuem Standort für die Engel-Brauerei im Stadtgebiet. Ein Umzug nach Feuchtwangen sei „so gut wie sicher“.

„Wegzug aus Crailsheim so gut wie sicher“ – diese Nachricht der Engel-Brauerei dürfte in Crailsheim eingeschlagen wie die sprichwörtliche Bombe. Auf Nachfrage des Hohenloher Tagblatts bestätigte Mitinhaber Alexander Fach in einer Stellungnahme, dass sich das Unternehmen in einer „benachbarten Kommune“ ein Grundstück hat reservieren lassen. Nach Recherchen des Hohenloher Taglatts handelt es sich um die Stadt Feuchtwangen. Bürgermeister Patrick Ruh bestätigte auf Anfrage, dass es Gespräche mit der Familie Fach gibt. Und ergänzte, dass es der Stadt „eine große Ehre“ wäre, wenn sie die neue Heimat der traditionsreichen Brauerei werden würde.

Schon seit Jahren bemüht sich die Brauerei Engel um einen neuen Standort, weil der bisherige in der Haller Straße keine Weiterentwicklung zulässt. Laut Juniorchef Alexander Fach besteht „dringender Handlungsbedarf“. Doch die Suche nach einem neuen Standort im Stadtgebiet verlief bislang ergebnislos. Zwar hatte die Familie Fach für sich einen neuen gefunden – auf der grünen Wiese bei Saurach –, doch er ist problematisch, weil er ökologisch hochsensibel ist und deshalb in einem geschützten Grünzug liegt. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich auch eine Bürgerinitiative gebildet hatte, deren Ziel es ist, die Ansiedlung zu verhindern. In seiner Stellungnahme hob Alexander Fach hervor, dass man „immens viel Zeit und Aufwand“ in die Suche nach einem neuen Standort gesteckt habe. Auf konkrete Zusagen habe man aber „stets vergeblich gewartet“.

Inzwischen sei die Familie „zermürbt“ von der vergeblichen Suche nach einer neuen Heimat. Vor Wochen habe man ein „letztes Gespräch“ mit der Stadt geführt, doch: „Leider gab es dabei kein Ergebnis.“ Da verwundert es nicht, dass die Familie Fach, nachdem sie sich entschieden hatte, auch außerhalb von Crailsheim nach einer neuen Bleibe zu suchen, sich freute, als sie schnell auf großes Interesse stieß. Das Konzept einer Natur- und Erlebnisbrauerei sei auf „Begeisterung“ gestoßen. Fach wörtlich: „Schon nach kurzer Zeit wurde uns in einer Kommune ein Grundstück angeboten, das unsere Erwartungen voll und ganz erfüllt. Dieses haben wir nun reservieren lassen.“ Der Baubeginn sei „bereits im nächsten Jahr möglich“.

In der Mitteilung geht Fach indirekt auf einen möglichen Standort auf Crailsheimer Gemarkung ein, der insbesondere vom Regierungspräsidium Stuttgart immer wieder ins Spiel gebracht worden ist: das Gewerbegebiet an der Straße von Roßfeld nach Tiefenbach. Ohne es beim Namen zu nennen, schreibt Fach: „Mit Blick auf ein Gewerbegebiet wäre unser nachhaltiges Brauereikonzept ungefähr so glaubhaft und sinnvoll wie ein Bootsverleih, der nicht ans Wasser angrenzt.“

Der Lieblingsstandort der Familie Fach für die neue Brauerei, eine Fläche bei Saurach, wurde vom Regierungspräsidium Stuttgart von Anfang an als „sehr konfliktträchtig und problematisch“ eingestuft. Der Platz liegt in einem regionalen Grünzug und hat wegen seines enormen ökologischen Wertes einen hohen Schutzstatus. Die einzige Möglichkeit, die Brauerei trotzdem dort anzusiedeln, wäre die Durchführung eines so genannten Zielabweichungsverfahrens gewesen. Doch dieses Verfahren beinhaltet, so die Rechtsaufsichtsbehörde, „hohe Hürden“, die nur mit einer „methodisch überzeugenden Standortalternativenprüfung“ überwunden werden können. Eine Untersuchung also, die glaubhaft machen kann, dass letztendlich kein anderer, weniger schützenswerter Standort in Betracht kommt.

Doch zu diesem Verfahren, das von der Stadt zu führen ist, ist es bis heute nicht gekommen. Ein von der Verwaltung im vergangenen Jahr vorgelegter Entwurf wurde vom Regierungspräsidium als unzulänglich eingestuft.

Der Stadt wurde empfohlen, die Antragsunterlagen zu überarbeiten. Seither, so das Regierungspräsidium auf Anfrage, habe sich das Crailsheimer Rathaus nicht mehr an die Behörde gewandt, „weder mit Rückfragen noch mit überarbeiteten Unterlagen“.

Regierungspräsident Wolfgang Reimer legt in diesem Zusammenhang großen Wert auf die Feststellung, dass seine Behörde die Standortsuche, auch was Saurach angeht, „stets wohlwollend“ begleitet habe. Aber an einem Zielabweichungsverfahren führe nun mal kein Weg vorbei. ah