Niederstetten

UFZ-Neubau auf dem ehemaligen Hallenbadgelände Arbeiten sind finanziell und zeitlich im vorgegebenen Rahmen / Beim Rundgang ersten Eindruck verschafft

Ökologische Verträglichkeit stets im Blick

Schritt für Schritt kommt er voran, der 10,9 Millionen-Neubau des Umschulungs- und Fortbildungszentrums (UFZ) auf dem Gelände des ehemaligen Hallenbads in Niederstetten.

Niederstetten. Ende September war Richtfest gefeiert worden und das bedeutet, dass man mit den Bauarbeiten aktuell voll im Zeitrahmen liegt. Der Rohbau, so lautete die Vorgabe, sollte rechtzeitig vor dem Niederstettener Herbstfest fertiggestellt sein, sodass dann mit den Dachdecker-Arbeiten und dem Innenausbau begonnen werden konnte. Diesen Plan hat man voll erfüllt.

„Das Herbstfest hätte stattfinden können“, sagt UFZ-Geschäftsführer Bernd Herschlein bei einer Baustellenbegehung gemeinsam mit den FN und Rüdiger Zibold, dem UFZ-Vorsitzenden und ehemaligen Niederstettener Bürgermeister. Hätte. Denn freilich fiel auch der Niederstettener liebstes Fest der Corona-Pandemie zum Opfer. Großzügig geschnitten und lichtdurchflutet sind die mit Sichtbetonwänden ausgestatteten Räume im neuen UFZ: sie bieten den Schülern und den Maschinen, an denen sie ihr Handwerk lernen, jede Menge Platz.

Es kommt nicht oft vor, dass ein als Verein organisierter Bildungsträger elf Millionen Euro investiert. Das hatte UFZ-Vorsitzender Rüdiger Zibold beim Ersten Spatenstich im Februar dieses Jahres vor vielen Gästen im Kult gesagt (wir berichteten).

Seit fast 50 Jahren hat sich der Verein, der seinen Sitz in Wermutshausen hat, der Fort- und Weiterbildung sowie der Umschulung und überbetrieblichen Ausbildung von Fachkräften der Bereiche Metall und Elektronik verschrieben.

Seit 1971 haben sich 7000 Teilnehmer überbetrieblich ausbilden lassen, 660 weitere ließen sich umschulen. Auch heute ist der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften unverändert hoch.

Auslastung bei 122 Prozent

Schon 2014 war dem Verein klar, dass die in Wermutshausen zur Verfügung stehenden Gebäude nicht mehr ausreichten und eine Erweiterung unumgänglich war. Laut Gutachten lag die Auslastungsquote damals schon bei sagenhaften 121,8 Prozent. Eine bloße Erweiterung am bisherigen Standort, soviel war sicher, würde nicht ausreichen.

Es folgte die lange Suche nach einem Standort. Man benötigte ein ebenes, möglichst gut angebundenes Grundstück mit einer Grundfläche von rund 1400 Quadratmetern.

Die Finanzierung speist sich aus verschiedenen Quellen. Die Stadt Niederstetten gibt 500 000 Euro, der Kreis 750 000 Euro. Auch die am UFZ beteiligten Firmen leisten ihren Beitrag. Doch der Löwenanteil kommt vom Bundesinstitut berufliche Bildung sowie vom Land, genauer vom Wirtschaftsministerium. Schließlich entschied man sich für den Standort auf dem Gelände des ehemaligen Hallenbads zwischen Bildungszentrum und Sporthalle. Mit ausschlaggebend sei gewesen, so Zibold, dass Niederstetten „mitten im Zentrum“ des UFZ-Einzugsgebiets liegt, das sich vom Main-Tauber- über den Hohenlohekreis und den Landkreis Schwäbisch Hall „bis hinüber ins Fränkische“ zieht. Den ausgeschriebenen Architektenwettbewerb gewann das Architekturbüro Schätzler aus München. Nach der Bewilligung des Förderantrags folgte eine intensive Planungsphase, in der UFZ-Geschäftsführer Bernd Herschlein mit dem Ausbilderteam die Planungen konkretisierte. Beim Baustellenrundgang wird deutlich, dass sich der Verein bemüht hat, beim Neubau auf ökologische Gesichtspunkte besonderes Augenmerk zu legen. So ist das Gebäude an die Nahwärmeversorgung angeschlossen: Beheizt wird es über das Blockheizkraftwerk vom Haus des Sports aus. Den aufgrund der zahlreichen Maschinen nicht unerheblichen Strombedarf des neuen UFZ will man durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach decken.

Eine Besonderheit stellt auch die „Cobiax-Hohlkörperdecke“ dar, sagt Rüdiger Zibold. Die Hohlkörper sind Bälle, die aus hundertprozentig recyceltem Kunststoff bestehen. Durch sie werden die Decken erheblich leichter und das ermöglicht es, „größere Strecken zu überspannen, ohne dass man eine Stütze braucht“. Ein enormer Vorteil für die zehn bis dreizehn Meter langen Schulungsräume. Außerdem werden weniger Beton und Stahl benötigt: 230 Tonnen Beton hätten so eingespart werden können und damit beachtliche 20 Tonnen Kohlendioxid.

Fachleute arbeiten Hand in Hand

Bei der Bauleitung arbeiten mehrere Fachleute Hand in Hand. Das Münchner Büro Schätzler hat damit das Würzburger Architekturbüro „Hofmann Keicher Ring Architekten“ beauftragt. Architektin Franziska Popp sei „mehrmals pro Woche vor Ort“, berichtet Zibold. Der vom UFZ beauftragte Architekt Raphael Krups koordiniere darüber hinaus als Projektsteuerer bautechnische Fragen und Abläufe. Sogar fast täglich ist Rüdiger Zibold auf der Baustelle, der als Vereinsvorsitzender Bauherrenaufgaben erledigt.

Unterstützt wird er hierbei nicht nur von Geschäftsführer Bernd Herschlein, sondern auch von einem Bauausschuss, der vom UFZ-Vorstand berufen wurde. Hierzu gehören neben dem ehemaligen UFZ-Geschäftsführer Joseph Schäfer auch der ehemalige Geschäftsführer der Bad Mergentheimer Firma UFT, Dieter Häußler. Diese beraten etwa über Fragen der Farbgestaltung, aber auch über technische Lösungen.

Ausbildertreffen

Während der Bauarbeiten fand auch schon ein Ausbildertreffen der Kundenfirmen statt. Diese dienen nicht nur dem Informationsaustausch, sondern auch, um ganz direkt Anregungen aufzunehmen.

Der Innenausbau hat mit dem Stellen von Trockenbau-Ständerwänden und dem Fenstereinbau begonnen. Zurzeit sind mehrere Firmen mit der Elektroinstallation, dem Estrichlegen, der Aufzugsmontage sowie Heizung- und Sanitärarbeiten beschäftigt.

Die Bauarbeiten werden voraussichtlich im Oktober bzw. November nächsten Jahres beendet sein. Dann kann das neue UFZ seinen Betrieb aufnehmen.