Niederstetten

Regionale Wirtschaft Nach leergekauften Mehl-Regalen kehrt wieder Normalität ein / Privates Backen hat deutlich zugenommen

Mühle läuft aktuell auf Hochtouren

Archivartikel

Nach Klopapier und Nudeln ist in der Corona-Krise Mehl gefragt wieder selten zuvor. Regale in den Supermärkten sind oft leergekauft. Wie sieht es bei den Müllern aus?

Tauberrettersheim. Wir gingen der Frage zum Thema „Mehl“ nach und erkundigten uns bei der Tauberrettersheimer Müller-Mühle. Die Müller-Mühle hat ihren Ursprung bereits im Jahre 1508. 1894 wurde sie von Christian Müller übernommen und wird zurzeit in der dritten Generation von Heinz Müller mit seinen beiden Söhnen Christian und Volker geführt.

Die Mühle wurde 1972 auf vollautomatischen Betrieb umgestellt und vermahlt Roggen und Weizen auch aus kontrolliertem Anbau. „Größten Wert legen wir auf die Qualität des Getreides, das von den Landwirten aus unserer Nachbarschaft im Taubertal und Ochsenfurter Gau geliefert wird“, wie Geschäftsführer Heinz Müller verrät. „Wir stellen fünf verschiedene Typen bei Weizenmehl und vier bei Roggenmehl her, dazu kommen noch verschiedene Vollkornmehle und Backschrote. Anschließend erhalten es die Bäckereien lose oder verpackt, je nach Bedarf.“ Der Antrieb der Mühle erfolgt mit Strom. Die vorhandene Wasserkraft aus der Tauber erzeugt diesen Strom. Den überschüssigen Strom liefert die Mühle in das eigene Ortsnetz.

Wie uns die Queckbronnerin Ulli Förster erklärt, kauft sie zwar schon seit Jahren für ihren Fünfpersonenhaushalt regelmäßig ihr Mehl in ihrer Geburtsgemeinde Tauberrettersheim, doch die Corona-Krise verleitet sie dazu, in der doch etwas mehr zur Verfügung stehenden Zeit alte Gewohnheiten wieder aufleben zu lassen. Dazu gehört auch das Backen von Brot und Kuchen.

„Es macht sehr viel Spaß“, erzählt sie freudestrahlend. Dies konnte Christian Müller, der für die Mehlsparte der Mühle zuständig ist, voll und ganz bestätigen. Er verriet uns, dass der Umsatz bei Kleinpackungen um rund 120 Prozent gegenüber den stärksten Jahresumsatzmonat Dezember gestiegen ist. Die Verbraucher hatten einfach zu Beginn der Corona Krise etwas Angst.

Der Umsatz gegenüber den Bäckereien blieb allerdings konstant. Bei den benötigten Verpackungen gab’s bisher zu keiner Zeit Probleme. Die Getreidelager sind im Gegensatz zu den Regalen im Supermarkt voll.

Preise blieben konstant

Seniorchef Heinz ergänzt, dass auch die Preise konstant geblieben sind. Seine Mühle laufe zurzeit allerdings auf Hochtouren, vor allem beim Abpacken der zeitintensiven Kleinpackungen. Aber die aktuelle Dürre kann laut Volker Müller Auswirkungen auf die anstehende Ernte haben. Das Getreide könne sich nicht richtig entwickeln, denn die Ähren wachsen nicht wie gewünscht, weil die Feuchtigkeit fehlt. Den vermutlichen Ausfall wollte der Fachmann noch nicht beziffern, dieser könnte aber schnell zwanzig Prozent betragen. Als Berg- und Talfahrt bezeichnete Bäckermeister Lothar Schmitt die letzten zwei Monate in seinen drei Verkaufsläden und Cafés.

In den ersten beiden Wochen kam es zu wahren Hamsterkäufen, der Umsatz stieg rasant an, um jetzt in den letzten Tagen wieder um rund fünfzehn Prozent unter den Wert des durchschnittlichen Verkaufs zu fallen. Dafür sei aber der der Kleinbackwaren deutlich gestiegen. Er sieht die Gründe darin, dass viel Menschen ausgiebig frühstücken weil sie Homeoffice machen und auch die Kinder zuhause sind. Mit seinen Mehllieferanten hatte er keine Probleme.

Dabei ergänzt er, dass es laut dem Fachgroßhandel Bäko eigentlich auch gar keinen „Hefeengpass“ gegeben habe, nur die Lieferung der bedruckten Verpackungen – aus China – blieb aus und es konnte dadurch nichts ausgeliefert werden. Wie bei Klopapier und Nudeln werde sich auch dies alles wieder einpendeln.