Niederstetten

Feierstunde 40 Monate Sanierung zelebriert / Julius Echter Stift soll Öffentlichkeit für Seminare, Musik- und Kulturveranstaltungen zur Verfügung stehen

„Leuchtturmprojekt“ wurde eingeweiht

Archivartikel

Was lange währt, wird endlich gut. Nach acht Jahren Sanierung wurde das Julius Echter Stift nun offiziell eingeweiht.

Röttingen. Im Beisein von Familie, Freunden, Stadträten sowie politischer Prominenz wurde nach gut vierzigmonatiger Sanierung das Röttinger Julius Echter Stift bei einer Einweihungsandacht in der Stiftskirche von Pfarrer Gerhard Hanft eingeweiht. In seiner Begrüßung ließ Andreas Rippberger zunächst die letzten acht Jahre Revue passieren und erinnerte an die anfängliche Skepsis seiner Frau gegenüber der Sanierung des Anwesens.

„Mut und Ausdauer“

Von Herzen kam sein anschließendes Dankeschön für die außergewöhnliche Unterstützung durch die Röttinger Verwaltung. Ehemaliger Bürgermeister Martin Umscheid bedankte sich für den Mut und die Ausdauer der neuen Eigentümer bei der Umsetzung ihrer Vision. Bürgermeister Hermann Gabel zeigte sich in seinem Grußwort sehr erfreut, dass in einem der markantesten Gebäude Röttingens nun neues Leben einzieht und nicht nur eine private, sondern auch teilweise öffentliche Nutzung erfolgt.

Landrat Thomas Ebert gefiel es sehr, dass hier Steuergelder sinnvoll eingesetzt wurden und anhand dieses „Leuchtturmprojekts“ Zeitzeugen der Geschichte erhalten bleiben. Dabei dankte und lobte er den Mut, solche Träume umzusetzen. Die Geschichte des Röttinger Julius Echter Stifts führt bis ins späte Mittelalter zurück. Im Jahr 1415 wurde es anlässlich einer Stiftung des Truchsess von Baldersheim erwähnt. 1613 beschloss Fürstbischof Julius Echter, das Spital in seiner heutigen Form von Grund auf neubauen zu lassen.

Spital und Altenheim bis 2007

Erst im Mai 2007 endete seine Geschichte als Spital und Altenheim, als es die Stadt Röttingen erwarb. Über die anschließende Nutzung hatte es viele Überlegungen gegeben. Meist scheiterte es an einer Finanzierung. Nach jahrelangen Verhandlungen hat im Dezember 2015 das Ehepaar Andreas und Patricia Rippberger das ehrwürdige Anwesen inklusive der Stiftskirche und der angrenzenden Stadtmühle privat erworben. Lange hat der 55-jährige Betriebswirt, der in Deutschland, Frankreich und der Schweiz auch Marketing/Management studiert hat, an einem Nutzungskonzept gearbeitet. War ihm doch klar, dass dieses Objekt niemals eine Rendite abwerfen kann, sondern ein reines Liebhaberprojekt sein wird. Neben der privaten Wohnung im Obergeschoss soll das Stift wieder teilweise öffentlich genutzt werden können. Seminare, Musik- und Kulturveranstaltungen können im Erdgeschoss stattfinden.

Die Stiftskirche will der neue Eigentümer als sakralen Raum erhalten, aber durch kulturelle Veranstaltungen stärker beleben als bisher. Motiviert wurden die Rippbergers durch die Behörden, die die Sanierung und den Umbau- sowie die Nutzungspläne von Beginn an sehr positiv aufgenommen haben und durch die Städtebauförderung unterstützten. Auch in der Röttinger Bevölkerung fand das neue Investorenehepaar mit seinen zwei erwachsenen Kindern große Zustimmung, suchten sie doch vom ersten Tag an den Dialog mit den Menschen. Röttingen sei eine Perle im Taubertal, die kaum einer kennt, da sie noch nicht richtig herausgeputzt ist. Mit diesen Worten begründete Andreas Rippberger, der seit 2000 Dozent und Projektleiter der St. Galler Business School sowie der Management Academy St. Gallen beziehungswiese seit 2003 Direktor Consulting (Beratung) ist, vom ersten Tag an sein Engagement im Taubertalstädtchen.

Mehrere Millionen an Kosten

Zu den mehreren Millionen teuren Sanierungsarbeiten zählte der Umbau des Obergeschosses zur privaten Nutzung. Das Erdgeschoss soll mit seinem großzügigen Julius Echter Zimmer künftig zusammen mit der Kirche für Ausstellungen künstlerischer und kultureller Art und für kleinere Feste genutzt werden. Die Außenfassade des Renaissancebaus hat sich kaum verändert, lediglich die Farbe ist anders und es wurden zusätzliche Dachgauben erstellt. Die Stadtmühle blieb während dieser Zeit außen vor und soll erst in einem weiteren Bauabschnitt restauriert werden. Die kommenden geschäftlichen, gesellschaftlichen und künstlerischen Aufgaben haben sie gleichmäßig verteilt. Patricia Rippberger, die selbst künstlerisch tätig ist, kümmert sich dabei überwiegend um die Themen Kunst und Kultur.

Andres Rippberger wird wie in den letzten zwanzig Jahren als Unternehmensberater sehr viel bei seinen Firmenkunden im In- und Ausland unterwegs sein.

Er plant aber auch, seine Kunden ins Taubertal zu holen, um hier zu arbeiten. Ein Hauptanliegen von Rippberger und seinem langjährigen Geschäftsfreund Dr. Manfred Wittenstein (Wittenstein SE in Harthausen) – der erst im Dezember 2019 in Röttingen den doch sehr maroden Fränkischen Hof erworben hat – ist, in Röttingen ein Zentrum für Kunst/Kultur, Wissenschaft/Wirtschaft und Medien aufzubauen. Es sollen Tagungen und Seminare stattfinden, die einen gesellschaftlichen Beitrag auch über die Region hinaus leisten.

„Wir wollen dabei Röttingen und die Region beleben und ins Gespräch bringen.“ Beide zeigten sich sehr zuversichtlich, dass ihnen dies auch gelingen wird.