Niederstetten

Fotoausstellung im Club w 71 Gleich zwei Bürgermeister-Stellvertreter bei Eröffnung / Einmal mehr Fundstücke, die nachhaltigen Eindruck hinterlassen

„Keine Kärwe ohne Kirche“: Altes Fest mit Zwillingscharakter

Archivartikel

Weikersheim.Mit Norbert Beck und Hildegard Buchwitz-Schmidt hatte Bürgermeister Klaus Kornberger – selbst parallel im Einsatz bei der Begrüßung von fern angereister Kärwegäste – gleich zwei seiner Stellvertreter zur Eröffnung der Fotoausstellung im Club w 71 entsendet. Schließlich feiert das Weikersheimer Hochfest heuer ein Jubiläum, das es ohne die 600-jährige Geschichte der Georgskirche nicht geben würde.

Im weiten Umkreis kenne er kein weiteres Fest, das Städte seit weit über 20 Generationen Jahr für Jahr feiern, betonte Beck, der als erster stellvertretender Bürgermeister bereits mehrere der traditionellen Kärwe-Fotoausstellungen im Club w 71 eröffnet hat.

Der bekennende Fan der Kärwe-Fotoausstellungen blickte zurück auf die Geschichte der derzeit von Sanierungsgerüsten ummantelten Kirche. Auch frühere Generationen nahmen sich der Erhaltung des Stadtbild prägenden Bauwerks an: Nach der Reformation wurde der Innenraum um Kanzel und zwei Emporen ergänzt. Um 1600 entstand der achteckige Westturm, der nach der großen Renovierung von 1714 um 1800 die heutigen Gestalt bekam. Anlässlich des 1100-jährigen Stadtjubiläums erfolgte 1934 eine weitere große Renovierung.

Einstimmig, so betonte er, habe der Gemeinderat beschlossen, die aktuellen Arbeiten zu unterstützen, denn eine Kirchensanierung sei ebenso wie der Bau – seinerzeit unter anderem durch Ablasshandel finanziert – teuer. Den wird man wohl nicht wieder einführen, insbesondere nicht in einer evangelischen Kirche, aber eine weitere Finanzspritze könne der Sanierung nur nützen, warf Dekanin Renate Meixner augenzwinkernd ein.

Zentrale Kontaktstelle

Hildegard Buchwitz-Schmidt, erst jüngst zur Bürgermeister-Stellvertreterin gekürt, ist von Jahr zu Jahr gespannt aufs heuer naheliegende Thema der Kärwe-Ausstellungen. Bei der Weikersheimer Kärwe und im Club genießt sie vor allem, dass hier viele Kontakte wiederbelebt werden, etwa zu ehemaligen Schulkameraden, die ihre Lebenswege bis nach Amerika führten. Man tauscht Erinnerungen aus, gibt sie weiter auch an Kinder und Enkelkinder.

Dekanin Meixner freut sich, dass in diesem Jubiläumsjahr der fast schon verloren gegangene Bezug zwischen Kirche und Kärwe wieder deutlich wird. Sie hatte eigentlich gehofft, dass sich die Kirche zur Jubiläumskärwe bereits ohne Gerüst präsentieren würde.

Jetzt stand sie in der Ausstellung vor alten Aufnahmen, die die Kirche ebenfalls eingerüstet zeigen. „Unglaublich, wie sich die Bilder gleichen,“ staunte sie. Die Rückschau gebe Mut und Impulse für heute und morgen.

Robert Schuler, der seit 2002 die Ausstellungen federführend gestaltet, dankte den Leihgebern und Helfern für die Unterstützung bei dieser Ausstellung, die es den Machern nicht leicht machte. Die Kirche handhabte die Vergabe von Fotorechten im Innenraum und insbesondere während der Gottesdienste restriktiv.

Die Bildausbeute fiel zunächst quantitativ entsprechend mager aus. Dafür sind teilweise exzellente historische Aufnahmen unter den Fundstücken, die nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Da gibt es etwa das Bild des kleinen Jungen neben der offen am Boden liegenden Turmzier, das Foto der auf dem Marktplatz stehenden Glocken, den vom Turm aus aufgenommenen Blick über die Weikersheimer Dachlandschaft und natürlich das faszinierende Bild des Georgskirchen-Umzugswagens vorm Original.

Schuler ist als fast unmittelbarer Nachbar der auch dem Heiligen Blut geweihten Georgskirche – für ihn immer die „Stadtkirche“ – aufgewachsen mit dem lauten Glockenklang, den Dohlen und den immer wieder vom Kirchendach herabfallenden Ziegeln. Oft hat er miterlebt, wie Hochzeitspaare und Trauerzüge über die Kirchenstufen schritten, wie sich Konfirmationsjubilare auf der Treppe fürs Erinnerungsfoto aufstellten. Warum dagegen die Aufnahmen der Konfirmanden meist auf der Schlosstreppe entstanden, ist ihm bis heute ein Rätsel geblieben. Die Kirchenaufnahmen ergänzte das Ausstellungsteam um Kärwebilder vom Kinderumzug über Festplatzaufnahmen, von der Viehprämierung bis zum Festumzug – darunter auch eine Aufnahme, die schon aufs in zwei Jahren anstehende 50-jährige Bestehen des Clubs w 71 verweist. Da forderte die Weikersheimer Jugend ihr eigenes Dach überm Kopf und legte damit den Grundstein für dem heutigen Ausstellungsraum.

Bis spät in den Abend schwirrten Erinnerungen durch den Raum. Den Machern ist wieder zur gekonnten Präsentation und Zusammenstellung zu gratulieren – und dazu, dass es ihnen auch in diesem Jahr wieder gelang, ein sehr breites Publikum anzusprechen und die lokale Erinnerungskultur mit faszinierenden Details zu bereichern.