Niederstetten

Gott hat keine Radarfalle

Archivartikel

Wer durch Bad Mergentheim und Umgebung mit dem Auto fährt, muss ganz schön aufpassen. Denn es gibt viele fest installierte Blitzer, die uns dazu bringen möchten, die Geschwindigkeit einzuhalten. Neulich gab es außerdem noch eine mobile Radarfalle, die ich aber, Gott sei Dank, vorher entdeckte und – trotz der richtigen Geschwindigkeit – spontan ein schlechtes Gewissen bekam, das mich gleich fragte: Fährst du mit der angemessenen Geschwindigkeit?

Genauso meldet sich das schlechte Gewissen, wenn die Polizei Kontrollen macht und ich eigentlich gar keine Angst haben müsste, weil ich nichts getrunken habe. Trotzdem reagiere ich und frage ich mich selbst: Hast du den Führerschein dabei? Bist du auch ordentlich angeschnallt? Ist alles am Auto okay? Eine Erfahrung, die andere mit mir teilen. Radarfallen und Kontrollen wecken das Gewissen und sofort fragt man sich: Du hast doch nichts falsch gemacht?

Manche Menschen glauben, dass Gott ganz ähnlich ist.

Jemand, der dauernd kontrolliert, Strafzettel verteilt oder gar ein Punktekonto hat, das sich nicht nach ein paar Jahren automatisch wieder löscht, sondern alles bis zum Lebensende ansammelt.

Die Bibel erzählt da etwas ganz Anderes. In vielen Geschichten wird gezeigt, dass Jesus gerade „auf frischer Tat Ertappte“ nicht gleich verurteilt, wie es ihre Zeitgenossen gern getan hätten, damit alles seine Ordnung hat. Jesus geht anders auf Menschen zu. Er schenkt zunächst einmal Annahme und Liebe. Und durch die Begegnung mit Jesus ist es ihnen dann möglich, begangenes Unrecht wieder gut zu machen oder ihr Leben zu ändern, weil sie voller Freude sind, dass da jemand ist, der sie nicht verurteilt hat. Die Begegnung mit Gott sollte also in erster Linie Freude wecken und nicht von schlechtem Gewissen geprägt sein. Ein Grund für uns Christen, unseren Glauben mit Freude zu leben. Und: Freude strahlt aus, steckt andere an und macht die Welt ein bisschen hoffnungsvoller. Und gerade das brauchen wir in dieser Welt doch zurzeit am meisten. Deshalb danke ich Gott bei so alltäglichen Dingen wie einer Radarfalle ganz spontan dafür, dass ER ganz anders ist!

Schwester Kathrin Prenzel, Kur- und Rehaklinikseelsorge Stadtkloster Maria Hilf