Niederstetten

Haus der Geschichte Deutsche Siedlungen in Bessarabien

„Fromme und tüchtige Leute“

Archivartikel

Dinkelsbühl.Unter dem Titel „Fromme und tüchtige Leute … Die deutschen Siedlungen in Bessarabien (1814 – 1940)“ steht eine Ausstellung vom 6. Oktober bis 8. November im Dinkelsbühler Haus der Geschichte. Mit der Osterweiterung der EU und den politischen Umbrüchen in der Ukraine hat sich der Blick Richtung Südosteuropa geschärft. Die Ausstellung „Fromme und tüchtige Leute“ will daher den Fokus darauf richten.

Bessarabien gehört heute teils zur Ukraine, teils zur Republik Moldau. In beiden Ländern stößt die Wiederentdeckung der verschütteten Geschichte, darunter auch die der deutschen Minderheit, auf großes Interesse, wie die beiden Kuratoren Dr. Ute Schmidt und Professor Dr. Ulrich Baehr erläutern.

1812 lud Zar Alexander I. deutsche Siedler ein, sich in Bessarabien niederzulassen, und versprach Land und Freiheitsrechte. Die Einwanderer stammten überwiegend aus Südwestdeutschland und aus Preußen. Im Laufe der 125-jährigen Siedlungsgeschichte entwickelten die Deutschen hier ein prosperierendes Gemeinwesen, das durch lokale Autonomie und eine religiös-pietistisch grundierte Ethik geprägt war. Als Minderheit in einer bunten Vielfalt ethnischer und religiöser Gemeinschaften lebten sie mit Moldauern, Russen, Ukrainern, Bulgaren, Juden und anderen Gruppen in friedlicher Nachbarschaft.

Während des Ersten Weltkriegs entgingen sie nur knapp der Deportation. 1918 kam Bessarabien unter rumänische Oberhoheit. 1940 wurde als Folge des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes 93 500 Deutsche aus Bessarabien aus- und 1941/42 größtenteils im besetzten Polen angesiedelt. Anfang 1945 mussten sie von dort flüchten und sich im geteilten Deutschland eine neue Existenz schaffen.

Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 5. Oktober um 17 Uhr.