Niederstetten

Corona-Krise Falk Ködel ist Leiter des Kreis-Verbindungs-Kommandos (KVK) und führt eine zwölf Mann starke Spezialistengruppe

Bundeswehr steht für Amtshilfe bereit

Bei der Bundeswehr steht momentan die Zivil-Militärische-Zusammenarbeit ganz oben auf der Tagesordnung. Die Truppe rüstet sich für Hilfeleistungen.

Main-Tauber-Kreis. Durch die Corona-Krise tritt die Zivil-Militärische Zusammenarbeit in den Fokus. Die Bundeswehr hat für Hilfeleistungen eine eigene territoriale Wehrorganisation. Diese arbeitet mit den Landesregierungen und den untergeordneten Behörden zusammen, sie reicht bis in die Landkreise hinein. Auch im Main-Tauber-Kreis gibt es ein Kreis-Verbindungs-Kommando (KVK), das in solchen Fällen zum Einsatz kommen kann.

Bei der Truppe ist in diesen Zeiten auch nichts mehr so, wie es noch vor wenigen Tagen war. Einerseits treten wie in der restlichen Bevölkerung auch, Infektions- und Verdachtsfälle auf, andererseits muss die Arbeits- und Einsatzbereitschaft der Streitkräfte erhalten bleiben. Prominentester Betroffener ist der Inspekteur des Heeres, der seine 63 500 Soldaten momentan vom Homeoffice aus, in häuslicher Isolation, führt.

Tagesbefehl

General Eberhard Zorn, Generalinspekteur und oberster Soldat der Bundeswehr, hat in seinem aktuellen Tagesbefehl die Truppe auf die kommende Zeit eingeschworen. „Auch unter den besonderen Bedingungen der Covid-19-Lage müssen und werden wir unsere Kernaufgaben erfüllen“, heißt es darin.

Darüber hinaus richtet man sich bei der Truppe auf die Unterstützung von Behörden, Ländern und Kommunen ein.

Auch in Baden-Württemberg und im Main-Tauber-Kreis kann die Bundeswehr um Unterstützung angefragt werden, wenn die zivilen Hilfsorganisationen an der Leistungsgrenze sind.

Ausnahmesituation

Bisher wurde eine solche Hilfeleistung meist im Fall einer Naturkatastrophe geleistet, wie etwa Hochwasser oder Waldbrand. Was jetzt kommen könnte, betrifft hauptsächlich die sanitätsdienstliche Unterstützung, und kann weit über einen Landkreis hinausgehen. Eine noch nie dagewesene Ausnahmesituation.

Bekanntestes Beispiel für eine geplante Hilfeleistung ist aktuell die Unterstützung beim Aufbau eines 1000-Betten-Krankenhauses auf dem Berliner Messegelände. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr ist stark gefordert. Zur Unterstützung des medizinischen Personals werden bundesweit Reservistinnen und Reservisten mit medizinisch/pflegerischer Berufsausbildung gesucht. Über 700 haben sich innerhalb kürzester Zeit gemeldet, bei über 300 ist die Einberufung bereits ausgesprochen. Die fünf Bundeswehrkrankenhäuser vergrößern zudem ihre Aufnahmekapazitäten und die Möglichkeiten zur intensivmedizinischen Behandlung. Diese Bundeswehrkrankenhäuser stehen allen Bürgern offen.

In der Fachsprache spricht man von Amtshilfe, wenn die Bundeswehr zivile Unterstützungsleistung bereitstellt. Unser Reporter unterhielt sich mit Vertretern des Landeskommandos, aber auch mit dem Chef des Kreis-Verbindungs-Kommandos (KVK) für den Main-Tauber-Kreis. Tritt in einem Landkreis der Krisenstab zusammen, ist der Leiter des KVK direkter Ansprechpartner und militärischer Berater des Landrats für Unterstützungsleistungen durch die Bundeswehr.

Im Main-Tauber-Kreis ist Oberstleutnant der Reserve Falk Ködel aus Tauberbischofsheim für diese Aufgabe verantwortlich. Er ist seit Anfang des Jahres Leiter des KVK und führt eine zwölf Mann starke Spezialistengruppe. Alles Reservisten aus dem Landkreis. Im Zivilberuf ist er Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. „Wir sind neben Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und den anderen Rettungsorganisationen fester Bestandteil im Führungsstab des Main-Tauber-Kreises“, beschreibt er seine Aufgaben. „Wir beraten den Landrat und den Führungsstab und führen im Falle einer Amtshilfe durch die Bundeswehr die Lagekarte“.

„Bewaffnet“ sind die Soldaten des KVK nur mit Laptop und Mobiltelefon, damit halten sie Verbindung zum Landeskommando Baden-Württemberg in Stuttgart. Dort steigt in diesen Tagen die Anspannung.

„Unser Lagezentrum ist im erweiterten Tagesdienst besetzt, und durch den Offizier der Führungsbereitschaft auch rund um die Uhr und am Wochenende erreichbar. Kommt ein Hilfeleistungsantrag aus dem Staatsministerium, den Regierungspräsidien oder Landkreisen herein, wird dieser durch das Landeskommando geprüft und bewertet und mit einer Empfehlung zur Entscheidung an das Kommando „Territoriale Aufgaben der Bundeswehr“ weitergeleitet“, erklärt Oberstleutnant Markus Kirchenbauer, der Sprecher des Landeskommandos BW, gegenüber unserer Zeitung.

Inzwischen ist auch der erste Hilfeleistungsantrag aus einem baden-württembergischen Landkreis eingegangen. Dabei geht es um Unterstützung durch medizinisches Personal und Material, wie etwa Beatmungsgeräte.