Niederstetten

Innenentwicklung der Niederstettener Kernstadt Vier erste Entwicklungsareale vorgestellt / Rege Mitwirkung der Niederstettener ist erforderlich

Bürger wünschen sich mehr Leben

Archivartikel

Eine lebendige Innenstadt mit Geschäften, Gastronomie, Orten der Begegnung und mit Grünräumen für Freizeit und Sport, das wünschen sich die Niederstettener laut einer Online-Umfrage.

Niederstetten. Zugegeben: Repräsentativ war sie nicht, die Befragung der Bürger, denn nur etwas mehr als 100 beteiligten sich an der Spontanabfrage im Rahmen der jüngsten Gemeinderatssitzung am Mittwochabend in der Alten Turnhalle. Doch, mal ehrlich: welcher Bürger wünscht sich keine belebte Innenstadt mit florierenden Geschäften?

Damit es nicht beim Träumen bleibt, hatte die Stadt ein Gutachten beim Stuttgarter Büro „Schreiberplan“ in Auftrag gegeben, wo Stadtplanerinnen und Landschaftsarchitektinnen kreative Konzepte entwickeln.

Für das Dilemma, in dem viele Städte heutzutage stecken, wählten Irene Sperl-Schreiber und Natalie Maierhofer ein anschauliches Bild: Sie hätten sich seit den 50er Jahren immer mehr zu einem Donut entwickelt, also jenem ringförmigen süßen Gebäck, dem die Mitte fehlt. Einwohner, Gewerbe und Handel hätten sich ins nähere und weitere Umland verlagert, die Stadtkerne verödeten immer mehr.

Auch in Niederstetten bestimmen leer stehende Geschäfte und Wohngebäude, baufällige Häuser oder Baulücken, wenig belebte Plätze und ungenutzte Grünflächen das Bild. Kein Wunder, so die Fachfrauen, dass die Zahl der Einwohner bei einer eher unattraktiven Infrastruktur stagniere oder sogar sinke. Um trotzdem junge Leute zum Bleiben zu bewegen, würde die Stadt mit hohem finanziellen Aufwand immer neue Baugebiete ausweisen. Und damit den Trend noch verstärken. Ziel der Innenentwicklung sei, aus dem Donut wieder einen „Krapfen mit gefüllter Mitte“ zu machen. Das ginge nur, wenn man im Stadtkern „zeitgemäßes Wohnen“ möglich mache, etwa indem man Grundstücke zusammenlegt, Lücken schließt und bestehende Gebäude aufstockt und erweitert, damit sie den heutigen Standards genügen.

Daneben müsse man sich auch um die Aufwertung und Nutzung von Freiräumen und -flächen bemühen, sprich: eine „lebendige Mitte“ schaffen, „wo auf den Plätzen und Straßen immer was los ist“. Konkret hatten die Stadtplanerinnen gemeinsam mit dem Gemeinderat bei dessen Klausurtagung fürs Erste vier „Projektideen für die nähere Zukunft“ (siehe Bild) ins Auge gefasst. Neben der Langen Gasse 17 (ehemals Ein-Euro-Shop Nörr) und dem so genannten „Quartier Römergasse“ (das Areal hinter dem ehemaligen Gasthaus „Alte Post“), sind das das ehemalige Gasthaus „Zum Hirschen“ und die Gebäude in der Wermutshäuser Straße 5 bis 7.

So präferiert der Gemeinderat für die Lange Gasse etwa den Neubau von zwei Wohngebäuden mit Tiefgaragenplätzen und neuer Freiraumgestaltung, für den Platz hinter der Alten Post den Abriss von Schuppen und Garagen, um neuen Wohnraum sowie Geschäfte – etwa ein kleiner Drogeriemarkt – anzusiedeln. Die Anordnung der Parkplätze solle einem Gestaltungsplan folgen.

Wie die Neugestaltung des Hirschen aussehen könnte, steht nach der geplanten Rückgabe des Förderbescheids (siehe Artikel unten) noch in den Sternen. Hier hatte der Gemeinderat in seiner Klausursitzung im Februar die Sanierung des ehemaligen Gasthauses zur Umnutzung als Bürgercafé mit Heimatmuseum bevorzugt. Gleichzeitig wurde der Neubau von Seniorenwohnungen bzw. einer einfachen Pension für Gruppen (Radler, Schulklassen) ins Auge gefasst.

Für die Gebäude in der Wermutshäuser Straße wünscht sich der Gemeinderat neue Wohngebäude in Winkelform und die Aufwertung der privaten Freibereiche.

Jetzt müssen Eigentümer und Investoren angesprochen werden, der Zwischenerwerb von Grundstücken erfolgen und Kosten kalkuliert werden. Wichtigster Punkt sei allerdings die Einbeziehung der Bürger durch Projektgruppen, Sammeln von Projektideen und die Vermittlung zwischen Interessierten.