Neckar-Odenwald

Mahnfeuer im Neckar-Odenwald-Kreis Initiative „Land schafft Verbindung“ machte unter anderem beim Schlempertshof auf die Lage der Landwirte aufmerksam

Zündende Solidarität mit den Demonstranten

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.„Wir fordern den Erhalt der landwirtschaftlichen Vielfalt, gleiche Standards für heimische und importierte Lebensmittel, einheitliche Messmethoden in der ganzen EU und gut sichtbare Herkunfts- und Qualitätsnachweise auf allen Lebensmittelverpackungen“: Jakob Haas (Mudau-Scheidental) als Pressesprecher der Bewegung „Land schafft Verbindung“ bringt die Ideale auf den Punkt, denen am Dienstag mit dem Mahnfeuer auf dem Schlempertshof „zündender“ Nachdruck verliehen wurde.

Überwiegend junge Landwirte

Organisiert hatte er das Feuer mit Zusammenkunft zahlreicher vorwiegend junger Landwirte und angehender Landwirte aus Neckar-Odenwald- und Main-Tauber-Kreis gemeinsam mit Frieder Blum, Kevin Kuhn und Dominik Frank. „Hintergrund war, dass wir uns eine eigene Zukunft im Bereich der Landwirtschaft erhoffen und mit dem Mahnfeuer auf die ernste Lage aufmerksam machen wollen“, berichtet Haas. Die Idee zum Mahnfeuer an jenem Standort habe sich indes als „Schnellschuss“ verstanden.

Schnelle Umsetzung

„Vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung vergingen keine 24 Stunden, wobei uns die sozialen Medien hier sehr hilfreich waren“, fährt er fort und erklärt, dass die Initiative „Land schafft Verbindung“ erst im Oktober als Zusammenschluss acht norddeutscher Landwirte entstand und „den Nerv der Bauern landauf landab trifft“, um einen Gegenpol zum weit verbreiteten „Bauernbashing“ und dem Schüren diverser Vorurteile zu schaffen.

Ferner müsse die Landesregierung „Bürokratieabbau nicht nur predigen, sondern leben“. Ebenso plädiere man für ein Mitspracherecht bei zukünftigen Freihandelsabkommen, die auch die Landwirtschaft betreffen. Gefordert wird auch eine Abänderung des Agrarpakets unter objektiver Abwägung ökonomischer, ökologischer und sozialer Gesichtspunkte.

Nachdem zunächst nur die große Demonstration in Berlin geplant gewesen sei, habe man sich untereinander ausgetauscht und die Mahnfeuer vor Ort angezündet – so auch auf dem Schlempertshof. „Es ist uns wichtig, die Demonstranten zu unterstützen und auf diesem Wege unsere Solidarität mit ihnen zu bekunden“, fasst Jakob Haas, dessen Vater einen Hof mit rund 160 Kühen und Biogasanlage betreibt, die Intention zusammen.

Das blieb auch Andreas Sigmund als Geschäftsführer des Bauernverbands Neckar-Odenwald nicht verborgen: Im Laufe des Abends informierte er sich vor Ort über das Feuer und vor allem die dazu führenden Beweggründe. Und auch bei „älteren“ Landwirten stößt der Plan durchaus auf Zustimmung, wie Benno Sans (Altheim) schildert. „Es wäre zu wünschen, dass der großartige Zusammenhalt der jungen Leute nicht nur anhält, sondern auch die gesamte Landwirtschaft ereilt und das wichtige politische Umdenken bewirkt“, betont er.

Eigendynamik entwickelt

Mit welcher Eigendynamik die Initiative „Land schafft Zukunft“ im Neckar-Odenwald-Kreis ihre Gedanken verfolgt, wurde zur selben Zeit noch in Schefflenz und Aglasterhausen verdeutlicht. Auch dort loderten am Dienstagabend die Mahnfeuer durch die Nacht. Auch im übertragenen Sinne: Einem gewissen „Zunder“ kann auch das grundsätzliche Thema des „Bauernbashings“ nicht entbehren – die allerorten zu sehenden „grünen Kreuze“ sind erst der Anfang. ad

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