Neckar-Odenwald

Wir sind getragen

Archivartikel

In den letzten Wochen und Monaten haben wir vieles ertragen müssen. Wir haben die Belastungen der Coronazeit getragen und tragen auch weiterhin durch Einhalten der Hygieneregeln und das Abstandhalten dazu bei, dass die Gesundheit geschützt bleibt. Manches mussten wir durchtragen und aushalten. Vieles ist noch ungewiss. Was wird in den nächsten Wochen dieses Herbsts auf uns zukommen?

Bei all dem tut es gut, getragen zu sein. Und wenn wir es bedenken, sind wir das auch. Jede und jeder von uns ist als kleines Kind zuerst einmal getragen worden. Vater und Mutter haben uns in die Arme genommen, durch die Wohnung getragen, zum Auto getragen, zu den verschiedenen Verwandtenbesuchen getragen, vielleicht sogar zur Taufe in die Kirche getragen. Sie haben uns erfahren lassen, was es heißt, getragen zu sein. In der Bibel beim Propheten Hosea steht dieses Bild für Gott, der von sich sagt: Ich war da für sie wie die, die den Säugling an ihre Wangen heben. (Hos 3,4) Und das war immer wieder die Erfahrung der Menschen, die mit Gott ihren Weg gegangen sind: Es ist einer da, der bei allem, was ich zu tragen habe, mich trägt. Ja, sogar noch mehr: Er trägt das Kreuz mit. Paulus kann im Korintherbrief aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Botschaft vom Kreuz, das Jesus für uns getragen hat, Gottes Kraft ist. (vgl. 1 Kor 1,18)

Wie gut es schon allein menschlich tut, wenn jemand da ist, der die Last mitträgt, die einem bedrückt, das hat sicher jeder schon einmal erlebt. Und viele haben einander mitgetragen in der schwierigen Coronazeit. Wir können dabei an die denken, die für andere eingekauft haben und es auch immer noch tun. Wir können an die denken, die in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern für ältere und kranke Menschen da sind. Wir können an die denken, die in sozialen Berufen und bei den Beratungsstellen für Familien sich einsetzen und die vielen Helferinnen und Helfer bei der Versorgung von Bedürftigen.

Getragen sein und mitgetragen werden – das macht unser Leben lebenswert und hilft uns, manches zu tragen, zu ertragen und durchzutragen, nicht nur in der Coronazeit.

Wenn wir jetzt in diesen Tagen Erntedank feiern, können wir das vielleicht auch auf unser Leben übertragen. Wir danken Gott für die Feldfrüchte – die Ernte des Jahres. Aber wir können auch Ernte im Leben halten und Gott danken für die Momente, wo wir gespürt haben, dass wir getragen sind und andere uns mitgetragen haben.

Pfarrer Stefan Schaaf, Seelsorgeeinheit MOSE, Mosbach-Elz-Neckar

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