Neckar-Odenwald

Was brauchen wir wirklich?

Ein „Must have“ – Mit diesem Schlagwort wird im Bekleidungskatalog eine Bluse in zartem Rosé angepriesen. „Das musst du haben. Dann gehörst du dazu...!“ Uns dazu gehörig zu fühlen, brauchen wir Menschen. Für viele spielt dabei die aktuelle Mode keine geringe Rolle. Aber: Muss ich deshalb wirklich diese Bluse in zartem Rosé haben? „Must have“ – Was brauche ich wirklich?

Diese Frage hat in den vergangenen Wochen eine ganz neue Bedeutung erlangt. „Bleiben Sie zu Hause“, wurde uns von höchster staatlicher Stelle ans Herz gelegt. Die „systemrelevanten“ und „systemerhaltenden“ Berufe rückten in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses: im Lebensmittelhandel, in der medizinischen Versorgung, beim Rotem Kreuz, bei der Polizei und Feuerwehr... . Homeoffice statt Büro ordneten Arbeitgeber, wo es möglich war, an.

Einen hohen Preis verlangt uns diese Zeit ab, besonders denen, die unversehens um ihre Existenz kämpfen müssen. Wir alle bekommen schmerzhaft zu spüren, wie wichtig Kontakt und körperliche Zuwendung sind. „Halten Sie Abstand!“, wird uns landauf, landab eingeschärft.

Was brauchen wir wirklich? Die Pandemie zeigt: gegenseitige Hilfe, Begegnung und Gespräch – zumindest über die digitalen Medien! Musik für Herz und Seele, Worte und Bilder, die uns Mut machen, kleine Filme, die uns fröhlich lachen lassen. Wir brauchen die Kreativität dieser Wochen, die Corona ein Schnippchen schlägt!

„Must have“ – Was brauchen wir wirklich? Für mich gehört mein Glaube dazu. Ohne ihn kann ich mir mein Leben nicht vorstellen. „Wie schaffen das nur Menschen, die nicht glauben?“, sagen mir auch andere. Oft gleicht ihr Leben einem Hürdenlauf. Doch der Glaube verleiht ihnen Halt und Kraft.

Jede Situation zählt, in der wir merken: Gott lässt sich viel für uns einfallen. Er kitzelt unser Vertrauen wieder wach und stärkt es. Zuversicht wächst für künftige Herausforderungen. Das dankbar zu erkennen, ist der Boden, auf dem Gottvertrauen und Hoffnung gedeihen. Was es uns bedeutet, gemeinsam Gottesdienst zu feiern, bei Gott abzuladen, was uns verzagt macht, uns von ihm aufbauen zu lassen, das haben wir in der Gemeinde sehr deutlich gespürt. Die Wäscheleine mit Mutmach-Bibelversen vor unserem Gemeindehaus fand regen Zuspruch.

Das alles ist für mich „Must have“: Etwas, was mich trägt und meiner Dankbarkeit Auftrieb gibt.

Ich wünsche uns von Herzen, dass die wesentlichen Erfahrungen dieser Zeit weiter von uns gesucht und gepflegt werden.

Irmtraud Fischer, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Buchen

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