Neckar-Odenwald

Unterstützung nötig

Archivartikel

Wenn „Staatspolitiker“ aufs flache Land kommen, hat der Heimatverein den Besuchsort festlich geschmückt, die Musikkapelle spielt, der Männergesangverein singt, die Sportlerinnen der Turnergruppe haben ihren Auftritt und die örtliche Fastnachtsgesellschaft bewirtet die Gäste.

Dieses Engagement der lokalen Vereine fällt dann sogar den Politikern auf. Was folgt, ist klar: Sie loben und preisen das Ehrenamt mit süßen Worten und animieren die Vereinsmitglieder dazu, bei der Stange zu bleiben. Dann geht es wieder zurück in die Bundes- oder Landeshauptstadt, wo nun allerdings über die nächsten bürokratischen Hürden für Vereine debattiert wird. Vergessen ist der Schmuck des Heimatvereins, die Lieder der Musiker und Sänger, die spektakuläre Turnvorführung der Jungen, das kühle Bier, von den „Fastnachtern“ gereicht.

Etwa vier Milliarden Stunden investieren Ehrenamtliche in ihren Vereinen und Institutionen jährlich. Das entspricht etwa der Leistung von drei Millionen Vollzeitbeschäftigten. Das Ehrenamt ist ein elementarer Bestandteil unserer Gesellschaft. Es wird während dieser schwierigen Corona-Zeiten von der Politik mit Hilfen bedacht. Gut! Allerdings ist es noch viel wichtiger, dass Unterstützungen auch nach Corona den Vereinen helfen und die starken Worte der Politiker nicht zu Lippenbekenntnissen verkümmern.

Denn eines ist klar: Vereine werden, wie viele mittelständische Unternehmen auch, geschwächt aus der Corona-Krise hervorgehen. Schon bevor das kleine Virus Einzug hielt, hatten viele Klubs Nachwuchsprobleme. Diese sind durch Corona noch verschärft worden. Nicht alle jungen Fußballer und Musiker werden nach dem Lockdown zurückkehren – das war schon im Frühsommer so. Dazu fällt es amtsmüden „Vereinsmeiern“ nun leichter, ganz aufzuhören. Der Corona-Crash folgt für Vereine mit Verzögerung.

Deshalb steht die Politik gerade für den ländlichen Raum in der gesellschaftlichen Verantwortung, den Vereinen zu helfen – nicht nur finanziell, sondern auch ideell, zum Beispiel dadurch, dass die Bürokratie verschlankt wird. Denn: Vereine besitzen die Stärke, „nach Corona“ dafür zu sorgen, dass das gerade brachliegende Ortsgeschehen wiederbelebt wird. Wir alle freuen uns doch schon jetzt auf Feste und Veranstaltungen „wie früher“. Und für deren Gelingen waren schon seit jeher die Vereine tragende Säulen. Sie sollen es auch künftig bleiben!

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