Neckar-Odenwald

Glücksspielsucht Aktionstag macht an diesem Mittwoch auf Gefahren aufmerksam / Informationen über Beratungsangebote

„Trampolin“ für Eltern und Kinder

Archivartikel

In die Abwärtsspirale von Glücksspielsüchtigen werden häufig auch die Kinder der Betroffenen hineingezogen. Daran erinnert an diesem Mittwoch ein besonderer Aktionstag.

Neckar-Odenwald-Kreis. Menschen wollen spielen. Sie suchen dabei nach Abwechslung, neuen Erlebnissen und wollen sich ausprobieren. Oft sind beim Spielen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Taktik gefragt. Beim Glücksspiel ist das anders. Am Ende entscheidet das Glück über einen Geldgewinn oder -verlust und gerade das macht den „Kick“ aus. Die meisten Menschen haben kein Problem damit und nutzen die weit verbreiteten Glücksspielangebote wie beispielsweise den Geldspielautomaten in der Kneipe, das Online-Pokerspiel oder Sportwetten. Manche Menschen können aber mit dem Spielen nicht mehr aufhören. Es entwickelt sich – in der Hoffnung zu gewinnen oder verlorenes Geld zurückzubekommen – ein unwiderstehlicher Drang, immer wieder zu spielen.

Beratung und Selbsthilfe

Daran erinnert anlässlich des bundesweiten Aktionstags Glücksspielsucht am Mittwoch, 30. September, die Suchtkoordinatorin des Neckar-Odenwald-Kreises Angelika Bronner-Blatz. Ziel des Tages ist es, auf die Suchtgefahren von Glücksspielen hinzuweisen, über mögliche Risiken aufzuklären und die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Weiterhin soll Betroffenen und deren Angehörigen der Zugang zu einer Beratungsstelle oder der Selbsthilfe erleichtert werden.

Denn es sind die Angehörigen, die eindeutige Warnzeichen bei Glücksspielsüchtigen erkennen. Sie sind betroffen und stehen unter großem Druck. Häufig versuchen sie zu helfen und werden damit zu „Co-Süchtigen“, wie es die Wissenschaft nennt. Sorgen um die Betroffenen werden verharmlost oder geleugnet. Nicht selten zahlen sie sogar die Schulden der Glücksspielsüchtigen. „Dieses eigentlich gut gemeinte Verhalten führt die Betroffenen jedoch nicht aus der Suchtspirale heraus, sondern fördert im Gegenteil häufig das süchtige Verhalten“, weiß Bronner-Blatz.

Damit verlängert sich die Zeit der Glücksspielsucht. Unterstützung und Hilfe erfahren Glücksspielsüchtige nur, indem sie lernen, für die Folgen ihres Verhaltens die Verantwortung zu übernehmen.

„Besonders stark leiden häufig die Kinder von Glücksspielsüchtigen“, ergänzt die Suchtkoordinatorin. Der spielende Elternteil nimmt die eigenen Kinder kaum noch wahr. Sie erleben Enttäuschungen, Beschämung und finanzielle Not. Viele der Kinder fühlen sich dabei alleine gelassen. Zur Unterstützung betroffener Kindern wurde von erfahrenen Forschern speziell für die Altersgruppe der Acht- bis Zwölfjährigen das Programm „Trampolin“ entwickelt. Durch „Trampolin“ können Mädchen und Jungen erfahren, dass es nicht an ihnen liegt, wenn ein Elternteil oder beide Elternteile Probleme haben. In der Gruppe lernen die Kinder, dass sie wertvoll sind. Sie erfahren, dass es verschiedene Wege gibt, mit den Problemen umzugehen und wo sie sich Hilfe holen können. Auch die Eltern sind in das Programm miteinbezogen. Sie erfahren, was für Kinder in dieser besonderen Situation wichtig ist und wo Eltern für sich und ihr Kind Unterstützung erhalten können. „Kinder suchtkranker Eltern haben ein besonders hohes Risiko, im späteren Leben selbst psychisch krank oder suchtkrank zu werden. Deshalb ist es so wichtig, diese Kinder nicht alleine zu lassen“, unterstreicht Angelika Bronner-Blatz, die das „Trampolin“-Programm im Kreis eingeführt hat.

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