Neckar-Odenwald

Forst vor großen Aufgaben Sturmholz belastet den Markt / Auffallend viele „Dürrständer“ im Wald / Lebensraum für viele Arten

Totholz bleibt absichtlich im Wald liegen

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Nach den zwei vergangenen Trockensommern startete das Jahr 2020 mit dem kräftigen Sturmtief „Sabine“, dem mehrere kleine Stürme folgten. Deshalb liegen in den baden-württembergischen Wäldern tausende Festmeter Sturmholz, die aufgearbeitet und möglichst rasch verkauft werden müssen, berichtet Udo Banspach von Forst Baden-Württemberg, Forstbezirk Odenwald.

Idealer Brutraum

Besonders das Fichtenholz müsse schnell versorgt werden, bevor der Borkenkäfer im Mai von dessen Duft angelockt werde. Die trockene Wärme im April habe die Fichtenstämme nämlich in einen idealen Brutraum für Millionen Borkenkäfer verandelt, welche sich anschließend an umstehenden, noch gesunden Fichten gütlich tun und diese zu Tode fressen.

„Gleichzeitig ist es den Forstleuten vielerorts noch gar nicht gelungen, die Käferbäume der letzten Sommersaison vollständig aus den gefährdeten Wäldern hinauszuschaffen“, so Banspach. Auch im Forstbezirk Odenwald seien durch die Winterstürme schätzungsweise 15 000 Kubikmeter Sturmholz, vor allem Fichte, angefallen. Im Landesvergleich Baden-Württembergs sei das wenig. Dennoch konkurriert auch dieses Holz auf dem Markt mit allem Sturm- und Käferholz aus Deutschland und umliegenden EU-Ländern. Deshalb ist es sehr wichtig, nur das zum Verkauf zu bringen, was nicht gefahrlos länger im Wald gelagert werden kann. Umgekehrt bleiben nun viele abgestorbene Bäume stehen oder liegen, damit ihre Holzmasse den Markt nicht unnötig belastet.

Gewollte „Unordnung“

Überall dort, wo dieses Totholz die Sicherheit der Menschen nicht gefährdet und zudem nicht mehr als Brutstätte für die gefräßigen Borkenkäfer geeignet ist, wird es belassen. Auf diese Weise dient es vielen Lebewesen als Biotop auf Zeit – angefangen von Spechten über diverse Insekten bis hin zu holzzersetzenden Pilzen. „Was dem einen oder anderen Waldbesucher als Unordnung ins Auge stechen mag, stellt also einen wertvollen Beitrag zu Artenschutz und -vielfalt dar“, so Banspach. „So profitieren zumindest viele seltene, auf Totholz spezialisierte Arten von der schwierigen Lage, und die ambitionierte Waldnaturschutzkonzeption von ForstBW erhält deutlichen Rückenwind.“

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