Neckar-Odenwald

In Waldbrunn Hygienekonzept sieht unter anderem Online-Buchungen vor / Gemeinderat stimmte für Wiederaufnahme trotz steigender finanzieller Probleme des Bades

Therme öffnet wieder am 1. August

Archivartikel

Waldbrunn.Vielen Menschen in Deutschland wird der 16. März 2020 noch lange in Erinnerung bleiben. An diesem Donnerstag wurde zum Schutz der Bevölkerung vor dem sich weltweit rasant ausbreitenden, neuartigen Coronavirus der Lockdown vollzogen wurde. Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe mussten schließen. Auch die Waldbrunner Katzenbuckel-Therme war davon betroffen. Nach vier Monaten der Schließung und vielen neuen Erkenntnissen rund um das Infektionsgeschehen, lassen die neuen Verordnungen der Landesregierung eine Wiederaufnahme des Betriebs zum 1. August wieder zu. Allerdings gelten für einen Schwimmbadbesuch besonderen Bedingungen.

„Wichtig für Tourismus“

In der Vorbereitungsphase zur Wiedereröffnung besuchte Minister Peter Hauk, CDU-Abgeordneter des Neckar-Odenwald-Kreises, die Therme. „Es ist mir wichtig, mir ein persönliches Bild der Situation vor Ort zu machen und mit den Akteuren zu sprechen. Schwimmbäder und die Thermalanlagen sind ein wichtiger Baustein unserer Tourismusangebote. Es macht Hoffnung, wenn der Betrieb nun wieder starten kann“, so Minister Hauk nach der Begrüßung durch Bürgermeister Markus Haas.

Gemeindeoberhaupt Haas berichtete, dass der Waldbrunner Gemeinderat in seiner Sitzung am 6. Juli beschlossen habe, die Katzenbuckel-Therme wieder zu öffnen. Als Termin wurde der 1. August festgelegt, da nach einer monatelangen Schließung eine Grundreinigung, ähnlich einer Revision, durchzuführen war. Zwei bis drei Wochen Vorlaufzeit seien notwendig, um das Bad für Besucher zu rüsten, erklärten die Schwimmbadleiter Christine Friedrich und Brenden Thompson. Bei einem kommunalen Bad, mit einem jährlichen Defizit von rund 630 000 Euro im Normalbetrieb, dreht man unter erschwerten finanziellen und personellen Bedingungen nicht einfach den Schlüssel um und alles läuft wie gewohnt weiter, so Kämmerer Joachim Gornik.

Massive Kosten

Minister Hauk bestätigte, dass „die Unterhaltung von Schwimmbädern ein Mehrwert für die Gemeinde ist, dies aber auch mit massiven Kosten verbunden ist. Diese Kosten werden durch die fehlenden Besucher im Zeitraum von März bis August in diesem Jahr deutlich höher ausfallen. Die Landesregierung setzt alles daran, die Kommunen von geschuldeten Ausfällen durch Corona zu entlasten, beispielsweise durch die Erstattung der ausgefallenen Gewerbesteuer. Für Waldbrunn ist dies ein erheblicher Teil, ohne den eine Unterhaltung der Therme weniger erschwinglich wäre“, sagte Hauk.

Die Vorgaben zur Öffnung sind enorm und es wurde zunächst eine Wirtschaftlichkeitsberechnung angestellt, um überhaupt deutlich zu machen, über welche Zusatzkosten die Gemeinderäte abstimmen sollen. Für den Saunabereich sind aufgrund der hohen Defizite die Kosten in keinster Weise wirtschaftlich darstellbar, daher hat man sich zunächst auf die Öffnung des Badebetriebes fokussiert, rechnet der Kämmerer der Gemeinde, Joachim Gornik, vor.

Mit großer Mehrheit hat sich der Gemeinderat für Waldbrunn als traditionelle Tourismusgemeinde und trotz eines steigenden Defizits, für die Eröffnung des Badebetriebes unter Pandemie-Bedingungen ausgesprochen. Sicherlich auch ein bisschen davon getrieben, dass es bei der Katzenbuckel-Therme im zehnten Jahr des Betriebes etliche Anschaffungen zu tätigen gilt. Allein das in die Jahre gekommene Kassensystem schlägt mit rund 70 000 Euro zu Buche. „Die Entscheidung des Gemeinderates ist ein fraktionsübergreifendes gemeinsames Ziehen am gleichen Strang, mit einem festen Blick in die Zukunft“, wertet Bürgermeister Markus Haas die Entscheidung und freut sich über das klare Signal.

Das von der Badleitung, in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises, vorgelegte Betriebs- und Hygienekonzept für den Badebetrieb sieht nun eine Begrenzung der Gästeanzahl auf 100 Gäste je Schicht vor. Dabei ist selbstverständlich der notwendige Abstand zwischen den Besuchern von 1,5 Meter einzuhalten. Außerdem gelten strenge Auflagen hinsichtlich Körperhygiene und Desinfektion.

Nur 100 Gäste pro Schicht

Um den Ansprüchen nach einem geordneten Zugang zu genügen, und zum Schutz der Badegäste und Mitarbeiter, hat man sich entschlossen, ein Buchungssystem einzurichten, das im Internet erreichbar ist. Der Badebetrieb soll demnach von Mittwoch bis Sonntag in drei Schichten (9 bis 12 Uhr, 13 bis 16 Uhr und 17 bis 20 Uhr) erfolgen. In jeder Schicht dürfen nur 100 Gäste die Therme besuchen. Davor, danach und dazwischen gilt es vonseiten der Servicekräfte Reinigungs- und Desinfektionspläne umzusetzen. Haas erläuterte dem Minister, dass er bei einer Buchung der Eintrittskarten im Voraus ganz klar einen Vorteil bei der Katzenbuckel-Therme als Hallenbad sehe, denn man könne schließlich wetterunabhängig buchen. Voll des Lobes äußerte sich das Gemeindeoberhaupt am Rande des Treffens auch über das Mitarbeiter-Team der Therme. Aufgrund der Flexibilität des Teams habe man die Coronazeit ohne Kurzarbeit überbrückt. Alle Kollegen hätten ohne zu zögern sämtliche Renovierungs- und Gartenarbeiten im Außenbereich kurzerhand selbst übernommen. hof

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