Neckar-Odenwald

Neckar-Odenwald-Kliniken Vielen Schlaganfällen gehen Herzrhythmusstörungen voraus / Über Risiken, Ursachen und Symptome

Taktgeber aus dem Rhythmus geraten

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Anfang Oktober wurde der Standort Mosbach erneut als Kompetenzzentrum für Schlaganfallpatienten zertifiziert. Dies bestätigt offiziell, dass die Versorgung an den Neckar-Odenwald-Kliniken ihr hohes Niveau aufrechterhält, was im vergangenen Jahr mehr als 300 Patienten zugutekam. Dr. Peter A. Oberst, Leiter der Kardiologie an den Kliniken am Standort Mosbach, zählt es in diesem Zusammenhang auch zu seinen Aufgaben, im Rahmen von Informationsveranstaltungen über das Zustandekommen von Schlaganfällen und wirksame Präventionsmöglichkeiten aufzuklären.

So weist er darauf hin, dass einem erheblichen Anteil von Schlaganfällen Herzrhythmusstörungen vorangehen, die – rechtzeitig erkannt – behandelbar, vor allem aber durch gesundheitsbewusstere Lebensweisen in vielen Fällen vermeidbar seien. „Das sogenannte Metabolische Syndrom gehöre zu den Ursachen, die wir bei Herzrhythmus-Störungen häufig sehen“, so Oberst, der 2018 als Spezialist für „nicht invasive Kardiologie und Rhythmus-Diagnostik“ vom Marienhospital Darmstadt an die Neckar-Odenwald-Kliniken kam.

Vier Elemente

Das zitierte Metabolische Syndrom umschließt folgende vier Elemente: ein deutliches Übergewicht, Bluthochdruck, einen erhöhten Blutzuckerspiegel sowie einen gestörten Fettstoffwechsel. Da dieses Krankheitsbild nicht selten durch geringe körperliche Bewegung bei übermäßigem Essen und Trinken entsteht, spricht man von einer „Wohlstandskrankheit“. Die weit verbreitete Begrifflichkeit von „gutartigen“ und „bösartigen“ Rhythmusstörungen rückt der Doktor zurecht, indem er sie als „unmittelbar wenig lebensbedrohlich“ und „unmittelbar lebensbedrohlich“ erklärt. Weniger gefährlich sei es, wenn die Rhythmusstörungen aus dem Vorhof des Herzens kommen und sich als sogenanntes Vorhofflimmern oder auch als „gutartiges“ Herzrasen zeigen. Direkt lebensbedrohlich seien hingegen Rhythmusstörungen, die als Kammerflimmern aus der Herzkammer kommen. Beim Vorhofflimmern, der häufigsten und oft anhaltenden Herzrhythmusstörung, funktioniert der Sinusknoten als Taktgeber nicht mehr richtig. Das Herz kommt aus dem Takt und schlägt nicht mehr regelmäßig: häufig zu schnell, manchmal aber auch zu langsam. Derzeit gibt es circa eine Million Betroffene in Deutschland.

Vorhofflimmern kann sich durch einen unregelmäßigen Puls bemerkbar machen, ebenso durch Herzstolpern oder Herzrasen, Unruhe, Angst, Erschöpfung, verringerte Belastbarkeit, Atemnot, Schwitzen und Schwindel. Oft bleibt es aber unentdeckt, weil keine Beschwerden auftreten. Als Therapieoptionen zählt Dr. Oberst auf: „Eine möglichst frühe Rhythmisierung in der Regel durch rhythmusstabilisierende Medikamente (Antiarhythmika) oder durch eine elektrische Kardioversion (Stromstoß-Therapie) als eine Art Neustart des Herzens, damit der Sinusknoten wieder die Führung und damit den Takt angeben kann.“ Schlägt das Herz unregelmäßig und gleichzeitig zu langsam, ist eine Herzschrittmacher-Therapie notwendig. Bei gutartigem Herzrasen, welches in der Regel plötzlich beginnt und ebenso plötzlich enden kann, schlägt das Herz schnell und regelmäßig. Diese Symptomatik lasse sich von Betroffenen oft selbst abstellen, zum Beispiel durch das schnelle Trinken eines Glases kalten Wassers, durch tiefes Einatmen, Luft anhalten und durch eine Bauchpresse als Druckausübung auf die Bauchhöhle bei angespannter Bauchmuskulatur. Bei häufigen Episoden gutartigen Herzrasens wird zur dauerhaften Einnahme von Rhythmusmedikamenten geraten. Bei hohem Leidensdruck aufgrund der hohen Zahl an anfallsartigen Attacken wird das Veröden der Strukturen empfohlen, die für die Rhythmusstörung verantwortlich sind (Hochfrequenzstrom-Ablation). Zu den Ursachen zählt Dr. Oberst psychische Erregung (Stress, Aufregung, Freude, Angst, Nervosität) ebenso wie Kaliummangel, Magnesiummangel und Nebenwirkungen von Medikamenten. Auch Genussgifte wie Alkohol, Koffein und Nikotin gelten als mögliche Auslöser.

Grundleiden behandeln

Bei einer Behandlung setze deshalb jede Therapie den Ausschluss beziehungsweise die Feststellung einer strukturellen Herzerkrankung voraus. Falls eine Erkrankung vorliegt, muss das Grundleiden behandelt werden. Wegen möglicher Nebenwirkungen sei ein kritischer und vorsichtiger Umgang mit Rhythmusmedikamenten geboten. Oft sei es sogar besser, mit leichtem Herzstolpern unbehandelt und dabei ärztlich kontrolliert zu leben, als Rhythmusmedikamente einzunehmen.

Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, die in der Regel in der Herzkammer entstehen, zeigen sich laut Oberst als „sehr schnelle elektrische Impulse, die den Herzmuskel zwingen, sich genauso schnell zusammenzuziehen. Dabei fängt das Herz an zu rasen und ineffektiv zu arbeiten. Es entstehen Kammertachykardien (Herzrasen) und Kammerflimmern.“ Je nach der Herzfrequenz zeige sich bei den Betroffenen unterschiedliche Symptome: Bei einer Herzfrequenz von 160 bis 180 Schlägen pro Minute stelle sich ein allgemeines Unwohlsein und das Gefühl von Herzrasen ein. Eine Frequenz von 200 bis 220 Schlägen pro Minute führe zu einem deutlichen Abfall des Blutdrucks, zu körperlicher Schwäche, häufig begleitet von Schwitzen, Engegefühl in der Brust, Luftnot und Todesangst. Bei noch höheren Frequenzen sinke der Blutdruck weiter ab, die Durchblutung – vor allem des Gehirns – nehme ab, die Bewusstlosigkeit drohe. Schlage das Herz noch schneller, führe dies zum Zusammenbruch des Kreislaufs und zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Was in solchen Situationen ohne Verzug zu tun ist, führt Dr. Oberst in vier knappen Maßgaben aus: „Immer über den Notruf 112 ärztliche Soforthilfe anfordern. Bei Herzrasen ohne Bewusstlosigkeit den Patienten auf Sofa oder Bett mit angehobenem Oberkörper lagern. Beim Patienten bleiben und bei Herzstillstand sofort Herzdruckmassage vornehmen, bis der Notarzt eintrifft.“

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