Neckar-Odenwald

Landwirtschaft Rinderbestand im Neckar-Odenwald-Kreis in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gesunken

Steigende Milchpreise verbessern Ergebnis

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Beginnt jetzt Rinderdämmerung? Rund 11,95 Millionen Milchkühe, Mastrinder, Zuchttiere, Mutterkühe oder Kälbchen stehen nach der jüngsten Zählung in den Ställen und auf der Weide von Flensburg bis Berchtesgaden. Rund 332 000 weniger als ein Jahr zuvor. Im Neckar-Odenwald-Kreis geht die Rinderhaltung ebenfalls zurück: Aktuell werden 22 942 Tiere gehalten, 280 weniger als vor einem Jahr.

Ob es ein anhaltender Trend ist, ist allerdings unklar. Aktuell ist der geringere Bestand in den Ställen laut Bauernverband eher eine Wetterfolge: „Die Ursache liegt in den 2018 gestiegenen Kuhschlachtungen. Aufgrund der Futterunsicherheit nach der langen Trockenheit selektierten viele Landwirte verstärkt Kühe und Färsen aus.“ Trotzdem werden die Ställe wohl weiter leerer: „Längerfristig wird sich allerdings der Trend der sinkenden Erzeugung von Rindfleisch in Deutschland fortsetzen“, steht im Situationsbericht 2018/19.

Zugkraft, Milch, Fleisch – so hat das Rind vor etwa 8000 bis 10 000 Jahren Herz und Magen der Menschen erobert. Sein Vorteil: Es ist ein nahrhaftes Tier und kann komplett verwertet werden. Trotzdem zieht es im „Fleischatlas 2018“, den Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und die Monatszeitung „Le Monde Diplomatique“ herausgeben, gegenüber Insekten den Kürzeren: Vom Rind sind 40 Prozent essbar, vom Insekt 80 Prozent – allerdings lassen sich aus Heuschrecken keine Schuhe machen.

Massentierhaltung in der Kritik

Rindern geht es dabei ein wenig wie Diesel-Motoren, es gibt Forderungen, sie zu verbieten. Massentierhaltung macht Feinstaub, Rinder stoßen das Klimagas Methan als Verdauungsprodukt aus, und die Fleischproduktion braucht zu viel Fläche heißen drei Hauptvorwürfe. Hat die Debatte den hiesigen Tierbestand in den vergangenen fünf Jahren verändert? Momentan gibt es im Neckar-Odenwald-Kreis 22 942 Rinder (Stichtag: 3. November 2018), davon sind 7163 Milchkühe.

Nimmt man die Entwicklung der zurückliegenden fünf Jahre als Maßstab, um einen Trend zu erkennen, gab es im Neckar-Odenwald-Kreis folgende Bestände: Im Jahr 2013 registrierten die Statistiker 23 977 Rinder (Milchkühe: 7206). Zwölf Monate später waren es 24 551 Rinder (Milchkühe: 7844). Im Jahr darauf registriert die Statistik 24 145 Rinder (Milchkühe: keine Angabe). Zum Stichtag 2016 waren es 23 585 Rinder (Milchkühe: 7513), zum Stichtag 2017 dann 23 222 Rinder (Milchkühe: 7422) und im vergangenen November 22 942 Rinder (Milchkühe: 7163).

Was vermarktet sich am besten? Die Landwirte haben grob gesagt die Wahl zwischen Zuchtvieh, Milchvieh und Masttieren. Gut koppeln lassen sich Milcherzeugung und Fleischproduktion. Die Milchkühe machen momentan rund 31,2 Prozent des gesamten Rinderbestands aus (2013: 30,1 Prozent). Deutschlandweit kletterte dieser Anteil in den vergangenen fünf Jahren von 33,6 (2013) auf 34,3 Prozent (2018). Milchbauern standen im zurückliegenden Wirtschaftsjahr auf der Sonnenseite der Landwirtschaft: „Mit 90 600 Euro lag das durchschnittliche Unternehmensergebnis der auf Milchviehhaltung spezialisierten Betriebe im Wirtschaftsjahr 2017/18 um etwa zwei Drittel höher als ein Jahr vorher. Damit hat sich die wirtschaftliche Erholung nach den beiden Krisenjahren 2014/15 und 2015/16 weiter fortgesetzt. Hauptursache für die Ergebnisverbesserung waren die weiter deutlich erholten Milchpreise“, heißt es in der Bilanz des Bauernverbandes.

„Tierschutzabgabe“

Die Milch macht’s in diesem Fall wirklich. Einst wurde von ihr behauptet, dass sie auch müde Männer munter macht. Aber das ist nicht das Hauptproblem derer, die unter dem Banner des Klimaschutzes das Rindersteak vom Grill holen wollen: Es gibt eine Gruppe von rund fünf Prozent Vielfleischessern unter den Männern, die fast dreimal so viel Fleisch verzehren wie die Durchschnittsdeutschen. Sie folgen Trends und Moden wie Wintergrillen, „Paleo-Diät“, Protein-Drinks und Bodybuilder-Ernährung und gleichen damit den Fleischverzicht von vier Prozent Vegetariern locker aus, klagt der Fleischatlas.

Dafür sollen alle Fleischkonsumenten zahlen: Zu einer „gezielten finanziellen Belastung des Fleischverbrauchs“, raten Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und „Le Monde Diplomatique“. Wer sich jetzt wundert, dass die Franzosen den Abschied vom Chateaubriand forcieren: Das tun sie nicht. Hinter der deutschen Ausgabe von „Le Monde Diplomatique“ stecken die deutsche Tageszeitung „taz“ und die Schweizer Wochenzeitung „WoZ“. Der Plan, die Kuh vom Grill zu holen, „müsste gut begründet sein und gleichzeitig gezeigt werden, wofür die Einnahmen verwendet werden“, sagen die Fleischatlas-Autoren: „Tierschutzabgabe“ wirke positiver als „Fleischsteuer“. teb

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