Neckar-Odenwald

Schlossfestspiele Zwingenberg Spender greifen trotz abgesagter Spielzeit tief in die Tasche / 17 000 Euro durch größere Beträge zusammengekommen

Spenden für „regionalen Schutzschirm“

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Gespendet wird, obwohl nichts stattfindet. Denn wie so vieles, wurden auch die Schlossfestspiele in Zwingenberg Corona-bedingt abgesagt. Dass trotzdem die treuen Sponsoren aus der Wirtschaft bei der Stange bleiben und auch in diesem Jahr wieder tief in ihre Taschen gegriffen haben, freut und beeindruckt Landrat Dr. Achim Brötel sowie Festspielintendant Rainer Roos daher umso mehr.

Und aus diesem Grund sollte die Spendenübergabe in einem etwas offizielleren und festlicheren Rahmen stattfinden, natürlich unter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln, versteht sich. Insgesamt sind rund 17 000 Euro durch größere Beträge zusammengekommen. Mit jeweils 5000 Euro bezeugten die Sparkasse Neckartal-Odenwald und die Heidelberger Cement AG ihre Unterstützung für die Festspiele. Weitere große Spenden kamen von der Volksbank Mosbach, Motip Dupli, Toto-Lotto, der L & S GmbH Mosbach und der BGV Badische Versicherungen sowie der Buchhandlung Greif aus Eberbach. Zusätzlich zu verbuchen waren dazu noch die sogenannten Kartenspenden. Dabei haben Karteninhaber von einer Auszahlung oder einer Übertragung der Kartengültigkeit in die Spielzeit 2021 Abstand genommen und dadurch den Kaufpreis gespendet. Dies erbrachte weitere 3000 Euro. Zusammen ergibt das 20 000 Euro, mit denen man unter anderem einen „regionalen Schutzschirm für die Festspiele“, wie der Landrat es nannte, bilden wolle. Darüber hinaus möchte man dem zuständigen Ausschuss im Kreistag vorschlagen, den vorgesehenen Kreiszuschuss für 2020 zur nachhaltigen Stärkung der Schlossfestspiele auszuzahlen. In Summe stünden dann immerhin zusätzliche 55 000 Euro zur Verfügung. Außerdem steht man in Verhandlung mit dem Land Baden-Württemberg, einen Teil der an sich fest zugesagten Landesförderung unbeschadet der Absage zu bekommen.

Spielzeit wird nachgeholt

Der Landrat wie auch Festspielintendant Rainer Roos bedankten sich ausdrücklich bei allen Spendern und bedauerten sehr, dass es in diesem Jahr keine Spielzeit geben wird. Sie wird komplett in 2021 nachgeholt. Und mit der im Festspielvorstand einstimmig beschlossenen Absage dieser Saison begann auch sofort die Planung der kommenden Spielzeit, die vom 16. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden wird. Dabei hatte es im Dezember 2019 mit dem Vorverkauf so vielversprechend angefangen. In außergewöhnlich kurzer Zeit waren an die 30 Prozent des Kartenvorverkaufskontingents verkauft und damit so schnell wie noch nie. Trotzdem trifft die Absage dieser Spielzeit den Trägerverein hart.

Die finanzielle Realität der Schlossfestspiele Zwingenberg sieht nämlich folgendermaßen aus: Deutlich mehr als die Hälfte des Gesamtetats von rund 400 000 Euro werden über den Verkauf von Eintrittskarten finanziert. Das ist im landesweiten Vergleich ein geradezu sensationell hoher Wert.

Katastrophale Situation

Die diesjährige Festspielzeit war immerhin komplett durchgeplant und bereits beworben worden, sowie mit vertraglichen Verpflichtungen unterlegt, die nicht so ohne weiteres gekündigt werden können.

Obwohl dies die Schlossfestspiele in „erhebliche Bedrängnis“ bringen könnte, stand natürlich die Gesundheit aller Beteiligten immer eindeutig im Vordergrund. Brötel befürchtet nun, dass durch die unfreiwillige Pause möglicherweise Strukturen wegzubrechen drohen, die sich über Jahre aufgebaut hätten. Auch deshalb sei es ein gutes Zeichen, dass nicht nur die Sponsoren den Festspielen die Treue halten, sondern am Tag der Absage sofort mit der Planung der neuen Spielzeit begonnen wurde und so allen Beteiligten wie auch Besuchern eine Perspektive aufgezeigt wurde. Besonders Intendant Roos wies auf die katastrophale Situation der freischaffenden Künstler hin, wobei der Südweststaat im Bundesvergleich seine freischaffenden Künstler vorbildlich unterstützen würde. Er, Roos, habe mit jedem Einzelnen, der auf der künstlerischen Honorarliste stehe, telefonisch und nicht anonym per Mail gesprochen und so gut wie alle erklärten sich bereit, dann eben im nächsten Jahr dabei zu sein. Auch weil sie die besondere Atmosphäre und das Persönliche der Zwingenberger Festspiele zu schätzen wüssten.

Selbst Alex Melcher, der als Stargast für die Saison 2020 zugesagt hatte, begeistert sich für die spezielle Zwingenberger Atmosphäre. Er versuche trotz getaktetem Tourkalender alles, um 2021 dabei sein zu können, berichtete Roos weiter. brw

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