Neckar-Odenwald

Salz der Erde

Archivartikel

Ein feiner Nebel aus Salzwasser hängt in der Luft, wenn man in den Gradierpavillon im Kurpark von Bad Mergentheim tritt. Wie ein sanfter Regen tropft das Solewasser an den Zweigen herunter, es riecht beinahe wie am Meer.

Das Einatmen der feuchten, salzhaltigen Luft befeuchtet die Atemwege und lässt gereizte Schleimhäute abschwellen. Als Heilwasser genossen, wirkt es sich positiv auf verschiedene Beschwerden aus und auch in der Schönheitspflege wird es verwendet.

Salz hat aber nicht nur heilende Wirkung, es reguliert den Wasserhaushalt im Körper, leitet Nervenimpulse weiter und ist wichtig für Herz, Knochen und Muskeln. Salz vergeht nicht. Es bewahrt vor Verfall, reinigt, macht Lebensmittel haltbar und Essen schmackhaft. Ohne Salz ist alles fad. Ohne Salz können wir nicht leben.

Früher war Salz so rar, dass man von „weißem Gold“ sprach. Die römischen Legionäre wurden teilweise mit Salz entlohnt, daher stammt das Wort Salär. Auch in der Bibel kommt Salz an vielen Stellen vor, als Sinnbild für Gottes Handeln in der Welt: Lebenserhaltend, bewahrend, reinigend und heilend.

In der Bergpredigt, im Matthäusevangelium Kapitel 5, vergleicht Jesus seine Nachfolger mit Salz. Er sagt: „Ihr seid das Salz der Erde“. Jesus traut uns zu, dass wir den Geschmack Gottes in die Welt bringen. Salz wirkt jedoch nicht im Salzfass. Es muss aus dem Vorratsbehälter zum Einsatzort und auch der Glaube muss aus dem stillen Kämmerlein heraus und im Alltag gelebt werden. Taizé-Prior Frère Alois schreibt: „Christen sollen das Salz der Erde sein. Sie sollen in der Gesellschaft präsent sein und sich dort für Frieden und Versöhnung einsetzen.“

Selig sind die Menschen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen, die Unrecht aufdecken und für andere einstehen, sagt Jesus in der Bergpredigt. Glücklich sind die, die sich für Versöhnung stark machen und Frieden stiften. Freudestrahlend sind die Menschen, die Gott suchen und ihren Glauben überzeugend leben. Sie sind „Salz der Erde“ und bringen Gottes Geschmack in die Welt. Nicht mit zuckersüßen Worten anderen nach dem Mund reden, sondern Salz in der Suppe sein, damit andere Geschmack am Leben finden.

Prädikantin Gabriele Stiebig, Mudau

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