Neckar-Odenwald

Durchgängige Züge Antwort aus dem Verkehrsministerium

Pünktlichkeit hat Vorrang

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Von einem „herben Rückschlag für Berufspendler“ sprach Landrat Dr. Achim Brötel angesichts der Tatsache, dass die zugesagten durchgehenden Züge aus dem Raum Mosbach nach Stuttgart nun im neuen Fahrplan doch nicht enthalten sind. Er wendete sich deshalb mit einem Brief an das Verkehrsministerium in Stuttgart. Von dort kam nun eine Antwort.

„Mit der Übernahme der Regionalexpress-Strecke durch Abellio im Dezember 2019 sollte eine neue durchgängige Linie Mannheim- Heilbronn-Stuttgart-Tübingen eingeführt werden“, erinnert ein Ministeriumssprecher. Vor allem wegen Fahrzeugmangel habe das Land „vorerst darauf verzichtet, dass die Linie durchgebunden wird“.

Nun zeige sich, dass der Zustand der Strecke, aber auch die Bautätigkeit von DB Netz im Zusammenhang mit dem Stuttgarter Hauptbahnhof S21 dauerhaft Verspätungen mit sich bringen werden, die sich auf Linien bis nach Tübingen fortsetzen würden. „Daher hat das Land im Sinne der besseren Betriebsqualität dafür entschieden, die Linie von Dezember an in zwei Verbindungen aufzuteilen und zusätzliche Züge zu bestellen.“ Ministerialdirektor Dr. Uwe Lahl erklärt: „Das oberste Ziel unseres Ministeriums ist es, qualitativ guten Nahverkehr zu gewährleisten – vor allem, was die Pünktlichkeit betrifft. Die Pünktlichkeit können wir dann besser schaffen, wenn wir die Linie R 10 in Heilbronn in zwei Abschnitte aufteilen. Mit besserer Pünktlichkeit ist den Pendlern aus unserer Sicht am meisten gedient. Daher haben wir uns für diesen Weg entschieden. Die bessere Qualität lassen wir uns wegen zusätzlicher Zugbestellungen gut 700 000 Euro kosten.“

Für Brötel nicht akzeptabel

Für Landrat Dr. Achim Brötel macht diese Antwort die Sache „eher noch schlimmer als besser“, erklärt er auf Anfrage der FN. „Jetzt muss also die Streckeninfrastruktur und die Bautätigkeit dafür herhalten, dass das Land sein mehrfach gegebenes Wort bricht“, ärgert er sich. Beides sei nicht erst über Nacht so geworden, sondern zum Zeitpunkt der Ausschreibung schon so gewesen. Deshalb deute das „eindeutig auf Fehler bei der Fahrplanplanung des Landes und weniger auf betriebliche Probleme bei Abellio hin“. Pünktlichkeit auf der Schiene sei in der Tat ein hoher Wert. „Dieser Wert kann aber nicht nur für die Fahrgäste gelten, die ab Heilbronn in einen frischen Zug einsteigen, während die verspätet aus dem Neckar-Odenwald-Kreis ankommenden Berufspendler dann in Heilbronn stranden“, so Brötel. „Scheinbar gibt es nach dem Verständnis des Verkehrsministeriums Fahrgäste, die gleicher sind – und der ländliche Raum soll wieder einmal den Kürzeren ziehen. Das ist für mich so nicht akzeptabel.“ sab

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