Neckar-Odenwald

Nicht nur auf Virus starren

Archivartikel

Das Coronavirus hat die Welt verändert, zumindest den Blick auf die Welt. Panik und Angst haben um sich gegriffen. Hamsterkäufe und Diebstähle von Desinfektionsmitteln und Schutzmaterialien sind Ausdruck einer Hilflosigkeit, die ihresgleichen sucht. Die Börsenkurse befinden sich im freien Fall.

Angst und Panik waren von jeher schlechte Ratgeber. Stattdessen sind Besonnenheit und ein kühler Kopf angesagt. Jeder einzelne wird da seinen eigenen Weg finden und entscheiden müssen, wem er noch die Hand schüttelt und wie er seine Freizeit verbringt. Da zunehmend öffentliche Veranstaltungen abgesagt werden, wird ohnehin das persönliche Wirkungsfeld immer weiter eingeschränkt.

Aber was bedeutet dies Pandemie für unseren Glauben? Wie fordert diese neue Situation uns als Christen heraus? Bei mir ist da einer der Bibeltexte vom vergangenen Sonntag hängen geblieben. In 4. Mose 21 wird die Situation beschrieben wie das Volk Israel nach ihrer Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei während ihrer jahrzehntelangen Wüstenwanderung von giftigen Schlangen bedrängt wurde. Viele Menschen wurden von den Giftschlangen gebissen. Viele Menschen starben und Angst und Panik hatten um sich gegriffen.

Die Menschen starrten nur noch auf die giftigen Schlangen und versuchten nach Kräften, zu vermeiden, dass sie gebissen wurden. Im Bann der Schlangen waren sie wie gelähmt. Das Leben erstarrte. Da schrien sie zu Mose er solle Gott um Hilfe bitten. Und Gott befahl Mose, dass er eine eherne Schlange machte. Wer auf die blickte, der solle gerettet werden.

Für mich bedeutet in diesem Blick weg von den giftigen Schlangen, weg von der Lähmung, der Blick hin auf das, was Gott schenkt, dass darin die Heilung besteht. Natürlich geht es nicht darum, diese eherne Schlange als Fetisch missverstehen zu wollen und zu missbrauchen. Es kann deshalb auch nicht angehen, reale Gefahren auszublenden oder zu bagatellisieren. Es geht einfach darum, nicht mit aller Kraft wie gebannt auf die Giftschlangen zu schauen.

Auf unsere Situation heute übertragen bedeutet das, einerseits das Virus ernst zu nehmen und diesbezüglich auch alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen, aber andererseits nicht nur wie gebannt auf das Virus zu starren. Das Leben ist viel größer, weiter und schöner. Vielleicht gelingt es uns, diese derzeit herausfordernde Situation auch als eine Chance oder eine Einladung Gottes zu begreifen, ihn wieder ganz neu in den Blick zu nehmen und ihn in unser Denken und Handeln, in unseren Lebenshorizont einzubeziehen.

Anstelle von Angst und Panik lohnt es sich, ein Leben im Glauben im Vertrauen darauf zu führen, dass Gott uns trotz aller Stürme des Lebens auch durch diese Gefahren hindurchführen wird.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesund bleiben, sich weiterhin am Leben freuen und das entdecken können, was Gott Ihnen alles an Gutem schenkt.

Pfarrer Dr. Markus Roser, Evangelische Kirche Sennfeld

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