Neckar-Odenwald

Kraftrad-Entwicklung 2019 wurde bundesweit ein neuer Rekord erreicht / Rund 68 Krafträder pro 1000 Einwohner waren es im Neckar-Odenwald-Kreis

Neuer Höchstwert bei Motorrad und Co.

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Die Zahl der Krafträder hat 2019 bundesweit einen neuen Rekord erreicht: 4,44 Millionen Maschinen. Rund 68 Krafträder pro 1000 Einwohner waren es im Neckar-Odenwald-Kreis. Oder in absoluten Zahlen: 9709 Maschinen.

Damit lag nach der jährlichen Bestandsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamtes der Gesamtbestand an Motorrädern, Rollern, Trikes, Quads & Co, die alle in diese Rubrik fallen, Anfang 2019 bei uns um 159 Maschinen über dem des Vorjahres und gleichzeitig auf einem neuen Höchstwert.

Nicht nur Männersache

Die Maschinen sind dabei längst nicht mehr nur Männersache: Mit einem Frauenanteil von 12,7 Prozent liegt der Neckar-Odenwald-Kreis in der Bundesliga der Motorrad-Mädels auf Platz 272. Spitzenreiter unter 400 Städten, Kreisen (samt Stadtstaaten) ist die bayerische Stadt Ansbach mit 16,8 Prozent.

Schlüsseln wir die Entwicklung auf, ergibt sich, was den Neckar-Odenwald-Kreis angeht, folgendes Bild: Die Zahl derer, die auf Motorrädern und -rollern, sprich zulassungspflichtigen Zweirädern unterwegs sind, stieg im KBA-Vergleich um 134. Die Zahl der Dreiräder liegt bei 63 (Vorjahr: 58). Bei den Quads sind 461 registriert (Vorjahr: 441). Die Spaßmobile machen aber nicht jedem Spaß. Es soll Leute geben, die zählen die Tage bis zum 30. September. Die einen, weil sie dann ihre Maschine einmotten müssen, weil die meisten als Saisonfahrzeuge nur Schönwettergeräte sind.

Die anderen, weil es damit leiser wird, weil die Maschinen aus Feld und Flur verschwinden. Denn die Lust an Motorrad ist für einen Teil der Fahrenden mit der Lust verbunden, die Klappe aufzureißen. Das kleine Teil am sogenannten Klappen-Auspuff verleiht Motorrädern (und Sportwagen) die Lautstärke von kleinen Düsenjets, wenn es geöffnet wird. Die Freude ist allerdings meistens nur auf Seite des Klappenbesitzers.

9507, 9550, 9709, war die Entwicklung bei der Gesamtzahl der Krafträder im Neckar-Odenwald-Kreis in den Jahren 2017, 2018 und 2019. Für Frauen lautet die Zahlenreihe: 1234, 1229, 1230 für die letzten drei Jahre. Bleiben für die Männer: 8273, 8321, 8479 Kraftfahrzeugbriefe und -scheine. Oder 87,3 Prozent (Vorjahr: 87,1 Prozent). Eine klare Mehrheit, aber auch eine klare Ansage: Die Zeiten als Frauen als Sozia nur „Bella figura“ auf der Maschine machten und für die Hingucker sorgten, sind vorbei. Bundesweit wächst die Zahl der Frauen mit eigenem Zweirad von Jahr zu Jahr. 2019 wurden jetzt 589 274 Mädels mit Maschinen gezählt. (581.926 oder 7.348, sprich 1,3 Prozent weniger, waren es noch Anfang 2018 gewesen.) Drehen wir den Zahlenspieß um, heißt der hiesige Bestand aber auch, dass rund 932 Menschen von 1000 im Neckar-Odenwald-Kreis keine Maschine am Start haben. Als Nachbarn motorradfreundlicher Strecken (und Nachbarschaft erstreckt sind über ein paar hundert Meter) haben sie aber den Lärm.

Krachlimit

Der Haken an der Herrlichkeit: Kradfahrer können bei Tempoüberschreitungen ein Bußgeld bekommen, ein Krachlimit gibt’s nur eingeschränkt. Krachmach-Maschinen sind nach den derzeitigen Vorgaben für die Betriebserlaubnis sogar zulässig (sie müssen nur auf dem Prüfstand leise sein). Das gilt weltweit, Basis ist eine UN-Regelung.

Nicht mehr genehmigungsfähig

Aber auch so etwas lässt sich im Prinzip ändern: „Die Arbeiten zum deutschen Vorschlag zur Änderung der UN-Regelung 92 für Motorradaustauschschalldämpfer wurden Ende 2018 abgeschlossen. Die Änderung führt dazu, dass Klappenschalldämpfer mit Laut-/Leise-Umschaltung zukünftig nicht mehr genehmigungsfähig sein werden. Dies wird zu einer Reduzierung der Realgeräuschemissionen führen, da diese Schalldämpfer in den letzten Jahren bei einigen Motorradfahrergruppen immer beliebter wurden. Vorschriftenänderungen zur UN-Regelung 59 für Pkw-Austauschschalldämpfer mit gleicher Wirkung sollen folgen“, meldete das Verkehrsministerium zu Beginn der Motorradsaison 2019.

Nicht schnell genug

Seitdem herrscht Ruhe: an der Gesetzesfront. Bei Thomas Marwein (Grüne) schlagen im Land die Leute auf, denen das alles nicht schnell genug geht: Er ist der Lärmschutzbeauftragte des Landes und sozusagen einmalig. Kein anderes deutsches Bundesland verfügt über ein solches Amt. Den Stolz der Regierung auf die Errungenschaft teilt die Opposition nicht. Weil das Amt keine Handlungsmöglichkeiten bringt.

Jochen Haußmann, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion: „Nur einen Lärmschutzbeauftragten zu haben, reicht nicht. Wir brauchen flexiblere Möglichkeiten der Kommunen streckenbezogene Lärmschutz-Fahrverbote anzuordnen. Darüber hinaus sollten wir die zulässigen Lärmpegel für Motorräder auf europäischer Ebene schnellstmöglich senken. Dafür muss das Bundesverkehrsministerium deutlich mehr Tempo auf der UN-Ebene vorlegen.“

Bleibt die Frage, wie sich laut und leise unter den Krafträdern (und Autos) verteilen. Dafür gibt’s keine amtlichen Zahlen. Aber einen Daumenpeilwert aus dem baden-württembergischen Weinort Weinstadt-Schnait (wo Jochen Haußmann einen Testlauf auf eigene Kosten finanzierte). Dort ergab sich aus einer mehrmonatigen 24-Stunden-Lärmmessreihe die Erkenntnis a): „Verursacht werden die Lärmprobleme je nach Tag und Fahrzeugaufkommen von fünf bis maximal zwölf Prozent der Verkehrsteilnehmer ...“ und die Erkenntnis b) „Die Spitzenwerte über 100 dBA (Disco, einen Meter vom Lautsprecher entfernt), wurden zwischen 4.37 Uhr an einem Sonntagmorgen und 18.47 Uhr an einem Mittwochabend gemessen. Vereinfacht ausgedrückt: Der Krach, dem die Anwohner in Schnait ausgesetzt sind, hängt davon ab, wann es einem Fahrzeugbesitzer in den Sinn kommt, Krach zu machen.“ zds

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