Neckar-Odenwald

Neue Wege des Glaubens

Wir stecken mitten in einer großen Umbruchsituation. Der Lebensalltag aller hat sich in den vergangenen Wochen durch die Corona-Krise sehr verändert. Wir mussten lernen, mit der neuen Situation umzugehen, und uns anpassen. Manche Dinge können wir zur Zeit nicht tun und oft müssen wir uns auf das Wesentliche beschränken. Gewohntes kommt dadurch neu in den Blick und in vielen Bereichen leben wir das Leben bewusster.

Die neue Situation macht auch vor der Kirche nicht halt, denn durch die Krise hat sich ebenfalls der kirchliche Alltag grundlegend verändert. Das für alle auferlegte Versammlungsverbot forderte neue Formen, wie der Glaube in der Krise gelebt und weitergegeben werden kann. Ganz neue Wege der Verkündigung wurden möglich, indem zum Beispiel das Internet für Livestreams von Gottesdiensten oder für geistliche Impulse genutzt wird. Vielerorts wurden Hilfsinitiativen gegründet, oder um Distanzen zu überwinden, gehören nun auch Videokonferenzen zum Alltag der Kirche.

Noch beeindruckender war für mich jedoch, wie wir in diesem Jahr Ostern gefeiert haben. Nach anfänglicher Unsicherheit, ob wir überhaupt das Fest der Auferstehung feiern können, haben viele Gläubige in den Pfarreien unseres Dekanats kleine Initiativen gestartet, um ihren Glauben auszudrücken und miteinander Ostern zu feiern. Von sich aus und ohne Anregung „von oben“ haben ganz unerwartet viele Menschen überlegt, wie sie trotz der Krise ihren Glauben leben und feiern können. Es war das Bedürfnis, ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen und die Osterbotschaft zu verkünden. Dadurch wurde der Glaube in einer ganz natürlichen und alltäglichen Weise lebendig, indem Spaziergänge mit Impulsen am Karfreitag vorbereitet wurden, Ministranten Palmsträuschen gebunden haben, Osterbrunnen geschmückt oder mit Kreide die Osterbotschaft auf Straßen geschrieben wurden.

In den vergangenen Tagen häufen sich jedoch Stimmen, die hoffen, dass sie bald wieder zur Normalität und zum Gewohnten zurückkehren können. Über diese Stimmen wundere ich mich, weil ich gerade nicht zum Alten zurück möchte.

Ich bin froh, dass sich Kirche den Menschen zuwendet und neue Formen der Verkündigung entwickelt. Und ich möchte auch nicht die Vielfalt unseres Glaubens missen, die sich durch das Engagement und das Selbstbewusstsein der Gläubigen entwickelt hat. Ich genieße die Vielfalt und freue mich an den vielen Ideen, denn das alles ist unser Glaube - hier wirkt der Heilige Geist. Der Aufbruch ist wichtig, weil er unseren Glauben erneuert.

Ich wünsche der Kirche und damit uns Gläubigen, dass wir alte Strukturen überwinden und das vielfältige Engagement schätzen und würdigen können, weil der Glaube nur durch uns alle gelebt und weitergegeben wird. Der wahre Schatz der Kirche sind wir, die glauben.

Christian Richter, Dekanatsreferent des Katholischen Dekanats Mosbach-Buchen

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